03.09.2021

Importpreise im Juli so hoch wie nie seit 40 Jahren

Alle reden von Inflation. Auch die Importpreise kennen zur Zeit nur eine Richtung: aufwärts. Im Juli stiegen sie wie lange nicht. Das letzte Mal war die Veränderung der Preise für Importwaren vor 40 Jahren größer. Aber auch die Exportpreise zogen laut Destatis an – wenn auch nicht so sehr.

Importpreise

Importpreise steigen und steigen und steigen

Die Importpreise waren im Juli 2021 um 15,0 Prozent höher als im Juli 2020. Das berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis). Eine höhere Vorjahresveränderung hatte es demnach zuletzt im September 1981 bei der zweiten Ölpreiskrise gegeben (+17,4 Prozent gegenüber September 1980). Wie Destatis weiter mitteilt, lag die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr im Juni 2021 bei +12,9 Prozent gelegen, im Mai 2021 bei +11,8 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Juni 2021 stiegen die Importpreise im Juli 2021 um 2,2 Prozent.

Energie wird teurer

Energieeinfuhren waren im Juli 2021 um 89,6 Prozent teurer als im Juli 2020. Den Grund für diesen Anstieg sieht das Amt in einem Basiseffekt aufgrund des außerordentlich niedrigen Preisniveaus des Vergleichsmonats:

  • Im Juli 2020 war die Nachfrage nach Erdöl wie bereits in den Monaten April bis Juni 2020 aufgrund der Corona-Krise schwach,
  • gleichzeitig gab es nach wie vor einen starken Angebotsüberhang.
  • Jahresveränderungsrate für Energie im Juli 2021 bei Erdgas mit einem Plus von 170,5 Prozent und
  • Erdöl mit einem Plus von 68,9 Prozent.

Entwicklung ohne Energiepreise

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise waren die Importpreise im Juli 2021 um 8,9 Prozent höher als im Juli 2020 und 1,4 Prozent höher als im Vormonat. Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse außer Betracht, lag der Importpreisindex um 12,2 Prozent über dem Stand des Vorjahres (+2,0 Prozent gegenüber Juni 2021).

Höhere Preise bei Erzen, Metallen, Kunststoffen, Holz- und Holzwaren

Die Preise für importierte Vorleistungsgüter stiegen im Juli 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19,2 Prozent. Gegenüber Juli 2020 verteuerten sich:

  • vor allem Eisenerze (+108,7 Prozent),
  • gesägtes und gehobeltes Holz (57,4 Prozent),
  • Furnier-, Sperrholz-, Holzfaser- und Holzspanplatten (+52,2 Prozent),
  • Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (+52,0 Prozent),
  • Kunststoffe in Primärformen (+42,1 Prozent) sowie
  • Nicht-Eisen-Metallerze (+38,1 Prozent).

Die Preise für importierte Investitionsgüter lagen im Juli 2021 um 1,5 Prozent über denen von Juli 2020. Notebooks (+6,4 Prozent) sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile (+2,2 Prozent) waren teurer als im Juli 2020. Speichereinheiten und andere Datenspeicher (-3,7 Prozent) im Vorjahresvergleich wurden zu niedrigeren Preisen importiert.

Verbrauchsgüter teurer

Die Preise für landwirtschaftliche Güter lagen 10,3 Prozent über denen von Juli 2020. Insbesondere verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat stark:

  • Naturkautschuk (+47,8 Prozent),
  • Rohkaffee (+33,8 Prozent) und
  • Getreide (+17,8 Prozent)

Insbesondere lebende Schweine werden nach wie vor zu niedrigeren Preisen importiert (-14,0 Prozent).

Exportpreise Juli 2021

Der Index der Exportpreise lag laut Destatis im Juli 2021 um 6,3 Prozent über dem Stand von Juli 2020. Eine größere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im Januar 1982 gegeben (+6,6 Prozent gegenüber Januar 1981). Im Juni 2021 und im Mai 2021 hatte die Jahresveränderungsrate bei +5,0 Prozent beziehungsweise bei +4,2 Prozent gelegen. Gegenüber dem Vormonat Juni 2021 stiegen die Exportpreise im Durchschnitt um 1,2 Prozent.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)