23.06.2020

Hapag Lloyd behauptet sich in der Corona-Krise

Die Container-Reedereien haben in der Corona-Krise schwer zu kämpfen. In Europa und USA beeinflusst der Lockdown die Nachfrage nach ihnen. 500 Pötte sind ohne Beschäftigung. Hapag-Lloyd will ohne Staatshilfe überleben. Die größten Flotten sitzen in Dänemark und der Schweiz.

Hapag Lloyd

Containerschiffe ohne Job

Weltweit liegen 500 Containerschiffe auf – so viele wie noch nie. Gemeint sind Schiffe, die vor Anker liegen und ohne Beschäftigung sind. Bei der deutschen Container-Reederei Hapag-Lloyd betrifft das zwischen zehn und 20 Schiffe.

„Wir haben an anderer Stelle Kapazitäten herausgenommen und einige Charterschiffe zurückgegeben“, erklärt Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen in der „Welt“.
Ein Drittel der Transportkapazitäten Hapag Lloyds sind gemietet, die Hälfte seiner Schiffsflotte. Dadurch besitze man eine hohe Flexibilität. Aus der Versorgungskrise sei eine Nachfragekrise geworden. Nur langsam erhole sich die Weltwirtschaft:

  • China: Exporte und Transportmengen kommen langsam wieder in Gang. Fabriken arbeiteten, Exportkapazitäten seien da.
  • Europa: Lockdown beeinflusst die Nachfrage negativ.
  • USA: hohe Arbeitslosigkeit führt zu Nachfragerückgang.
  • Indien: wochenlanger Lockdown lässt die Wirtschaft teilweise einbrechen, Export deswegen extrem schwach.
  • Lateinamerika: Folgen der Pandemie auf die Wirtschaft noch wenig überschaubar, aber zweifelsohne im Kommen.

Größte Containerschiff-Flotte sitzt in Dänemark

Hapag-Lloyd ist die Nr. 5 unter den größten Container-Reedereien. Über 6.000 Containerschiffe überqueren täglich die Weltmeere und transportieren den Großteil der weltweit gehandelten Waren. Laut Angaben des Schifffrachtverkehr-Informationsportal Alphaliner bewegt diese Flotte etwa 24 Millionen Standardcontainer (TEU) zu ihrem Zielhafen.

Wie die Statista-Grafik zeigt, hat die größte Containerschiff-Flotte ihren Hauptsitz im kleinen europäischen Dänemark. Die APM-Maersk kontrolliert eine Seeflotte von 653 aktiven Schiffen. Die zweitmeisten Containerschiffe haben ihr Hauptquartier in einem Land ohne direkten Seezugang. Die Schweizer Mediterranean Shipping Company (MSC) wurde 1970 in Neapel gegründet und leitet heute ihre Geschäfte mit etwa 552 Schiffen von Genf am gleichnamigen See aus.

Anzahl der Containerschiffe 2020
Containerschiff-Flotte

Jansen geht davon aus, dass der Welthandel in diesem Jahr um rund zehn Prozent geringer ausfalle als im Vorjahr. Für das zweite Quartal rechnet sein Unternehmen mit zehn bis 15 Prozent geringeren Transportmengen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch danach werde es voraussichtlich schwach bleiben. Jansens Hoffnung: Im vierten Quartal Rückgang nur noch im einstelligen Prozentbereich.

Von den 120 Liniendiensten hat Hapag Lloyd rund 50 angepasst, Abfahrten gestrichen oder andere Schiffe eingesetzt. Allein in dem für das Unternehmen wichtigen Ost-West-Verkehr habe man im zweiten Quartal 15 bis 20 Prozent weniger Kapazität angeboten. Staatshilfen will Jansen möglichst nicht beantragen. Bis jetzt und eventuell noch die nächsten drei bis sechs Monate könne man mit der Situation gut umgehen.

