25.06.2020

Franken setzt auf faire und ökologische Beschaffung

Fair und ökologisch – so sollen Produkte sein, die 68 Kommunen in Franken künftig anschaffen. Die Gemeinden und Landkreise in der Metropolregion Nürnberg haben einen Pakt zur nachhaltigen Beschaffung von Textilien, Büromaterialien und Lebensmitteln geschlossen.

Franken fair trade

Einkauf nach ökologischen und sozialen Kriterien

Mit dem Pakt möchte die Metropolregion Nürnberg ein Zeichen setzen. Sie will damit den Einkauf nach ökologischen und sozialen Kriterien in den Kommunen stärker verankern. So soll langfristig ein Umdenken in der Beschaffungspraxis erreicht werden.

Der Pakt ist so gestaltet, dass je nach Größe und Voraussetzungen der Kommune individuelle Maßnahmen abgeleitet werden können. Mit rund 530.000 Einwohnern ist Nürnberg die größte teilnehmende Kommune, die Gemeinde Ahorntal mit 2162 Einwohnern die kleinste. Neu dabei ist die Stadt Uffenheim mit über 6000 Einwohnern. Deren Bürgermeister Wolfgang Lampe begründet den Entschluss seiner Stadt zur Teilnahme als einen logischen Schritt, da man bereits seit 2018 Fairtrade-Stadt sei.

Lampe: „Es spielt dabei keine Rolle, wie groß eine Verwaltung ist. Jeder Euro, der in nachhaltige Beschaffung investiert wird, ist eine Investition in eine gerechtere und ökologisch verträglichere Welt.“

Nachhaltige Produkte für insgesamt acht Millionen Euro

Im Pakt ist festgelegt, in der Metropolregion Nürnberg nachhaltige Produkte im Gesamtwert von acht Millionen Euro gemeinsam zu beschaffen, vor allem Produkte wie Textilien, Lebensmittel, Büromaterialien und Sportbälle. Seit April können Interessierte online den Fortschritt verfolgen. Auf ihrer Webseite veröffentlicht die Faire Metropolregion Nürnberg die einzelnen Beiträge der Kommunen. Knapp 30.000 Euro sind demnach bislang zusammengekommen. Allerdings rechnen die Verantwortlichen aufgrund der Corona-Krise damit, dass ein Großteil der Beiträge erst in der zweiten Jahreshälfte gemeldet wird.

Fair-Trade-Gipfel der Metropolregion

Auftakt des Paktes war der 1. Fair-Trade-Gipfel der Metropolregion im Oktober 2019, als 37 Kommunen unterzeichneten. 31 weitere haben sich inzwischen angeschlossen. In der Umsetzung werden die Kommunen von der Entwicklungsagentur Faire Metropolregion Nürnberg unterstützt. Drei Projektmitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle der Metropolregion und in der Außenstelle Neumarkt bieten Beratung an, richten Vernetzungsveranstaltungen aus und begleiten Modellprojekte. Die Finanzierung stammt aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Nürnberg erste Fairtrade-Metropolregion

Die Metropolregion Nürnberg wurde 2017 als erste Europäische Fairtrade-Metropolregion in Deutschland ausgezeichnet und 2019 für weitere zwei Jahre zertifiziert. Anstoßgeber für das Engagement für den Fairen Handel in der Region ist der Initiativkreis Faire Metropolregion, eine Arbeitsgruppe des Forums Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung. Der Initiativkreis besteht aus 67 Fairtrade-Städten, Landkreisen und Gemeinden sowie aus Vertretern der Zivilgesellschaft, wie Kirchen, Verbänden und Vereinen.

Mit dabei: Coburg, Fürth u.a.

Dem Pakt beigetreten ist laut „Infranken.de“ auch die Stadt Coburg. Ein Beschaffungswesen, das auf faire Herstellungs- und Wettbewerbsbedingungen, Nachhaltigkeit und CO2-Minimierung setzt, sei ein wichtiger Baustein für die Klimaschutzstrategie der Stadt. Daher schließe man sich gern dem Netzwerk auf metropolitaner Ebene an, „um gemeinsam die besten Ideen und Lösungswege zu erarbeiten“, so Dominik Sauerteig, Oberbürgermeister der Stadt Coburg.

Im Landkreis Fürth wurden zum Beispiel 35 Fleece- und Softshell-Jacken beschafft, in Neumarkt 500 Mund-Nasen-Masken. Beide Beschaffungen sind laut „Infranken.de“ mit dem Global Organic Textile Standard ausgezeichnet. Der Standard steht für Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern und setzt hohe umweltrelevante Ansprüche an chemische Zusätze in der Produktion.

Marke von 60 Teilnehmern geknackt

„Deutschlandweit ist der Vorstoß der Metropolregion im Hinblick auf nachhaltige Beschaffung in den Kommunen vorbildlich“, zitiert u.a. der „Donaukurier“ Gunther Beger, Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Berger hofft, dass weitere Regionen diesem guten Beispiel folgen werden. „Vor drei Monaten habe ich darauf gesetzt, dass wir die Marke von 60 Teilnehmern knacken“, flankiert Thomas Thumann, politischer Sprecher des Forums Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung sowie Oberbürgermeister von Neumarkt in der Oberpfalz. Trotz oder vielleicht sogar wegen der aktuellen Krisenlage sei der Pakt in den Landkreisen, Städten und Gemeinden diskutiert und befürwortet worden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)