04.03.2019

Gas: Bundesnetzagentur deckt Manipulation auf

Bei Marktmanipulation versteht die Bundesnetzagentur keinen Spaß. Jetzt hat sie gegen einen solchen Fall auf dem Gasmarkt empfindliche Strafen verhängt. Ereignet haben soll er sich auf einer Plattform für den Gashandel. Marktteilnehmer sollen Mitbewerber davon ausgeschlossen haben.

Gegen die Firma Uniper und zwei HGegen die Firma Uniper und zwei Händler hat die Bundesnetzagentur nun Geldstrafen wegen Manipulation auf dem Gasmarkt verhängt.

Bußgeld gegen Uniper und zwei Händler

Betroffen sind die Firma Uniper Global Commodities SE (Uniper) und zwei Händler. Die Bundesnetzagentur fand sie der Manipulation am Gasmarkt für schuldig. Gegen Uniper verhängte sie ein Bußgeld von 150.000 Euro und gegen die beiden Händler in Höhe von 1.500 Euro und 2.000 Euro. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, urteilt:

„Marktmanipulation ist ein ernsthafter Eingriff in den offenen und fairen Wettbewerb, der das Vertrauen in das Funktionieren der Strom- und Gasmärkte schwächen kann“.

Die Bundesnetzagentur geht Hinweisen auf missbräuchliches Verhalten nach und ahnde „entschieden Verstöße gegen das europaweite Verbot von Marktmanipulation“.

Zusammenspiel von Handelsgeboten

Die beschuldigten Unternehmen sollen das Marktgeschehen über die Gashandelsplattform Pegas manipuliert haben. Die für das Marktgebiet verantwortliche NetConnectGermany (NCG) nutzt diese Plattform, um den kurzfristigen Regelenergiebedarf zu decken.

Im Oktober 2016 platzierten zwei Händler von Uniper an der Pegas Kauf- und Verkaufsgebote so, dass sie andere Marktteilnehmer gezielt vom Handel mit NCG ausschlossen. Hierzu agierten sie zeitgleich auf beiden Seiten des Orderbuchs, wobei auf der einen Seite eine sogenannte „Eisbergorder“ genutzt wurde. Das heißt, sie blockierten andere Marktteilnehmer solange, bis das Geschäft mit NCG zustande kam. So konnten andere Marktteilnehmer kein günstigeres Angebot abgeben, obwohl sie dies beabsichtigten. NCG hätten sie so über die Angebotssituation getäuscht.

Die Energiebörse Powernext SA, Betreiberin der Pegas, sowie ein betroffener Marktteilnehmer hatten das manipulative Handelsverhalten in fünf Fällen gegenüber der Bundesnetzagentur angezeigt. Einen weiteren Fall hat die Bundesnetzagentur bei der Datenauswertung aufgedeckt.

Bundesnetzagentur: Aufsichtspflichtverletzung von Uniper

Uniper wirft die Agentur Aufsichtspflichtverletzung vor. Das Unternehmen selbst sowie auch einer der Händler hätten angegeben, dass das beschriebene Handelsverhalten eine Strategie gewesen sei, sich gegenüber automatisierten Handelsalgorithmen durchzusetzen. Eine vorherige Überprüfung der Rechtmäßigkeit ihres Handelns habe nicht stattgefunden. Insofern seien die Händler unbeaufsichtigt gewesen.

Uniper wäre aber verpflichtet gewesen, geeignete und erforderliche Aufsichts- und Kontrollmaßnahmen umzusetzen, die eine manipulative Handelsstrategie verhindert oder zumindest wesentlich erschwert hätten. Uniper mit Hauptsitz in Düsseldorf ist ein internationales Energieunternehmen mit Niederlassungen in mehr als 40 Ländern und rund 12.000 Mitarbeitern. Es konzentriert sich auf die Bereitstellung von Energie und damit verbundene Dienstleistungen.

Zu den Hauptaktivitäten gehören die Stromerzeugung in Europa und Russland sowie der globale Energiehandel. Uniper betreibt Gasspeicher in Deutschland, Österreich und Großbritannien, u.a. mit dem Angebot von Power-to-Gas. Das Unternehmen betreibt Demonstrationsanlagen in Hamburg-Reitbrook und Falkenhagen. Uniper ist über ihre Tochtergesellschaft Liqvis an der Entwicklung von LNG (Liquified Natural Gas) als Kraftstoff für den Transportmarkt beteiligt und versorgt den Small-Scale-LNG-Markt über bestehende Terminalkapazitäten.

Unrechtmäßiger Uniper-Gewinn eingezogen

Uniper erzielte laut einer Pressemitteilung der Netzagentur durch die sechs manipulativen Transaktionen einen Gewinn in Höhe von etwa 70.000 Euro. Dies habe die Netzagentur bei der Bemessung des Bußgelds gegenüber Uniper berücksichtigt. Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig. Über mögliche Einsprüche entscheidet das OLG Düsseldorf.

Was unter Marktmanipulation fällt

Marktmanipulation bezeichnet unterschiedliche Praktiken, die durch unfaire Maßnahmen die Preisfindung auf den Märkten beeinflussen, um dadurch ungerechtfertigte Gewinne zu erzielen.

Damit die Endverbraucher geschützt bleiben und für die Bürger erschwingliche Energiepreise gewährleisten werden, sieht es die Netzagentur für unbedingt notwendig an, solche Verhaltensweisen zu unterbinden. Daher sind Insiderhandel und Marktmanipulation gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1227/2011 (REMIT) verboten und werden von der Bundesnetzagentur verfolgt.

LNG-Projekt mit Titan

Uniper SE und die niederländische Titan LNG wollen unterdessen den Gebrauch von verflüssigtem Erdgas in der Industrie, als Treibstoff im Straßenverkehr und in der Schifffahrt vorantreiben. Wie die Unternehmen mitteilen, haben sie zu diesem Zweck eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Die Unternehmen wollen eine benutzerfreundliche technische Schnittstelle und kommerzielle Produkte für sogenannte Small-Scale-LNG-Kunden aus dem in Wilhelmshaven geplanten schwimmenden Terminal (Floating Storage and Regasification Unit, FSRU) für LNG entwickeln.

In Wilhelmshaven will man so die Beladung von kleinen LNG-See- und Binnenschiffen ermöglichen. Darüber hinaus sind mehrere Lkw-Laderampen vorgesehen, um den Weitertransport von LNG auf der Straße zu ermöglichen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)