02.12.2021

Hapag-Lloyd wirft Anker im JadeWeserPort

Lange gab es im einzigen deutschen Tiefseehafen vor allem eins: Wasser. Reedereien und Hochseeschiffe grüßten im Vorbeifahren. Jetzt hat sich die deutsche Großreederei entschlossen, an der Jade Anker zu werfen – mit einer üppigen Beteiligung u.a. am Container Terminal Wilhelmshaven.

Hapag-Lloyd JadeWeserPort

Beteiligungen an CTW und RTW

Auf 30 Prozent beläuft sich die Beteiligung der deutschen Reederei Hapag-Lloyd am Container Terminal Wilhelmshaven (CTW) im deutschen Tiefseehafen JadeWeserPort, auf 50 Prozent eine weitere am Rail Terminal Wilhelmshaven (RTW). Das teilt Hapag-Lloyd mit. Der Terminalbetreiber Eurogate hält demnach weiterhin die verbleibenden Anteile. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kartellbehörden rechnen Beobachter mit dem Abschluss der Transaktion innerhalb weniger Monate.

Gestiegene Nachfrage nach Containerkapazitäten begünstigt Transaktion

Für die Transaktion hat sich die Reederei einen günstigen Zeitpunkt ausgesucht. Hapag-Lloyd hat die ersten neun Monate 2021 mit einem Ebit von 8,2 Milliarden US-Dollar (6,8 Milliarden Euro) abgeschlossen. Das Ebit lag mit 6,9 Milliarden US-Dollar (5,8 Milliarden Euro) ebenfalls über dem Vorjahresniveau.

Zugleich verbesserte sich das Konzernergebnis auf 6,7 Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro). Im Neunmonatszeitraum (9M) 2021 verzeichnet sie um etwa 70 Prozent auf 17,9 Milliarden US-Dollar (15 Milliarden Euro) gestiegene Umsätze.

Wesentlich dazu beigetragen hat den Angaben zufolge eine höhere durchschnittliche Frachtrate von 1.818 US-Dollar pro 20-Fuß-Standard-Container (Twenty-foot equivalent unit TEU, 9M 2020: 1.097 USD/TEU). Diese Steigerung beruhe insbesondere auf einer anhaltend hohen Nachfrage nach Containertransporten bei zugleich knappen Kapazitäten. Zudem wuchs die Transportmenge auf 8.980 TTEU und lag damit um drei Prozent über dem Vorjahreswert.

Höhere Aufwendung für Transport

Dabei erhöhten sich die Transportaufwendungen um 16 Prozent auf 8,9 Milliarden US-Dollar (7,4 Milliarden Euro). Dazu trugen laut Pressemitteilung bei:

  • höhere Kosten für Containerhandling
  • ein gestiegener durchschnittlicher Bunkerverbrauchspreis von in den ersten neun Monaten 452 USD/t (9M 2020: 402 USD/t).

Trotz allen operativen Herausforderungen habe man ein außergewöhnlich starkes Neunmonatsergebnis zu verzeichnen, so Rolf Habben Jansen, CEO von Hapag-Lloyd. Allerdings ständen die globalen Lieferketten unter einem enormen Druck. Er habe sich in der Peak Season im dritten Quartal weiter erhöht. Das bringe zusätzliche operative Belastungen mit sich für:

  • Carrier,
  • Häfen und Terminals,
  • Kunden weltweit.

Flexibles Kapazitätsmanagement

„Wir werden nichts unversucht lassen, mit passenden Angeboten zu helfen und unseren Teil zur Lösung der Situation durch gezielte Investitionen und ein flexibles Kapazitätsmanagement beizutragen“, so Jansen.
Sein Unternehmen erwartet, dass die Ertragsdynamik auch für den restlichen Jahresverlauf auf einem weiterhin hohen Niveau verbleibt. Entsprechend hob es der Ergebnisausblick für das Gesamtjahr 2021 an:

  • Ebitda: in der Bandbreite von 10,1 bis 10,9 Milliarden Euro (bisher: 7,6 bis 9,3 Milliarden Euro)
  • Ebit: in der Bandbreite von 8,7 bis 9,5 Milliarden Euro (bisher: 6,2 bis 7,9 Milliarden Euro) erwartet.

Mit einer Flotte von 250 modernen Containerschiffen und einer Gesamttransportkapazität von 1,8 Millionen TEU sieht sich Hapag-Lloyd als eine der führenden Linienreedereien weltweit. Das Unternehmen gehört in den Fahrtgebieten Transatlantik, Mittlerer Osten, Lateinamerika sowie Intra-Amerika zu den führenden Anbietern. Den Angaben zufolge ist es mit rund 13.400 Mitarbeitern an Standorten in 130 Ländern mit 394 Büros tätig.

Es verfügt demnach über einen Containerbestand von rund 2,8 Millionen TEU – inklusive einer der größten und modernsten Kühlcontainerflotten. Weltweit 121 Liniendienste sorgen für Verbindungen zwischen mehr als 600 Häfen auf allen Kontinenten – und jetzt auch mit einem Geschäftsanker im JadeWeserPort in Wilhelmshaven.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)