02.03.2018

Frachtpreise ziehen an, Laderaum wird knapper

Kapitän der Landstraße – die Romantik bestimmte früher das Ansehen der Lkw-Fahrer. Doch der zunehmende Verkehr, Staus und Unfälle kratzten arg an deren Image. Diese Situation ist derzeit im Umbruch: Die Frachtpreise ziehen wieder an. Laderaum wird knapper. Lkw-Fahrer werden gesucht und besser bezahlt.

Die Transportpreise steigen und der Beruf des Lkw-Fahrers wird wieder attraktiver.

Frachtpreise im Straßengüterverkehr steigen weiter an

Auf Rekordniveau lagen die Frachtpreise für den Straßengüterverkehr im vierten Quartal 2017. Im Vergleich zum Vorquartal sind sie um fast sechs Prozent gestiegen. Das berichtet „DVZ“ unter Berufung auf den aktuellen Transport-Market-Monitor von Transporeon und Capgemini Consulting.

Der Preisindex liegt demnach mit 107,9 Punkten auf dem höchsten Stand seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen im Jahr 2008.

Zu dieser Entwicklung trugen neben den unverändert knappen Kapazitäten die um rund zehn Prozent gestiegenen Dieselpreise bei. Gegenüber dem vierten Quartal 2016 wurden Transporte um 14 Prozent teurer.

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Kapazitätsengpässe kurzfristig nicht zu beheben

Im Vergleich zum dritten Quartal war im letzten Jahresviertel 2017 etwas mehr Kapazität verfügbar, zitiert die Fachzeitschrift aus dem Quartalsbericht. Der entsprechende Index legte auf 71,8 Punkte zu. Im Vergleich zum vierten Quartal 2016 sank die Kennziffer allerdings um gut 23 Prozent.

Oliver Kahrs, Strategiedirektor bei Transporeon, geht davon aus, dass Kapazitätsengpässe „kurzfristig nicht zu beheben sind und sich zu einem dauerhaften Trend entwickeln könnten“. Daher empfiehlt er Verladern einen „intelligenten Strategiemix in ihrer Transportvergabe.“

Europa: Frachtpreise teurer und Laderaumkapazitäten knapper

Unterdessen wird freier Laderaum in Europa immer knapper. Das spiegelt das Transportbarometer der Transportplattform TimoCom wider. Im 4. Quartal 2017 standen demnach 71 Frachtaufträgen lediglich 29 Laderaumangebote gegenüber.

Für das gesamte Jahr 2017 weist das TimoCom Transportbarometer ein durchschnittliches Fracht-zu-Laderaumverhältnis von 70:30 in Europa auf. Im September 2017 wurde mit einem Wert von 78 Prozent ein Frachten-Allzeithoch verzeichnet. Einer stetig steigenden Zahl zu transportierender Waren stehen demnach immer weniger freie Lkw gegenüber.

Ungleiches Mengenverhältnis

„Das Einkaufsverhalten am europäischen Transportmarkt hat sich innerhalb kürzester Zeit spürbar verändert. Dort wo Auftraggeber vorher ihren Transportpartner ausgesucht haben, wählen heute die Auftragnehmer in Echtzeit die zu ihren Kapazitäten passende Fracht. Das Suchen hat eindeutig die Seiten gewechselt.“

Das sagt TimoCom-Sprecher Gunnar Gburek mit Blick auf das ungleiche Mengenverhältnis 2017.

So präsentierte sich das Fracht-/Laderaumverhältnis am europäischen Transportmarkt im Vorjahreszeitraum noch deutlich ausgeglichener. Mit einem Verhältnis 53:47 zeigte das TimoCom Transportbarometer im 4. Quartal 2016 einen nur geringen Frachtüberhang an.

Gute Konjunktur eine Ursache dieser Entwicklung

Als eine der Ursachen für diese Entwicklung macht man bei TimoCom die anhaltend gute Konjunktur aus. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) weist für das 4. Quartal 2017 mit einem Wert von 109,4 Punkten überdurchschnittliche Zuwächse des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Folge nach Ansicht von TimoCom: steigende Transportmengen.

Immer weniger Lkw-Fahrer

Eine weitere Ursache sei das knapper werdende Angebot an Lkw-Fahrern. Nach Angaben des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV) fehlen in Deutschland derzeit mindestens 45.000 Berufskraftfahrer. Immer weniger rücken nach. Ein Grund dafür: Der Job ist – jüngsten Anstrengungen der Logistikbranche zum Trotz – wenig attraktiv. Außerdem ist die Bundeswehr als größter Ausbilder von Kraftfahrern weggefallen. Folge: Der Laderaum kann nicht im gleichen Tempo wie die Wirtschaft wachsen.

Mehr Wertschätzung für den Beruf des Lkw-Fahrers

Gburek sieht allerdings auch positive Auswirkungen dieser Entwicklung. Der Beruf werde mehr Wertschätzung erfahren, die Löhne steigen. Der Fahrer werde wieder als das betrachtet werden, was er ist: „Ein unverzichtbarer Partner in einer Lieferkette, die Wohlstand und Wirtschaftskraft in unserem Land sichert“, so Gburek.

Schon heute könnten sich unabhängige Transportunternehmer ihre Auftraggeber aussuchen und sich die lukrativsten Aufträge sichern. Daraus werde sich ein neues Kräfteverhältnis am Markt ergeben. Der Fuhrunternehmer werde sich aus Abhängigkeiten lösen können und seine Leistungen am Markt direkt oder über Frachtenbörsen selbständig anbieten, ist Gburek überzeugt. Letztlich könne davon die gesamte Branche profitieren. Transport wird wieder attraktiver werden!

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)