08.08.2017

Flächenbedarf: Zukunft der Logistikimmobilie in Stadtnähe gefährdet?

Unsere Städte platzen aus allen Nähten. Ausweichmöglichkeiten auf die grüne Wiese werden immer weniger. Zu allem Übel muss hier auch noch die logistische Versorgung sichergestellt werden. Vor diesem Hintergrund sieht die Zukunft der Logistikimmobilie nicht gerade rosig aus.

E-Commerce-Wachstum als Treiber für Flächenbedarf

Der stadtnahe Flächenbedarf der Logistik nimmt vor allem durch das E-Commerce-Wachstum und damit verbundenen Lieferversprechen in hohem Maße zu. Dies wird mit steigenden rechtlichen Rahmenbedingungen und Umweltauflagen noch herausfordernder. Auch die Zahl an neuen logistischen Gebäudeformen wie Microdepots, Hybridobjekte oder Multi-level-Anlagen an neuen Standorten in der Stadt wird deutlich zunehmen. Dies ist eine von insgesamt sechs Kernthesen einer neuen Studie zur Zukunft der Logistikimmobilie, die jetzt das Marktforschungsunternehmen Logix vorlegt.

Wahrnehmung der Logistikwirtschaft

Der tägliche Umgang mit dem Thema E-Commerce verändert danach die Wahrnehmung der Logistikwirtschaft und damit die Akzeptanz in Politik und Gesellschaft. Logistik habe sich vom „Schmuddelkind“ über die „Arbeitsbiene“ zum „Möglichmacher“ entwickelt und damit einen Imagewandel durchlebt, schreiben die Marktforscher als ihre zweite Kernthese. Die Zahl der für Logistikansiedelungen verfügbaren Flächen nimmt ab, konstatieren als dritte Kernfeststellung. Das zwinge Entwickler zu Alternativen wie:

  • Brownfield-Nutzung, also Weiterentwicklung von bestehenden Objekten (im Gegensatz zu vollständiger Neuentwicklung, Greenfield-Entwicklung genannt),
  • Revitalisierung von Bestandsgebäuden in interessanten Lagen,
  • innovative Gebäudekonzepte.

Letztere seien begründet in gestiegenem Leidensdruck, gerade in attraktiven Ballungsräumen beispielsweise durch Mischnutzungen und architektonisch anspruchsvolles Design.

Dämpfer für Digitalisierungsversprechungen

In Kernthese 4 dämpfen die Forscher Versprechungen der Digitalisierung. Drohne, 3D-Druck und selbst Industrie 4.0 würden weder die Logistikimmobilie noch Standorte maßgeblich verändern. Die Gebäudehöhen von Logistikimmobilien werden, so Kernthese 5 der Logix-Marktforscher, mittel- bis langfristig steigen. Die Standortfaktoren Lohnkosten und Arbeitskräfteverfügbarkeit nähmen in ihrer Relevanz ab, während Automatisierungslösungen zunehmen. Dies könne auch in höheren Gebäuden geschehen.

Nachhaltigkeit in der Realität angekommen

Schließlich, so ist es als Kernthese 6 formuliert, sei das Thema Nachhaltigkeit in der Realität angekommen. Nachhaltigkeit werde auch weiterhin ein ökologischer Hygienefaktor, eine ökonomische Grundvoraussetzung und ein soziales Argument im Ansiedlungsprozess sein – „nicht mehr, aber auch nicht weniger“, wie die Verfasser der Logix-Studie betonen.

Die Initiative Logix

Der Logistikimmobilie haftet weiterhin das Image an, grau, platzraubend, umweltbelastend und vieles andere mehr zu sein. Um dieser Wahrnehmung entgegenzuwirken und die Akzeptanz für Logistikansiedlungen zu erhöhen, haben sich Vertreter der Branche 2012 in der Initiative Logistikimmobilien „Logix“ zusammengeschlossen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz für und den Stellenwert von Logistikansiedlungen in Fachkreisen und der Öffentlichkeit zu erhöhen. Logistik und entsprechende Lager-, Umschlags- und Distributionszentren sind elementare Bedingungen für eine funktionierende Wirtschaft und Versorgung der Bevölkerung. Doch der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland genieße kein entsprechendes Ansehen in der Öffentlichkeit.

Fazit: Standard bleibt erhalten

Insgesamt gelte für Logistikimmobilien, so das Fazit der Autoren der Logix-Studie, dass bauliche oder konzeptionelle Abweichungen von Standard-Logistikimmobilien nur in Einzelfällen zu erwarten seien. Lediglich innerhalb der Ballungsräume würden heterogene Nutzungsvarianten zunehmen. Bei den Logistikstandorten blieben die etablierten Logistikstandorte konstant. Sie verlören nicht an Bedeutung. Allein die Logistikstrukturen in Ballungsräumen werden sich verändern.

Autor: Franz Höllriegel