Fachbeitrag | Einkauf 03.03.2016

Grüner Einkauf – oder die Aufforderung, im Einkauf nachhaltig zu agieren

Oft werden noch die unterschiedlichsten Namen für den „Grünen Einkauf“ verwendet, aber er wird nicht mehr belächelt. Die Aufgabe des Einkaufs, sich mit den neuen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, ist inzwischen als strategische Notwendigkeit akzeptiert.

Green Procurement

Green Procurement (grüner Einkauf) wird zur anerkannten Einkaufsstrategie

Wenn Sie sich als Führungskraft im Einkauf einmal intensiv mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigen bzw.  sicherlich schon beschäftigt haben, werden Sie schnell erkennen, dass es mehr ist als nur ein kurzlebiger Strategie- Trend. Schon immer haben Sie als Einkäuferin und Einkäufer mit dem gegenläufigen Thema kämpfen müssen: „Viel  Leistung – wenig Kosten!“ und das obwohl sich in den letzten Jahren doch so einiges verändert hat.

Die  Verantwortung des Einkaufs für das Unternehmensergebnis rückt durch die stärker und schneller ansteigenden Materialkostenanteile mehr und mehr in den Fokus der Betrachtung. Auch die starken Preissteigerungen bei der  Rohstoffbeschaffung haben sicherlich mit dazu geführt, dass die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Green Procurement“ in den Mittelpunkt gerückt sind. So hat es nicht lange gedauert, bis eine Vielzahl von Unternehmen diese auch zu  wichtigen strategischen Einkaufsthemen gemacht hat.

Grüner Einkauf: Der Versuch einer Definition

Sowohl die Namensfindung als auch die Definition der „neuen“ Einkaufsstrategie sind noch in vollem Gange! Da redet  man von Green Procurement, Sustainable Purchasing, grüner nachhaltiger Einkauf oder Green Lable Purchase.

Letztlich sollte man dem endgültigen Namen des Ganzen nicht all zu viel Bedeutung zumessen. Wichtig ist lediglich,  dass Sie und viele andere im Einkauf sich intensiv mit der Thematik beschäftigen. In Ihrer Hauptsache zielen all die  Begriffe auf die Verantwortung des Einkaufs zur Einhaltung ökologischer und ethischer Standards in der gesamten Supply Chain sowie auf den lückenlosen Lebenszyklus eines Produkts ab.

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Hinweise zu den Rahmenbedingungen

Zur Orientierung bei der Suche nach Informationen bzw. Rahmenbedingungen für den „Grünen Einkauf“ dienen Ihnen unterschiedliche Quellen. Zum einen gibt es viele  wertvolle Hinweise in den Unternehmens- und Einkaufsrichtlinien mit der dazu passenden Werteorientierung oder aber auch allgemeiner in den nationalen und internationalen Rechts- und Gesellschaftsnormen.

Das ist Green Procurement

Green Procurement bezieht sich auf alle Prozesse und Aktivitäten

  • von der Rohstoffgewinnung
  • über die Verarbeitung und Herstellung,
  • den Transport
  • und die Lagerung
  • bis hin zur Wiederaufbereitung und Entsorgung

Die Ursachen für den „Grünen Einkauf“

Im Wesentlichen können drei Ursachen für die Entwicklung in Richtung dieser neuen Einkaufsstrategie ausfindig  gemacht werden:

  1. die Sensibilisierung in der Gesellschaft für die Gefährdung der Umwelt
  2. die Verschärfung der gesetzlichen Auflagen und Regelungen auf nationaler und europaweiter Ebene
  3. die steigenden Rohstoff- und Energiekosten

Die dritte Ursache bewirkt wohl den größten Druck. Denn die heftigen Kostensteigerungen konnten durch den Einkauf nicht kompensiert werden und haben in den Köpfen der Entscheider einen wahren Sinneswandel vollbracht.

