Expertentipp | Logistik
19.10.2015

Industrie 4.0: Mit agilen Management-Methoden zum Erfolg!

Industrie 4.0 und Agilität: um diese beiden Begriffe kommt man im Moment bei Logistik und Prozessmanagement nicht herum. Industrie 4.0 hat sich mittlerweile schon ganz gut im logistischen Bewusstsein verankert. Auch Unternehmen haben viele Initiativen in Form von Projekten oder Programmen gestartet, Industrie 4.0 und agile Management-Methoden ein- und umzusetzen.

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Es werden auch schon Preise für hervorragende Anwendungen vergeben, wie z. B. in der Zeitschrift „Produktion“. Dagegen sind das Wissen und der Einsatz von agilen Methoden zur Prozess– und Projektsteuerung noch kein ganz großes Thema.

Verzahnung notwendig!

Häufig werden Industrie 4.0 und agile Management-Methoden auch separat behandelt, obwohl durchaus Verbindungen bestehen und eine Verzahnung notwendig erscheint. Denn gerade agile Managementmethoden können bei der Implementierung von Industrie 4.0 einen wichtigen Beitrag leisten.
Bei Industrie 4.0 geht es um die intelligente Verknüpfung von Menschen, Daten und Maschinen mit dem Ziel individualisierte Produkte in Losgröße 1 in selbststeuernden dezentralen Systemen herzustellen. Dabei muss man auch sehen, dass es sich bei Industrie 4.0-Systemen eigentlich um Technology Push Innovation handelt, die erst durch das Internet und die IT-technischen Verknüpfungen möglich wird (schon hier wird der starke IT-Bezug deutlich, der den Link zu agilen Management-Methoden darstellt). Deshalb existieren einerseits keine Standard-Anwendungen und andererseits aber auch kaum Grenzen des Möglichen.

Hohe Anforderungen an die Zusammenarbeit

Durch die vielfältigen Verknüpfungen stellt die Konzeption von Industrie 4.0-Anwendungen hohe Anforderungen an die Zusammenarbeit in Unternehmen. So müssen häufig verschiedene Abteilungen wie

  • Produktion
  • IT
  • Einkauf
  • Produktentwicklung
  • Vertrieb

gemeinsam die Anforderungen an Systeme mit Blick auf den Kunden und unter hohem Wettbewerbsdruck erarbeiten. Und gerade hier können Ideen aus agilen Managementmethoden und Design Thinking helfen, die internen Prozesse zu beschleunigen und gute Lösungen schnell an den Markt (time-to-market!) bzw. in die Fertigungsprozesse zu bringen.

Kundenrelevante Fragestellungen berücksichtigen

Die internen Prozesse sollten sich dabei an den kundenrelevanten (Kunden können auch die Fertigung, der Vertrieb oder Serviceeinheiten sein) Fragestellungen orientieren und die Cross-funktionale Zusammenarbeit unterstützen, um möglichst viele Aspekte bei der Erarbeitung von Lösungen mit einzubeziehen. Leitlinie sollte sein: in schnelleren Zyklen und höherer Frequenz funktionierende (aber noch nicht perfekte) Lösungen generieren und dann durch evolutionäre Weiterentwicklung stetig zu verbessern. In Anlehnung an Minimum Viable Products also schnell „Minimum Viable Processes“ generieren, diese implementieren und weiter verbessern und verfeinern.

Agile Methoden einzusetzen bedeutet:

  • viele Ansätze ausprobieren und schnell eruieren, was funktioniert und was nicht
  • machen und experimentieren
  • gute Lösungen weiterverfolgen und Schlechtes erkennen und eliminieren

Der Nutzen agiler Methoden liegt darin, dass die Organisation dynamisiert wird um durch kleine Schritte auf fast spielerische Weise machbare und funktionierende Lösungen für effizientere Prozesse zu finden, zu implementieren und einen Wettbewerbsvorteil zu generieren.

Beispiel: mobile Technologien

Eine inhaltliche Anregung wäre z. B. „mobile“ Technologien in logistische Prozesse einzuführen. Dabei werden die Geräte noch näher an den Menschen rücken. Beispiele sind Virtual Reality zur Entwicklung und Test von Arbeitsplätzen, Eye Tracking zur Überprüfung von Lernerfolgen und Prozesssicherheit, „Wearables“ wie Uhren etc. zur Identifikation und Kommunikation. Die Steuerung und das Feedback werden viel genauer und objektiver.

Also: Experimentieren Sie mit diesen Technologien und erzielen Sie mit agilen Prozessen Vorteile im Wettbewerb um herausragende Industrie 4.0-Lösungen!

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Autor: Thomas Liebetruth (Thomas Liebetruth ist Professor an der TH Regensburg und unser Experte für den Bereich Logistik.)

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