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19.07.2016

Industrie 4.0: Einkauf 4.0 zur Chefsache machen

Wenn man nicht alles selber macht …! Der Seufzer so manchen Chefs erschallt auch bei der Einführung von Industrie 4.0 im Unternehmen. Und das gilt ebenso für die Umstellung auf Einkauf 4.0. Eine Fraunhofer-Studie im Auftrag des BME fördert das jetzt zutage.

Einkauf 4.0 zur Chefsache machen© fotohansel /​ fotolia.com

Industrie 4.0 wird auch den industriellen Einkauf verändern

Die Digitalisierung der Wirtschaft wird zu gravierenden Veränderungen führen – auch im industriellen Einkauf. Das Beschaffungsportfolio wandelt sich. Partner entlang der Lieferkette vernetzen sich. Interne und externe Daten sind in Echtzeit verfügbar. Damit sind Chancen verbunden, aber auch Herausforderungen.

Industrie 4.0 wird alle Unternehmensbereiche erfassen, insbesondere den Einkauf. Experten sind sich einig: Einkauf 4.0 kommt, die Frage ist nur, wie und welche Rolle es spielen wird. Darüber gehen die Ansichten der Fachleute aus der Praxis noch auseinander.

Studie „Digitalisierung des Einkaufs – Einkauf 4.0“

Das hat die Studie „Digitalisierung des Einkaufs – Einkauf 4.0“ ergeben. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) befragten dafür zwischen August 2015 und April 2016 Einkaufsleiter führender Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Viele der 25 befragten Einkaufsleiter sehen in der Digitalisierung eine historische Chance. Der Einkauf müsse sie nutzen, will er weiterhin seiner strategischen Bedeutung gerecht werden.

Nach Ansicht der Beschaffungsentscheider muss der Einkauf bei dem bevorstehenden Wandel eine treibende und führende Rolle einnehmen.

Im Internet der Dinge kann der Einkauf „als zentrale Schnittstelle zu internen und externen Partnern in der Wertschöpfungskette Industrie 4.0 den Weg ebnen“, sagte Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter des Fraunhofer IML, bei der Vorstellung der Studie vor Journalisten Ende April in Frankfurt.

Das Neue daran sei die digitale Vernetzung von Technologien und Menschen über Unternehmensgrenzen hinweg. Und genau hier würde der Einkauf zum Schrittmacher dieses Prozesses. Seine Erfahrung helfe ihm, die neue Qualität in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Firmen erfolgreich durchzusetzen.

Roland Berger zu Industrie 4.0 und Digitalisierung des Einkaufs: Achtung Kosten!

Die Digitalisierung des Einkaufs nützt allerdings wenig, wenn die Kosten beim Einkauf selbst aus dem Ruder laufen. Die Realisierung und Messung von Kosteneinsparungen ist quer durch alle Branchen weiterhin die wichtigste Aufgabe von Chefeinkäufern (CPOs).

So die Erkenntnis aus einer anderen internationalen Studie, die die Unternehmensberatung Roland Berger unter dem Titel „CPO Agenda 2016“ vorlegt. Sie wertete dafür Antworten von weltweit 200 Einkaufsverantwortlichen aus.

Demzufolge werden in den kommenden drei bis fünf Jahren Themen wie die Sicherung der Warenverfügbarkeit und Produktqualität sowie proaktives Einbinden von Lieferanten weiter an Bedeutung gewinnen. Ausgehend von den wichtigsten Trends, ihren Implikationen für den Einkauf und den daraus resultierenden Hebeln haben die Studienautoren jeweils eine industriespezifische CPO-Agenda für diese Hauptbranchen entwickelt:

  • Automotive
  • Chemie
  • Verbrauchsgüter
  • Investitionsgüter/Maschinen
  • Anlagenbau
  • Gesundheitswesen/ Medizintechnik/ Pharma
  • Versorgungswirtschaft

„Der Einkauf muss und kann einen wesentlichen Beitrag zur Realisierung strategischer Vorteile leisten“, sagt Oliver Knapp, Partner von Roland Berger. Entsprechend würden auch die Erwartungen an die Einkaufsleiter steigen.

Verglichen mit einer Vorgängerstudie von 2014 sei die Zahl der für CPOs wichtigen Themen gestiegen. Obwohl die Trends je nach Industriezweig variieren, hätten die Einkaufschefs eines gemeinsam: Sie stehen vor größeren Herausforderungen.

Fazit: Die Beschaffung muss sich hinsichtlich der Thematik „Einkauf 4.0“ betriebsintern und gegenüber Lieferanten klar positionieren – sonst könnte sie Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. Mehr zu Einkauf 4.0 finden Sie in „Einkauf – Logistik – Transport„. Hier geht es zum kostenlosen Live-Test des Titels.

Hier geht es zur Website des BME, von wo Sie die „Vorstudie Einkauf 4.0 – Digitalisierung des Einkaufs“ herunterladen können.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und unser Experte für Einkauf & Logistik. )

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