09.01.2020

Für mehr Sicherheit: Abbiegeassistent für Lkw kommt

Teuer, nicht ausgereift, in der Fahrpraxis eher hinderlich – der viel beschworene Abbiegeassistent für Lkw soll nun kommen. Letztlich konnte die Politik die Schreckensbilder nicht mehr ignorieren. Ob der Assistent sie aus den Schlagzeilen verbannen wird, bleibt vorerst offen.

Abbiegeassistent

Mehr Sicherheit für Radfahrer

Endlich mehr Sicherheit für Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer! Der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) begrüßt zum Jahreswechsel überschwänglich die für Juli 2020 angesagte Pflichtausstattung neuer Lang-Lkw (18,75 m bis 25,25 m) mit einem Abbiegeassistenten und mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten auf deutschen Straßen. Abbiegeassistenten könnten „dazu beitragen“, schwere Unfälle an Kreuzungen mit Radfahrern zu verhindern. Für Bestandsfahrzeuge gelte eine Nachrüstpflicht ab 1. Juli 2022.

Nur Signal, keine Notbremsung

Die Betonung auf dem lediglich zu erwartenden „Beitrag“ zur Unfallvermeidung gibt bereits einen Hinweis auf den Hauptnachteil des Assistenten: er wird vorerst nur optische oder akustische Signale an den Fahrer geben, nicht aber das Fahrzeug unmittelbar zum Stillstand bringen. Allein dies wäre jedoch eine Garantie dafür, dass in einer Notsituation der Lkw wirklich zum Stehen kommt und damit ein Unfall womöglich mit tödlichen Folgen für andere Verkehrsteilnehmer vermieden würde.

Bei der Nachrüstung werden in der Regel kamera- oder sensorbasierte Assistenten montiert, die Fußgänger und Radfahrer im gefährlichen toten Winkel erkennen können. Allerdings warnt die Technik den Lkw-Fahrer nur vor der Gefahr, akustisch und mit einem aufleuchtenden Lämpchen – das heißt, sie greift nicht aktiv ins Geschehen ein. Ein solches System bietet laut „Zeit Online“ Mercedes als bislang einziger Hersteller seit 2016 unter anderem für seine Baureihen Actros und Arocs an. Allerdings wird dort nur bei etwa jedem dritten verkauften Lkw das System tatsächlich eingebaut.

Fahrer muss Signal sekundenschnell verarbeiten

Statt dessen muss der Fahrer eines Lkw bei dem jetzt angekündigten Assistenten mit der Signalwarnung eine weitere Ablenkung in Sekundenschnelle verarbeiten – neben dem Blick rückwärts in die Außenspiegel, sonstiger akustische Signale anderer möglicher Kraftfahrzeuge in einer gegebenen Gefahrensituation zumal auf befahrenen Kreuzungen, Geräuschquellen im Fahrerhaus, vom Motor, von Getriebe und Fahrgeräuschen etc. Während man an anderer Stelle sich bemüht gibt, vom Lkw-Fahrer erst noch zu verarbeitende Signal- und Geräuschquellen und andere Ablenkungen wie etwa vom Handy auszuschalten, dürfte mit dem Abbiegeassistenten eine neue Gefahrenquelle entstehen, deren Auswirkungen auf die Sicherheit von Fahrzeug und begleitenden Verkehrsteilnehmern sich erst noch zeigen müssen.

2020 viele neue Verkehrsregeln

Im Laufe des Jahres 2020 tritt zudem eine Reihe neuer Verkehrsregeln in Kraft. Zuvor muss sich aber der Bundesrat noch abschließend mit der StVO-Novelle befassen.

Härtere Bestrafung für Parken in zweiter Reihe und auf Geh- und Radwegen

Einen Schwerpunkt bildet der Radverkehr. So wird das für Radler gefährliche Parken in zweiter Reihe sowie auf Geh- und Radwegen härter bestraft. Auch die bestehende Grünpfeilregelung soll erweitert werden. Vorgesehen ist, dass das Blechschild an Ampeln auch für Fahrradfahrer gelten soll, wenn sie von einem Radfahrstreifen oder Radweg aus rechts abbiegen wollen. Darüber hinaus ist ein eigenes Grünpfeilschild nur für Radler geplant. Kommunen können künftig Fahrradzonen einrichten, in denen nur Radfahrer erlaubt sind.

Typgenehmigung neuer Fahrzeugmodelle

Für die Typgenehmigung neuer Fahrzeugmodelle gilt ab dem 1. Januar 2020 die Pflicht zum Fuel Consumption Monitoring (FCM). Das heißt, bestimmte Verbrauchsdaten wie der Durchschnittsverbrauch oder die Häufigkeit elektrisch gefahrener Strecken wie beim Plug-in-Hybridauto müssen lebenslang gespeichert werden. Damit soll eine Abweichung des Typgenehmigungswertes und des realen Verbrauchs besser kontrolliert werden können.

Geringeres Mindestalter für Moped-Führerschein

Der Bundestag hat Ende Oktober 2019 beschlossen, das Mindestalter zum Moped-Fahren dauerhaft zu senken. Mopeds sind motorisierte Zweiräder, die bis zu 45 km/h schnell sein dürfen. Jugendliche können in Zukunft bereits mit 15 Jahren den Moped-Führerschein machen. Allerdings darf jedes Bundesland selbst entscheiden, ob es die Neuregelung auch tatsächlich umsetzt. In den östlichen Flächenländern laufen bereits seit 2013 entsprechende Modellprojekte unter dem Stichwort „Moped mit 15“. Diese und alle weiteren geplanten Änderungen sind auf der Webseite des Bundesverkehrsministeriums abrufbar: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/stvo-novelle.html

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)