06.09.2018

Güterverkehr über See: RoRo-Verkehre legten 2017 deutlich zu

Es gab Rückgänge im Güterverkehr über See mit Russland, Großbritannien und Belgien, Zunahmen dagegen im Verkehr mit Skandinavien, Holland und dem Baltikum. Die RoRo-Verkehre legten zu; insgesamt entwickelte sich der Kurzstreckenseeverkehr 2017 jedoch uneinheitlich. Das BAG legt neue Zahlen dazu vor.

Aus den neuen Zahlen für 2017 ergibt sich, dass der Kurzstreckenseeverkehr wieder angestiegen ist.

Zunahme der RoRo-Verkehre 2017

Die RoRo-Verkehre wuchsen 2017 überproportional an, während der Containerumschlag zurückging. Das ergibt sich aus den Zahlen zur Entwicklung des Kurzstreckenseeverkehrs deutscher Seehäfen im Jahr 2017. Diese wurden vom Bundesamt für Güterverkehr im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums berechnet.

Danach ist das Güterumschlagsvolumen im Kurzstreckenseeverkehr in deutschen Häfen 2017 im Vergleich zu 2016 nur leicht gestiegen, und zwar um 0,6 Prozent auf rund 185,3 Millionen Tonnen (t). Im Gegensatz zu den Vorjahren entwickelten sich die Umschlagsmengen im Kurzstreckenseeverkehr damit etwas schwächer als der Seegüterumschlag der deutschen Häfen insgesamt.

Begriffe und Abkürzungen

BAG: Bundesamt für Güterverkehr

Kurzstreckenseeverkehr: engl. „Short sea shipping“. Bezeichnet den Seeverkehr innerhalb eines Kontinents. Im Gegensatz dazu befördert die Hochseeschifffahrt („Deep sea shipping“) Güter über die Ozeane.

RoRo-Verkehre: von engl. „Roll on Roll off“. RoRo-Schiffe befördern bewegliche Güter, also Pkws, Lkws oder auch Züge. Im Gegensatz dazu steht das LoLo-Verfahren („Lift on Lift off“), bei dem die Ladung an Bord gehoben wird.

t: Tonnen ohne Eigengewichte der Ladungsträger

Wichtigster Staat Russland

Maßgeblich für den erneuten Anstieg des Kurzstreckenseeverkehrs sind vor allem Umschlagszuwächse im Verkehr mit diesen Staaten:

  • Norwegen
  • Lettland
  • Dänemark
  • Frankreich
  • Niederlanden
  • Schweden

Nach wie vor wichtigster Staat für den deutschen Kurzstreckenseeverkehr ist Russland. Jedoch verzeichnete man hier Umschlagsrückgänge ebenso wie mit Großbritannien und Belgien.

Unter anderem aufgrund der rückläufigen Russlandverkehre nahmen die Containerumschläge deutscher Seehäfen im Kurzstreckenseeverkehr ab: um rund 2,8 Prozent auf rund 5,7 Millionen 20-Zoll-Normalcontainer (TEU) .

RoRo-Verkehre: deutlicher Anstieg

Mit einem Plus von rund 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten RoRo-Verkehre 2017 ein überproportionales Wachstum.

Mehr als 2,1 Millionen Lkw und unbegleitete Anhänger sowie Sattelauflieger wurden von deutschen Seehäfen im RoRo-Verkehr umgeschlagen – mit einem Anteil von zuletzt rund 88,8 Prozent vor allem von den deutschen Ostseehäfen. Zuwächse verzeichneten dabei insbesondere die Relationen mit Lettland, Dänemark und Schweden.

Nicht identifizierbare Güter in Containern und Wechselbehältern

Mit rund 47,9 Millionen t entfiel laut BAG der höchste Anteil des Güterumschlags im Kurzstreckenseeverkehr erneut auf nicht identifizierbare Güter in Containern und Wechselbehältern. Es folgten diese Güterabteilungen:

  • Kohle, rohes Erdöl und Erdgas
  • Erze, Steine und Erden u.ä.
    (mit einem Plus von rund 2,9 Millionen t bzw. 15,9 Prozent, im Vorjahresvergleich dem höchsten absoluten Wachstum)
  • Kokerei- und Mineralölerzeugnisse
  • chemische Erzeugnisse etc.
  • Holzwaren, Papier, Pappe, Druckerzeugnisse

Chemische Verkehre mit Großbritannien und Holland

Diese Güterabteilungen vereinten rund drei Viertel des gesamten Güterumschlags deutscher Seehäfen im Kurzstreckenseeverkehr. Mit Ausnahme der chemischen Erzeugnisse, die vorrangig im Verkehr mit den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich umgeschlagen wurden, waren bei allen anderen genannten Güterabteilungen die skandinavischen Staaten und die Russische Föderation von hoher Bedeutung.

Hamburg vorn, gefolgt von Bremen

Unterschieden nach Ladungsarten entfielen rund 27,1 Prozent des mengenmäßigen Seegüterumschlags deutscher Häfen im Kurzstreckenseeverkehr auf Container. Flüssige und feste Massengüter, die beim seeseitigen Empfang vorherrschten, erreichten Anteilswerte von 22,9 und 24,3 Prozent.

Weitere rund 18,5 Prozent des Güterumschlags entfielen auf RoRo-Verkehre, die übrigen 7,2 Prozent auf Stückgüter, die ohne Ladungsträger mit dem Seeschiff befördert werden.

Hier sind die Zahlen des Gesamtgüterumschlags im Kurzstreckenseeverkehr für die deutschen Häfen in Prozent:

  1. Hamburg: rund 27,9 Prozent
  2. Bremische Häfen: 17,7 Prozent
  3. Wilhelmshaven: 10,0 Prozent
  4. Rostock: 9,2 Prozent
  5. Lübeck: 8,7 Prozent

Im internationalen Vergleich belegten Hamburg und Bremerhaven nach aktuellen Zahlen im Jahr 2016 die Ränge 3 und 19 unter den 20 umschlagsstärksten EU-Häfen im Kurzstreckenseeverkehr. An der Spitze lag Rotterdam.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)