06.05.2019

Importe von US-Flüssigerdgas nehmen rasant zu

Die USA importieren immer mehr Erdgas in die EU. Seit Juli 2018 sind die Importe von US-Flüssigerdgas um 272 Prozent angestiegen. Einst hatte US-Präsident Trump bei einem Treffen Druck auf EU-Präsident Juncker ausgeübt. Bleibt die Frage: Wird der Markt sich dem auf Dauer fügen?

Deutliche Zunahme der EU-Einfuhren von US-Flüssigerdgas seit Juli 2018

Bisher höchstes Volumen an US-Flüssigerdgas

Mit über 1,4 Milliarden m³ hat der Import von US-Flüssigerdgas im März 2019 sein bisher höchstes Volumen erreicht. Das teilte die EU-Kommission mit. Seit Juli 2018 haben sich demnach die kumulativen Einfuhren von Flüssigerdgas (LNG – Liquefied Natural Gas) aus den USA in die EU um 272 Prozent erhöht.

Mit einem Anteil von 12,6 Prozent an den bisherigen LNG-Einfuhren der EU im Jahr 2019 sind die USA der drittgrößte LNG-Lieferant Europas; Europa war von Januar bis Februar 20019 vor Asien wichtigstes Bestimmungsland von LNG aus den Vereinigten Staaten.

Steigerung des transatlantischen LNG-Handels

Doch damit wollen sich beide Seiten nicht zufrieden geben. Am 2. Mai 2019 kamen Führungskräfte aus den jeweiligen Energiebereichen in Brüssel zusammen. Sie wollten weitere Maßnahmen zur Steigerung des transatlantischen LNG-Handels erörtern.

Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wie man US-Flüssigerdgas zu konkurrenzfähigen Preisen auf den EU-Märkten anbieten kann. Eine Möglichkeit misst man offenbar dem Einsatz von LNG auf dem Verkehrssektor bei.

Bei dem Treffen handelte es sich um ein hochrangiges Energieforum, eröffnet von dem für Klimapolitik und Energie zuständigen EU-Kommissar Miguel Arias Cañete und dem US-Energieminister Rick Perry. Die dort erörterten kommerziellen Möglichkeiten für LNG in der EU umfassen:

  • neuen Infrastrukturen für die vorgelagerte Entwicklung
  • Verflüssigung
  • Wiederverdampfung
  • Leitungsnetzen
  • neue Geschäftsmodelle
  • Finanzinstrumente

Darüber hinaus nutzten Entscheidungsträger von Unternehmen des LNG-Sektors aus den USA und EU das Forum zur Anbahnung geschäftlicher Kontakte und zum Abschluss von Geschäften.

Zusammenarbeit zwischen EU und USA auf dem Energiesektor

Dieser Belebung der Importe von US-Flüssigerdgas in die EU war ein Gespräch zwischen EU-Präsident Juncker und US-Präsident Trump am 25. Juli 2018 in Washington vorausgegangen. Bei der Gelegenheit hatten beide vereinbart, die strategische Zusammenarbeit zwischen EU und USA im Energiebereich zu stärken.

Insbesondere setzte Trump verstärkte Ausfuhren von Flüssigerdgas aus den USA auf den Gasmarkt der EU durch. Wie die EU betont, entspreche die Vereinbarung dem Ziel der EU, ihre Energieversorgung auf eine breitere Basis zu stellen.

Bei der Europäischen Union geht man davon aus, dass die Gasimporte in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Das hängt freilich von der Nachfrage ab. Hier hofft man bei der EU, dass sie auf einem vergleichbaren Niveau bleiben wird. Man habe Gas bei den Bemühungen um eine Dekarbonisierung der Wirtschaft als wichtigen Übergangsbrennstoff entdeckt.

Ausbau der EU-Kapazitäten

Die EU verfügt den Angaben zufolge derzeit über eine Reservekapazität von rund 150 Milliarden m³ Flüssigerdgas. Gleichwohl erweitert man diese noch durch folgende Maßnahmen:

  • Unterzeichnung einer Finanzhilfevereinbarung zwischen der polnischen Regierung und dem LNG-Unternehmen Polskie über die Erweiterung des Flüssiggas-Terminals in Swinemünde an der Ostsee im Nordwesten Polens am 24. April 2019
    Die EU hat ihrer Mitteilung zufolge fast 128 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung in die Erweiterung dieses Terminals investiert. Diese Investition kommt zu den 224 Millionen Euro hinzu, die bereits in der vorangegangenen Förderperiode investiert wurden.
  • Die endgültige Investitionsentscheidung für ein LNG-Terminal auf der Insel Krk in Kroatien im Januar 2019.
    Die EU hat insgesamt 124 Millionen Euro (108 Millionen Euro für das Terminal und 16 Millionen Euro für die Evakuierungspipeline) zu dem Projekt beigetragen.
  • EU-Unterstützung der Kapazitätsentwicklung in Griechenland, Spanien, Irland, Schweden und Zypern
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)