11.05.2017

Im Rohstoffeinkauf steigen die Risiken weiter

Die Beschaffung von Rohstoffen bleibt kritisch. Die Preise für viele mineralische Rohstoffe und Zwischenprodukte sind nach wie vor sehr volatil. Das zeigt die aktuelle Rohstoffliste 2016 der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). Den Grund für den schwierigen Rohstoffeinkauf sehen Marktforscher in wachsenden politischen Unsicherheiten.

DERA legt Rohstoffliste 2016 vor

Rohstoffeinkauf: hohe potenzielle Einkaufsrisiken

40 Prozent der untersuchten Rohstoffe und Zwischenprodukte weisen hohe potenzielle Einkaufsrisiken auf. Das ergibt die aktuelle Untersuchung von knapp 300 Materialien durch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA).

Zu den risikobehafteten Materialien gehören die nachfolgend genannten:

Hochtechnologiemetalle wie

Seltene Erden

  • Germanium
  • Platinmetalle
  • Gallium

und Stahlveredler wie

  • Niob
  • Vanadium
  • Wolfram.

Die Marktforscher haben drei Risikogruppen der untersuchten Rohstoffe und Handelsprodukte identifiziert.

Risikogruppe 1: geringes Risiko

Zu dieser Gruppe gehören Rohstoffe mit unbedenklicher bis mittlerer Länderkonzentration und einem niedrigen bis mäßigen gewichteten Länderrisiko. Gewinnung, Weiterverarbeitung oder Handel finden in zahlreichen Ländern statt. Damit sind sie diversifiziert. Durch relativ niedrige Länderrisiken sind politische Einflüsse selten. Entsprechend gering sind die Möglichkeiten einzelner Akteure, in dieser Marktkonstellation Macht auszuüben.

Risikogruppe 2: mittleres Risiko

Diese Gruppe umfasst Rohstoffe mit mäßiger Länderkonzentration und einem niedrigen bis mäßigen gewichteten Länderrisiko. Zu ihr gehören weiterhin Rohstoffe mit hoher Länderkonzentration, aber niedrigem gewichteten Länderrisiko. Lieferausfälle sind eher unwahrscheinlich.

Risikogruppe 3: hohes Risiko

Hierzu zählen Rohstoffe mit hoher Länderkonzentration und einem mäßigen bis hohen gewichteten Länderrisiko. Hier ist die Wahrscheinlichkeit für Lieferausfälle oder Preisrisiken besonders hoch.

Rohstoffeinkauf und Weiterverarbeitung der Rohstoffe

Insbesondere bei der Weiterverarbeitung der Rohstoffe zeigt die Untersuchung eine deutliche Zunahme der Angebotskonzentration, beispielsweise bei der Produktion von Aluminium oder Stahl. Nicht nur die Preise seien aber volatil, auch die Lieferrisiken würden steigen.

„Für den Produktions- und Technologiestandort Deutschland bergen gerade die kleinen, stark konzentrierten Rohstoffmärkte erhöhte Risiken“, sagt Torsten Brandenburg von der DERA.

Er warnt, dass vorhandene Beschaffungsrisiken schnell zu realen Preis- und Lieferproblemen werden könnten, nämlich durch:

  • Wettbewerbsverzerrungen
  • Handelskonflikte
  • Spekulationen
  • politische Maßnahmen
  • Naturkatastrophen

Problemland China

Als Gründe für die fragile Situation auf den Märkten nennt die DERA die dominierende Marktmacht einzelner Rohstoffländer sowie hohe politische Unsicherheiten.

Bei Gallium, Indium und Magnesium kontrolliert China zum Teil deutlich über 70 Prozent des Marktes. In der Bergwerksförderung belegt das Land bei fast der Hälfte der untersuchten Rohstoffe den ersten Platz. Bei Metallprodukten nimmt China bei 23 von 26 untersuchten Rohstoffen die führende Position ein.

China will zudem weite Teile der höheren Wertschöpfung mineralischer Rohstoffe im eigenen Land aufbauen. Insbesondere bei der Weiterverarbeitung zahlreicher Metalle konnte das Land Marktanteile gewinnen.

Rohstoffeinkauf von Niob, Lithium und Kobalterzen

Auch bei diesen Rohstoffen haben wir es mit einem konzentrierten Angebot zu tun:

  • die Produktion des Stahlveredlers Niob in Brasilien
  • die Förderung von Lithium in Australien und Chile
  • der Export von Kobalterzen aus der DR Kongo

Hier geht es zur Homepage der Deutschen Rohstoffagentur innerhalb der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (DERA).

Direkt zur DERA-Rohstoffliste 2016 kommen Sie über diesen Link: DERA Rohstoffinformationen 32.

 

Autor: Franz Höllriegel