23.01.2018

Gemeinsame Strategie: Euregio-Länder wollen Brenner entlasten

Maximal 200 bis 300 Lkws pro Stunde – solche Blockabfertigungen auf der Brennerautobahn sollen der Vergangenheit angehören. Die Euregio-Länder Tirol, Südtirol und Trentino haben ein Konzept zur Verlagerung des Schwerverkehrs vorgestellt. Das soll den Brenner entlasten.

Brenner

Euregio: Gemeinsame Aktionen für Verkehrsentlastung auf dem Brenner

Über 2,2 Millionen Lkws rollen jährlich über den Brenner. Damit sind die Belastungsgrenzen für Menschen und Infrastruktur erreicht – worüber sich die Anrainer einig sind. Die Euregio-Alpenländer Südtirol, Tirol und Trentino bündeln nun ihre Kräfte und wollen ein effizientes Verkehrsmanagement auf der Brennerachse erreichen. Das sind ihre Ziele:

  • weniger Umwegverkehr
  • mehr Verkehrssicherheit
  • Verlagerung des Schwerverkehrs

So teilt es die Südtiroler Landesverwaltung mit. Demnach haben die drei Landeshauptleute

  • Arno Kompatscher (Südtirol)
  • Günther Platter (Tirol)
  • und Ugo Rossi (Trentino)

ein gemeinsames Strategiepapier beschlossen.

Dieses Strategiepapier sieht eine durchgängige und nachhaltige Verkehrspolitik für den Brenner vor.

Getroffen hatte man sich im Januar 2018 auf der 16. Euregio-Vorstandssitzung im NOI TechPark in Bozen.

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Brenner: Autobahn, Umwegverkehr und Verlagerung

Der Zeitpunkt für das gemeinsame Strategiepapier sei genau richtig, so die Regionalpolitiker. Und zwar im Hinblick auf den für den 5. Februar 2018 in München geplanten Verkehrsgipfel. Daran werden die Verkehrsminister von Deutschland, Italien und Österreich teilnehmen.

Es könne nicht sein, so der Südtiroler Kompatscher, dass der Brennerkorridor die günstigste Route ist. Der Transit-Umwegverkehr sei dringend einzuschränken. Der verbleibende Schwerverkehr müsse stärker von der Autobahn auf die Schiene verlagert werden.

Die langfristigen Ziele der Euregio sind laut dem Euregio-Präsidenten:

  • Bis 2027 soll der Modal Split – also das Verhältnis zwischen Güterverkehr auf der Straße und Güterverkehr auf der Schiene – ausgeglichen sein.
  • Bis 2035 soll der Modal Split dann genau im umgekehrten Verhältnis zu heute stehen. Derzeit liegt der Modal Split bei 71 Prozent Straße zu 29 Prozent Schiene.

Lebensqualität entlang der Brennerroute

Die jetzt beschlossenen Maßnahmen zielen laut Kompatscher auf mehr Lebensqualität entlang der Brennerroute, auf saubere Umwelt und sichere Verkehrsinfrastrukturen ab. Dies sind die vorgesehenen Maßnahmen für den Brenner:

  • höhere Maut für Schwerverkehr (so werde die Schiene interessanter)
  • Filter- und Dosiersysteme
  • einheitliches Monitoring zwecks Festlegung von Obergrenzen

Kompatscher unterstrich, dass das volle Potential für die Verlagerung erst mit der Realisierung des Brennerbasistunnels samt Zulaufstrecken erreicht werde. Zumal bei derart schwierigen Themen brauche es eine gemeinsame Strategie, um auf höherer Ebene weiter zu kommen, hob Platter hervor. An bestimmten Tagen müsse man gut abgestimmte Blockabfertigungen  durchführen, um die Versorgungssicherheit und flüssigen Verkehr zu ermöglichen. Platter verwies dabei auf die bestehende Einigung bei der Korridormaut.

Hier kommen Sie zu unserem Beitrag über die Blockabfertigung am Brenner.

Als bedeutenden Punkt nannte Platter die Rollende Landstraße (RoLa). Für sie brauche es zunächst eine Harmonisierung, dann auch technische Eingriffe an den Terminals in Regensburg, Trient und Verona. So könne ein noch effizienteres Umladen erreicht werden.

Rossi unterstrich schließlich, dass das nun genehmigte gemeinsame Strategiepapier ein wichtiges Zeichen sei: Dafür, wie man zur Erreichung wichtiger Ziele zusammenarbeite, und zwar mit Sensibilität für die Belange aller drei Länder. Die Einigkeit der Länder sei gefragt, weil das Gebiet zwischen Verona und München liege, also die alpine Makroregion und Europa betroffen seien.

Nachhaltiges Mobilitätsmanagement

Mit der „Euregio-Strategie zur Verkehrsverlagerung – strategische Ziele für eine gemeinsame, kohärente und nachhaltige Verkehrspolitik auf der Brennerachse“: Diese Ziele will die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino mit dem Verkehrsmonitoring „iMonitraf“ verfolgen. Es dient der Prüfung, ob eine mögliche Lkw-Obergrenze bis 2020 sinnvoll und machbar ist.

Außerdem sollen Leichtigkeit, Flüssigkeit und Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet werden, insbesondere im gesamten Verkehrskorridor (A 12, A 13 und A 22). Ein weiteres Ziel ist, die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Deshalb sind im Strategiepapier auch kurzfristige Maßnahmen enthalten, wie Kontrollstellen für Lkw für die gesetzeskonforme Verkehrsabwicklung. Ebenfalls vorangetrieben werden soll der Einsatz von geräuscharmem Zugrollmaterial.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)