23.12.2020

Handel hebt Einkaufspreise für Schweinefleisch an

Die Bauernproteste gegen Preise für Schweinefleisch zeigen Wirkung. Der Lebensmittelhandel will auf die Landwirte zu gehen. Nach Lidl kündigten Rewe und Kaufland an, ihre Einkaufspreise für Schweinefleisch zu erhöhen. Foodwatch beschuldigt die Landwirte. Sie seien selber schuld.

Einkaufspreise Schweinefleisch

Rewe-Gruppe hebt Preise an

Schweinefleisch wird teurer – jedenfalls in der Beschaffung durch die Lebensmittelketten. Laut DPA will die Rewe-Gruppe bei Schweinefleisch höhere Beschaffungspreise zahlen. Zu der Gruppe gehörte Discounter-Penny. Auch er kündigte an, bei Schweinefleisch bis auf weiteres höhere Beschaffungspreise zu zahlen. Sie sollen dem Marktniveau vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und dem damit zusammenhängenden völligen Zusammenbruch des Exportmarktes entsprechen.

„Wir wollen damit kurzfristig einen Beitrag leisten, die akute Krise der deutschen Schweinebauern zu beenden“, zitiert die Meldung Einkaufsvorstand Hans-Jürgen Moog.

Stärkung der heimischen Landwirtschaft

Rewe setze auf eine langfristige und nachhaltige Stärkung der heimischen Landwirtschaft. Man sei mit dem Deutschen Bauernverband und der Bewegung „Land schafft Verbindung“ im Gespräch. Dazu habe Rewe ein Positionspapier erstellt u.a. zu:.

  • Ausbau von Regionalfleischprogrammen
  • Maßnahmen zur dauerhaften Stärkung der deutschen Milchwirtschaft.

Lidl Vorreiter

Zuvor hatte bereits der zur Schwarz-Gruppe gehörende Discounter Lidl als Reaktion auf die jüngsten Protest- und Blockadeaktionen von Landwirten die Preise für Schweineprodukte erhöht – nach eigenen Angaben den Einkaufspreis für zehn Artikel aus dem Schweinefleischsortiment um einen Euro pro Kilogramm. Als Folge steige der Verkaufspreis im gleichen Umfang, so Lidl laut DPA.

Der ebenfalls zu dieser Gruppe gehörende Großflächen-Discounter Kaufland kündigte an, den Einkaufspreis für verschiedene Schweinefleischartikel um einen Euro pro Kilo zu erhöhen. Entsprechend steige der Verkaufspreis für diese Artikel um einen Euro pro Kilo, teilte das Unternehmen mit. Dies gelte unter anderem für

  • Schweineschnitzel
  • Schweinehackfleisch
  • Schweinegulasch
  • Schweinekotelett

Man habe Verständnis für die aktuellen Sorgen und Ängste der heimischen Landwirte, so Kaufland. Die Bauern hätten es schon vorher nicht leicht gehabt. Covid-19 und Afrikanische Schweinepest stelle die Landwirtschaft vor fast unlösbare Probleme. Absatzwege etwa in der Gastronomie und im Export brächen weg, die Erzeugerpreise sänken.

Händler mit Bauern im Gespräch

Die großen Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe sowie der Handelsverband Lebensmittel (BVLH) hätten sich mit Vertretern der Landwirte zu Verhandlungen getroffen. Parallel habe es Gespräche von Aldi mit Bauernvertretern gegeben.

DPA zitiert einen Sprecher von Aldi Süd dahingehend, der Discounter zahle schon seit Monaten die vor dem Preisverfall durch Corona und die Afrikanische Schweinepest vereinbarten Preise für Schweinefleisch. Die Probleme der Bauern könne der Handel allein nicht lösen. Um die Strukturprobleme in der Landwirtschaft in den Griff zu bekommen, seien staatliche Hilfen in Milliardenhöhe nötig. Aldi habe einen Hilfsfonds ins Spiel gebracht. In ihn könnten die Händler einen bestimmten Umsatzanteil aus dem Verkauf von Agrarprodukten einbringen, der der Staat auffüllen müsse.

Protesten der Landwirte gegen niedrige Preise für Agrarprodukte

Zu den Protesten der Landwirte gegen zu niedrige Preise für Agrarprodukte äußerte Andreas Winkler, Pressesprecher bei der Organisation Foodwatch, zwar „Verständnis für die Nöte der Bauern“. Allerdings seien deren Probleme „zu einen erheblichen Teil selbst gemacht“. Winkler wirft in einer Pressemitteilung seiner Organisation deren Lobby vor, die Landwirte in einen „ruinösen Preiswettbewerb getrieben“ zu haben, den sie jetzt beklagten. Die Lobby sei enorm einflussreich. Auf deren massives Betreiben hin werde die „verfehlte Agrarpolitik der EU in den nächsten sieben Jahren weitergehen wie bisher“:

  • Hochsubventioniert mit Steuergeldern
  • billigstmöglich für den Weltmarkt produziert
  • großen Umweltschäden und
  • Tierqual
  • bei Zerstörung vieler bäuerlicher Existenzen.

Winkler: „Es ist höchste Zeit, dass die Bauern aufhören, sich als Opfer fremder Mächte darzustellen, sondern anfangen, sich gegen eine verfehlte Agrarpolitik zu wehren, deren Leidtragende sie selber sind.“
Billig-Agrarexporte für den Weltmarkt und eine nachhaltige Landwirtschaft mit fairen Preisen für die Landwirte schlössen einander aus.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)