21.11.2018

Flughafen München: dritte Startbahn auf Eis gelegt

Für die Befürworter wäre sie eine zentrale Zukunftsentscheidung, für die Gegner eine Katastrophe – die dritte Startbahn des Münchner Flughafens wird beides wohl nie auf Wirklichkeit testen. Die bayerische Regierung hat sie auf Eis gelegt. Vorläufig, wie es heißt.

Vorerst keine dritte Startbahn für den Münchner Flughafen! Die Freien Wähler wollen die Startbahn nicht.

Experten: Dritte Startbahn kommt wohl nicht

Nichts ist so beständig wie das Provisorium. Die neue bayerische Regierungskoalition legt das Projekt dritte Startbahn am Münchner Flughafen in dieser Legislaturperiode wohl auf Eis, berichtet airliners.de. Über die Notwendigkeit des Projekts gebe es zwischen den beiden Koalitionspartnern CSU und Freie Wähler unterschiedliche Auffassungen, zitiert die Fachplattform Parteikreise. Die Planungen für den Bau würden in der aktuellen Legislaturperiode bis ins Jahr 2023 nicht weiterverfolgt.

Die CSU will die dritte Startbahn, die Freien Wähler nicht. Deren Parteichef, Hubert Aiwanger, hatte kurz nach der Wahl das Aus für die dritte Bahn zur Bedingung für eine Regierungskoalition mit der CSU gemacht. Seine Partei lehnt das Großprojekt aus sozialen und ökologischen Gründen ab. Ein weiterer Wachstumsschub durch eine dritte Startbahn hätte aus Sicht der Freien Wähler negative gesellschaftliche Auswirkungen. Vor allem für die Landeshauptstadt München fürchten sie eine weitere Mietpreisexplosion und zusätzlichen Verkehrsstress.

Stattdessen wollen die Freien Wähler innerdeutsche Flüge auf die Schiene verlagern. Außerdem schlagen sie ein gesamtbayerisches Flughafenkonzept mit einer Stärkung der Flughäfen Nürnberg und Memmingen vor.

Zentrale Zukunftsentscheidung

Aus Sicht des Münchner Flughafens wäre der Bau der dritten Start- und Landebahn eine

„zentrale Zukunftsentscheidung für München und Bayern mit Wirkung weit über die Landesgrenzen hinaus“,

wie auf der Internetseite der Flughafen München GmbH (FMG) zu lesen ist.

Nur wenn der Flughafen mit den Anforderungen seiner Kunden wachsen könne, werde er seine Position im internationalen Flugverkehr sowie seine Bedeutung als Wirtschafts- und Standortfaktor für den Freistaat Bayern mittel- und langfristig halten und ausbauen können.

Wachsende Luftverkehrsnachfrage

Die Luftverkehrsnachfrage wächst laut FMG weiterhin stark, international und in München. Mit 42,3 Millionen Passagieren verzeichnete der Flughafen demnach 2016 einen neuen Rekord, und auch die Zahl der Flugbewegungen stieg erneut auf mittlerweile 394.430 Starts und Landungen – vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Diese Entwicklung dürfte sich auch im laufenden Jahr fortsetzen.

Nach den vorliegenden Anmeldungen der Airlines erwartet der Flughafen bei den Flugbewegungen für 2017 abermals ein Plus in Höhe von rund vier Prozent.

Flughafenverband „enttäuscht“

Der Flughafenverband ADV zeigte sich enttäuscht, weil das Projekt erst einmal nicht weiterverfolgt werde.

„Die dritte Bahn ist eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben in Deutschland. Sie ist Garant für Wachstum und Arbeitsplätze. Wir fordern, dass die Politik sich zu dem Zukunftsprojekt dritte Bahn bekennt“,

so Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel auf „airliners.de“. Die Verankerung des Moratoriums im Koalitionsvertrag sei nicht nachvollziehbar. Das Vorhaben habe alle Schritte der Planfeststellung erfolgreich durchlaufen.

Der Flughafen München habe außerdem eine vorbildliche Bürgerbeteiligung durchgeführt. Alle gerichtlichen Instanzen hätten die Ausbauplanungen bestätigt. Überzeugende Bedarfsprognosen belegten zudem das Erfordernis für eine dritte Start- und Landebahn am Flughafen München. Schließlich sei die Erweiterung von hoher Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrs in Deutschland.

Luftfahrt kann Entscheidung der Regierung „nicht nachvollziehen“

Das Board of Airline Representatives in Germany e.V. (BARIG), eigenen Angaben zufolge Dachverband von mehr als 100 nationalen und internationalen Fluggesellschaften, kritisiert das Moratorium. Man könne nicht nachvollziehen, weshalb dieses für München und den gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland so wichtige Infrastrukturprojekt um mindestens fünf weitere Jahre verzögert werden soll, obwohl alle rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, heißt es in einer Barig-Information an die Presse.

BARIG-Generalsekretär Michael Hoppe zufolge trägt nachhaltiger Luftverkehr zu Wohlstand, Prosperität, Wirtschaftswachstum und Sicherung von Arbeitsplätzen bei und schafft günstige Rahmenbedingungen für Import und Export sowie für die Mobilität der Menschen.

Die bayerische Landesregierung müsse sich der hohen Bedeutung des Luftverkehrs für Bayern und Deutschland bewusst sein und mittelfristig zielgerichtet und zukunftsweisend handeln.

Hinweis auf Luftverkehrsgipfel der Bundesregierung

In diesem Zusammenhang verweist BARIG e.V. auf den Luftverkehrsgipfel der Bundesregierung im Oktober. Dort habe man unter anderem die an manchen Standorten inzwischen unzureichende Luftverkehrsinfrastruktur am Boden als eine der Ursachen für die jüngsten Probleme im deutschen Luftverkehr ausgemacht. Mit dem Moratorium werde nach Ansicht des Airline-Verbandes die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrs in Deutschland aktuell leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Der Verband unterstützt nicht zuletzt deshalb auch die Wirtschaftsinitiative des Flughafens München zum Bau der dritten Bahn. Der Initiative gehören zahlreiche Konzerne, Großbetriebe und mittelständische Unternehmen an, beispielsweise Lufthansa, Allianz, Audi, Käfer und die Deutsche Bahn.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)