Jedes  Unternehmen ist dazu gezwungen, einen sorgsamen Umgang mit den benötigten Ressourcen zu pflegen. Wenn nun aber die Rohstoffe plötzlich vier- bis fünfmal so teuer sind wie noch vor einigen Monaten, dann schmelzen die  Renditen und der Einkauf erhält eine neue Wichtigkeit.

Expertenrat

Durch die Einführung eines professionellen Wertstoffmanagements können Sie in Ihrem Unternehmen unmittelbar  Einsparungen erzielen. Auch die Verhinderung von Kosten durch eine nicht gestörte Versorgung rückt deutlicher in den Blickwinkel der Verantwortlichen.

Die Betrachtung der „Green Supply Chain“ geht daher auch über die reinen Einstandspreise hinaus. Ein nachhaltiger  Einkäufer versteht es als seine Verantwortung, die Vormaterialmärkte ebenso zu analysieren wie die Themen der Entsorgung mit den sich daraus bietenden Chancen.

Bedeutung für die Einkaufsfunktion

Als Führungskraft im Einkauf treffen Sie auf drei unterschiedliche Herausforderungen, wenn Sie sich intensiv mit dem  Thema „Green Procurement“ für Ihr Unternehmen beschäftigen.

  1. Sie müssen die Lebensdauerkosten Ihrer Produkte betrachten sowie die ökonomische Auswirkung auf die  Gesamtkosten. Dazu gehören natürlich auch zwingend die Kosten zur Umweltschonung bzw. die Kosten durch die Umweltbelastung.
  2. Sie müssen auf den möglichst sparsamen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen achten. Das bedeutet: Sie werden möglichst immer versuchen, die Gesamtkosten zu betrachten, die durch die Art und Weise der Bereitstellung, der Handhabung und Verarbeitung sowie des Transports entstehen. Von der Rohstoffgewinnung über die  Verarbeitung, den optimierten Transport, die Recyclingmöglichkeiten und die Entsorgung sollte die  Ressourcenverwendung analysiert werden.
  3. Die schwierigste Hürde dürfte sicherlich die Betrachtung der sozialen Auswirkungen durch das Handeln des Einkaufs sein. Ein Einkauf, der aufgefordert ist, zu möglichst geringen Kosten zu kaufen und gleichzeitig auf Nachhaltigkeit und
    ethische Aspekte setzt, gerät immer noch in eine Zwickmühle.

Tipp

Holen Sie sich die notwendige Unterstützung bei Ihrer Geschäftsleitung. Denn Lohngleichheit, menschliche  Arbeitsbedingungen, Ausschluss von Kinderarbeit, Betrachtung der Menschenrechte und gerechter Lohn lassen sich bei der Suche nach immer neuen, günstigeren Lieferanten nur realisieren, wenn alle an einem Strang ziehen!

Die Unternehmen, die es schaffen, Ihren „Green Label Purchase“ auch auf der Seite der Anbieter zu platzieren, können so die unter Umständen wirtschaftlichen Nachteile, die sie durch die Investition in einen nachhaltigen Einkauf erhalten, auffangen.

Fazit

Grüner Einkauf ist mehr als in einem „Bioladen“ einzukaufen. Es hat mit langfristiger Unternehmenssicherung,  nachhaltiger Entwicklung, umweltgerechtem, sozialem und wirtschaftlichem Handeln unter ethischen Aspekten zu tun.

Alleine diese Betrachtung und Aussage schärft Ihre Position und Verantwortung als Führungskraft im Einkauf. Stellen  Sie sich den Herausforderungen. Machen Sie Ihr Einkaufsteam fit für diese Aufgaben. Sie sind so auf dem besten  Wege, den Erfolg Ihres gesamten Unternehmens mitzusichern.

Autor: Markus Lemme (Markus Lemme ist Berater und Trainer für die Bereiche Einkauf, Logistik und Verkauf.)