28.02.2018

Geht doch: Diesel-Hardware-Nachrüstungen vom Nord-Ostsee-Kanal

Beim Diesel-Skandal rümpfen alle die Nase. Vor allem die Autobauer bei dem Gedanken, Diesel-Kunden eine Nachrüstung spendieren zu müssen. Das sei nicht möglich, hieß es. Doch, kommt es vom ADAC, ist es. Die Chemie dafür kommt schon bald aus einer Anlage am Nord-Ostsee-Kanal.

Nachrüstung von Diesel-Hardware

Nachrüstungen an Diesel-Fahrzeugen  

Hardware-Nachrüstungen an Diesel-Fahrzeugen – lange hatten die Autobauer beharrlich deren Unmöglichkeit behauptet. Doch damit ist nun Schluss. Der ADAC Württemberg e.V. hat mit Unterstützung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums nachgewiesen, dass Hardware-Nachrüstungen an Euro-5-Dieselfahrzeugen nicht nur möglich, sondern auch hochwirksam sind.

Bis zu 70 Prozent innerorts oder 90 Prozent außerorts weniger Schadstoffausstoß lassen sich laut neuesten Messungen durch Nachrüstungen an solchen Fahrzeugen erreichen. Für besonders belastete Gebiete wie das Stuttgarter Neckartor könnte dies eine Verbesserung der Luftqualität um bis zu 25 Prozent mit sich bringen, heißt es beim ADAC.

Hardware-Nachrüstungen an Dieselfahrzeugen unverzichtbar

Vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse und einer klaren Priorisierung des Gesundheitsschutzes hält der Autofahrerclub Hardware-Nachrüstungen für unverzichtbar. Dies betrifft Dieselfahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 5. Er fordert von Politik und Hersteller, zeitnah substanzielle Stickoxid-Reduktionen auch über bauliche Umrüstungen zu erreichen. Auf diese Weise können generelle Fahrverbote vermieden werden.

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Nach Berechnung des Clubs sind die Kosten der Nachrüstung auf 1400 bis 3300 Euro pro Fahrzeug zu veranschlagen. Diese dürften in keinem Fall beim Verbraucher hängen bleiben, so der ADAC. Auch deswegen halte man mit Blick auf die Finanzierungsfrage eine staatliche Förderung in der Abwägung für eine Option. In jedem Fall ließe sich das Vertrauen der Verbraucher stärken, wenn die Hersteller sich mit einem wesentlichen Beitrag an den Kosten der Nachrüstungen beteiligen würden.

Stickstofflösung namens „AdBlue“

Notwendig für die Hardware-Nachrüstung ist eine Stickstofflösung namens „AdBlue“. Deren Hersteller ist das Unternehmen Yara. Es eröffnet derzeit die größte AdBlue-Anlage der Welt in Brunsbüttel. Das Produkt AdBlue will man künftig auch über den Hafen Ostermoor verladen. Brunsbüttel Ports erwartet deswegen im Hafen Ostermoor steigende Umschlagsmengen. Am 1. Februar 2018 eröffnete Yara Brunsbüttel GmbH im ChemCoast Park Brunsbüttel die größte AdBlue-Anlage der Welt. Sie hat eine Produktionskapazität von jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen AdBlue. Direkt am Hafen Ostermoor gelegen, werden sie unter anderem auch über den Hafen Ostermoor auf den Verkehrsträger Schiff verladen werden.

Verschiffung über Häfen Brunsbüttel

Die Brunsbütteler Häfen Elbehafen, Ölhafen und Hafen Ostermoor, deren Eigentümer und Betreiber die Brunsbüttel Ports GmbH ist, befinden sich im ChemCoast Park Brunsbüttel und damit im größten zusammenhängenden Industriegebiet Schleswig-Holsteins. Die Brunsbütteler Häfen werden von den angesiedelten Unternehmen der Chemie- und Mineralölbranche für ihre Ver- und Entsorgungsprozesse ebenso genutzt wie für die Verschiffung ihrer vor Ort erstellten Produkte.

Starker Impuls für Hafen Ostermoor

Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH, sieht in den Investitionen von Yara und dem Ausbau der Produktionskapazitäten am Standort Brunsbüttel zur größten AdBlue-Anlage der Welt einen starken Impuls auch für den Hafen Ostermoor. Die AdBlue-Produktionsanlage verfügt über eine Tiefsee-Schiffsbeladungseinheit. Große Mengen des vor Ort erstellten Produktes können auf Schiffe verladen und anschließend zum Kunden transportiert werden.

Schnabel: „Durch die zusätzlichen Gütermengen erwarten wir weiteres Wachstum in unserem Hafen Ostermoor.“
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)