Andere Situation als 2008/2009

Die derzeitige Situation sei für die Containerschifffahrt eine andere als in der Finanzkrise 2008 und 2009. Damals hätten Angebot und Nachfrage eklatant auseinander geklafft mit vielen Schiffsbestellungen und vollen Orderbüchern der Werften für die Hälfte der bestehenden Flotte. In den kommenden zweieinhalb Jahren würden demgegenüber nur noch rund zehn Prozent der Weltflotte neu gebaut, in etwa so viele Schiffe, wie jedes Jahr verschrottet würden. Es werde in den kommenden Jahren kein großes Wachstum der Schiffsflotte und der Transportkapazitäten geben.

Großneubauten aus Korea

Diese Neubauten haben es allerdings in sich. Soeben verließ auf seiner Jungfernfahrt die „HMM Algeciras“ nach dreitägigem Aufenthalt am 10. Juni 2020 den Hamburger Hafen. Von diesem weltgrößten Schiff mit Platz für 24.000 Container will die Reederei Hyundai Merchant Marine (HMM) zwölf Exemplare einsetzen.

HMM ist eines der weltgrößten Logistikunternehmen mit Sitz in Seoul, Südkorea. Im Containerschiffbereich stand die Reederei im vergangenen Jahr an neunter Stelle. Neben Containerschiffen werden auch Tanker und Massengutschiffe bereedert, insgesamt umfasst die Flotte laut Angaben des Hafen Hamburg rund 120 Schiffe. Das Unternehmen ist weltweit mit mehr als 70 Niederlassungen vertreten.

Der europäische Hauptsitz ist London. Hamburg als größtes Büro in Deutschland unterstehen Büros in Bremen, Düsseldorf, Frankfurt und München. Im März 2020 gab sich das Unternehmen einen neuen Namen: Aus Hyundai Merchant Marine Co., Ltd wurde HMM Co,. Ltd.

„HMM Algeciras“ auf Jungfernfahrt in Hamburg

Die „HMM Algeciras“ ist das erste aus einer Reihe von zwölf baugleichen Schiffen. Sie und ihre Schwestern sind mit einer Länge von 400 Metern und Kapazität von 23.964 Standardcontainern die zurzeit größten Schiffe der Welt. Die Reederei hatte den Bau bei den Werften DSMI (Daewoo Shipping & Marine Engineering’s Okpo) und SHI (Samsung Heavy Industries) von jeweils sieben bzw. fünf Schiffen in Auftrag gegeben. Die Baureihe zählt zu den sogenannten Megamax-24-Containerschiffen. Die Zahl 24 bezieht sich auf die Anzahl von Containern, die über die Schiffsbreite verteilt nebeneinandergestellt werden können. In der Höhe können je 12 Lagen unter und 12 Lagen über Deck gestapelt werden.

HMM Algeciras unterwegs auf der Elbe
HMM Algeciras

Das Deckshaus ist wie bei den meisten Megacarriern weit vorne angeordnet, um der Schiffsführung eine bessere Sicht nach vorne zu ermöglichen. Der Mega-Carrier wird durch einen MAN B&W 1G95ME Motor mit einer Leistung von 60.380 kW angetrieben. Damit erreicht das Schiff eine Geschwindigkeit von 22,4 Knoten.

Die gesamte Baureihe ist mit sogenannten Scrubbern ausgestattet. Diese Abgaswaschanlagen filtern die Schwefelemissionen aus den Abgasen der Schiffe heraus und setzen damit die geforderten weltweiten Richtlinien um.

Die „HMM Algeciras“ löst mit Ihrem Fassungsvermögen die „MSC Gülsün“ der Schweizer Reederei MSC mit einem Fassungsvermögen von 23.756 Standardcontainern als größtes Schiff der Welt ab. Die „HMM Algeciras“wird zwischen Europa und Ostasien im Rahmen des Schiffskonsortiums „The Alliance“ im Liniendienst FE4 eingesetzt. In der Rotation werden die Häfen Hamburg, Rotterdam, Antwerpen, London-Gateway, Algeciras, Singapur, Quingdao, Busan, Ningbo, Shanghai, Yantian, Algeciras, Rotterdam angelaufen. Alle 84 Tage läuft das Schiff Hamburg an.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)