25.06.2018

Hamburg als Vorreiter für Diesel-Fahrverbote

Maut, Diesel-Fahrverbote, Sommerverkehr – es gibt dieser Tage einige Gründe, bestimmte Straßen zu umfahren. In Hamburg hat der Senat den Vorreiter gemacht und und einen kurzen Straßenabschnitt für Diesel-Fahrzeuge verboten. Zu kurz, um schon im Ausweichatlas des BGL zu stehen.

Pünktlich zur Sommerzeit gibt es wieder den Ausweichstreckenatlas des BGL.

Diesel-Fahrverbote in Hamburg: 4.800 Meter Umfahrung für 1.600 Meter Verbotsabschnitt

Als Menschen zweiter Klasse fühlen sich derzeit die Anwohner von Ausweichrouten in Hamburg. Dort werden seit dem 31. Mai auf einem 1.600 m langen Abschnitt der Stresemannstraße erste Diesel-Fahrverbote umgesetzt. Diesel-Fahrzeuge müssen diesen Abschnitt über eine 4.800 m lange Ausweichroute umfahren – zum Verdruss der dortigen Anwohner.

Auf den betreffenden Straßenabschnitten im Hamburger Stadtteil Altona rollte laut einer Meldung der „Bild“ der Berufsverkehr wie immer. Einen deutlichen Rückgang des Schwerlastverkehrs habe man vor Ort nicht erkennen können.

Anwohner Menschen zweiter Klasse

Das Blatt lässt Anwohner der Ausweichstrecke für die Stresemannstraße zu Wort kommen. Man sei empört von dem Diesel-Fahrverbot in Hamburg. Man könne die Fenster nachts nicht mehr öffnen, kleine Kinder hätten gehustet. Einige erwögen wegzuziehen, andere fühlten sich ungerecht behandelt.

Man sei zu Menschen zweiter Klasse degradiert, während die Anwohner auf den gesperrten Abschnitten aufgewertet worden seien. Hamburg mache sich mit der jetzigen Umsetzung des Diesel-Fahrverbots lächerlich.

Diesel-Fahrverbote in 65 weiteren Städten möglich

Wie in Hamburg könnte es nach Informationen der Zeitung auch in 65 weiteren Städten zu Fahrverboten kommen. Grund sei die enorm hohe Belastung durch Stickstoffdioxide. Das Blatt beruft sich dabei auf eine Auswertung des Umweltbundesamts von Ende März.

Danach gab es in insgesamt 66 deutschen Städten letztes Jahr Probleme mit der Luftverschmutzung durch Diesel-Fahrzeuge. Hier wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoff pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt überschritten. Darunter seien große Städte wie Essen, Frankfurt/M., Köln, Bochum, München oder Berlin. Aber auch kleinere Orte wie Walzbachtal oder Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg), Overath oder Schwerte (NRW) seien betroffen.

Neue Ausweichstreckenkarte für Samstagsfahrverbote

Wie sich die Ausweichsituation dort gestaltet, bleibt abzuwarten. Noch nicht ausgewiesen sind sie wohl in der neuen Ausweichstreckenkarte des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. Diese Karte wurde in Abstimmung mit den zuständigen Verkehrsbehörden erarbeitet.

Sie bietet Hilfen für Fahrer, die im Juli und August an Samstagen unterwegs sind. Auch 2018 gilt an allen Samstagen vom 07.07.2018 bis einschließlich 25.08.2018 zwischen 7 und 20 Uhr für Lkw über 7,5 t zulässiges Gesamtgewicht und Lkw mit Anhängern ein zusätzliches Fahrverbot auf zahlreichen Autobahn- sowie einzelnen Bundesstraßenabschnitten.

Die Ausweichstreckenkarte ist zum Nettopreis von 4,65 Euro über die Website des BGL zu beziehen.

Eignung für Last- und Sattelzüge bis 40 t

Die in der großformatigen Ausweichstreckenkarte im Maßstab 1 : 1.000.000 vorgeschlagenen Alternativstrecken wurden auf ihre Eignung für Last- und Sattelzüge bis 40 t überprüft. Einschränkungen durch größere vorhersehbare Baumaßnahmen, Sperrungen für Transporte von Gefahrgütern oder wassergefährdender Ladung und Nachtfahrverbote sind in der Karte gekennzeichnet. Zusatzinformationen und Detailkarten erhöhen den Informationswert der Ausweichstreckenkarte.

Karte auch auf Tschechisch, Polnisch und Russisch

Bereits zum vierten Mal enthält die BGL-Ausweichstreckenkarte Erläuterungen – neben denen in englischer und französischer Sprache – auch auf Polnisch, Tschechisch und Russisch. BGL-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Dirk Engelhardt dazu: „Damit tragen wir den veränderten Realitäten im Transportlogistikgewerbe Rechnung.“

Immer mehr Lkw-Fahrer aus den EU-Beitrittsstaaten arbeiten im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit auch in deutschen Firmen zu deutschen Lohn- und Sozialbedingungen. Der BGL möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich diese Fahrer leichter in ihrer neuen beruflichen Heimat zurechtfinden. Außerdem erleichtere es Fahrern aus diesem Sprachraum, die Bestimmungen der Ferienreiseverordnung korrekt einzuhalten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)