19.11.2018

Fahrermangel: mit Elvis werden Lkw-Fahrer jetzt zum King

Ruinöse Ruhezeiten, prekäre Parkplatzsituation – kaum ein Beruf steht so unter Druck von allen Seiten wie der des LKW-Fahrers. Folge: immer weniger Fahrer. Dem Mangel will man jetzt wissenschaftlich zu Leibe rücken.

Dem Fahrermangel will man jetzt wissenschaftlich zu Leibe rücken.

Mehr Engagement der Transportunternehmen gefordert

Zu wenig wertgeschätzt, zu wenig Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit – das sind die Hauptkritikpunkte von Lkw-Fahrern. Von den Transportunternehmen wünschen sie sich ein stärkeres Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit. Das brachte jetzt eine Umfrage unter rund 1.000 Lkw-Fahrern zu Tage, die der Europäische Ladungsverbund Internationaler Spediteure AG (Elvis) und das Betriebswirtschaftliche Institut der Universität Stuttgart durchgeführt haben. Mit wissenschaftlichen Methoden wollten die Forscher Instrumente und Wege gegen den Fahrermangel bewerten.

Zu diesem Zweck haben Prof. Dr. Rudolf Large und Michael Schäfer vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Logistik- und Beschaffungsmanagement beispielsweise gemessen, wie stark Fahrer an ihr Unternehmen und den Beruf gebunden und wie zufrieden sie mit ihren Arbeitsbedingungen sind. Erforscht wurde zudem, über welche Maßnahmen sich hierauf wirksam Einfluss nehmen lässt.

Die Ergebnisse münden in einen Maßnahmenkatalog gegen Fahrermangel. Dieser soll die Elvis-Partner befähigen, sich künftig in Sachen Fahrpersonal neu aufzustellen, schneller und verlässlicher neue Fahrer zu finden und sie enger als bisher zu binden. Der Maßnahmenkatalog soll den Elvis-Mitgliedern als Leitfaden dienen. Darin werden Ziele und Wirkweisen einzelner Maßnahmen sowie deren Umsetzung erläutert. Der Katalog soll laufend erweitert, ergänzt und gegebenenfalls angepasst werden.

Die Elvis AG und die Vorteile für die Mitgliedsunternehmen

Die Elvis AG sieht sich eigenen Angaben zufolge bei derzeit 187 Mitgliedsunternehmen mit einer Flotte von mehr als 17.000 Lkw als führender Verbund von Lkw-Speditionen und Frachtführern in Europa. Über seine Partner ist der Verbund demnach an 280 Standorten in Deutschland und in mehr als 20 Ländern Europas vertreten. Der Verbund will seit seiner Gründung 2006 Vorteile für die Mitgliedsunternehmen verwirklichen helfen, die sich aufgrund von Skaleneffekten und der Zusammenarbeit untereinander ergeben.

Zum Leistungsportfolio des Verbundes zählen der zentrale Einkauf von Waren und Dienstleistungen, der Onlineshop „Elvis Truckstar“ sowie Beratungslösungen. Man informiere seine Mitglieder frühzeitig über Markt- und Branchenveränderungen sowie über wichtige politische Entwicklungen und deren Auswirkungen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbundes.

Als Dachorganisation fungiere man als Hauptansprechpartner und Interessensvertretung seiner Mitglieder gegenüber Politik und Verwaltung. Um Mehrwerte und Vorteile für die angeschlossenen Mitgliedsunternehmen zu generieren, beginnt und betreut er zudem Pilotprojekte und Kooperationen mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Zudem bestehen als operative Netzwerke:

  • Part Load Network
  • Full Load Network
  • Volume Load Network
  • Baustoffnetzwerk

Fahrpersonal entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg

„Ob ein Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg hat, ist heute weniger eine Frage der Auftragslage denn des Personals“, sagt Christine Platt, Prokuristin der Elvis AG.
Viele Transportunternehmen hätten wegen des drückenden Fahrermangels erhebliche Umsatzeinbußen zu verkraften. Im Gegensatz dazu bewege sich die Nachfrage auf konstant hohem Niveau. Die Branche boome – und zwar europaweit. Ausländische Fahrer kehrten aus diesem Grund vermehrt zurück in ihre Heimat und verstärkten so den Fahrermangel hierzulande. Umso wichtiger sei es für hiesige Unternehmen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und den Wünschen der Fahrer verstärkt Beachtung zu schenken. „Dabei wollen wir unsere Partner aktiv unterstützen, indem wir zusammen mit der Uni Stuttgart einen Maßnahmenkatalog erarbeiten“, sagt Platt.

Aktionskreis Fahrpersonal gegen Fahrermangel

Elvis hatte den Aktionskreis Fahrpersonal ins Leben gerufen. Er hatte im Vorfeld viele Maßnahmen in Richtung Öffentlichkeitsarbeit vor allem der Transportunternehmen aufgezeigt. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich, dass der eigene Arbeitgeber die Bedeutung des Fahrerberufs deutlicher hervorhebt. Häufig moniert wurden außerdem die Bedingungen an den Rampen der Verlader. Die Situation dort müsse sich dringend verbessern, so die Forderung vieler Fahrer. Als für viele wichtig erwies sich im Weiteren auch die Möglichkeit einer betrieblichen Weiterbildung.

Fahrer sehen dringenden Handlungsbedarf

Für die Speditionen ergibt sich aus den Forderungen der Fahrer ein deutlicher Handlungsbedarf. Sie müssten glaubwürdig vermitteln, dass die Arbeit von Berufskraftfahrern gut und wichtig für den eigenen Betrieb und die Gesellschaft als Ganzes ist. Ebenso erscheint es für die Logistikdienstleister angebracht, gemeinsam mit ihren Kunden die Situation beim Be- und Entladen zu analysieren und unnötige Belastungen für die Fahrer zu beseitigen. Prof. Large führt hierzu an: „Unternehmen sollten nicht nach dem Prinzip Hoffnung verfahren, sondern die Wirksamkeit ergriffener Maßnahmen kritisch hinterfragen. Dazu können Datenerhebungen im Betrieb und entwickelte Methoden der statistischen Auswertung einen wesentlichen Beitrag leisten.“

Den Letzten beißen die Hunde

Anmerkung des Verfassers: Schon in seiner Zeit als Lkw-Fahrer während seiner Studienzeit galt: Fahrer sind die letzten Glieder in der Speditionskette – und die beißen meistens die Hunde, in der eigenen Spedition, beim Beladen und an der Entladestation. Daran hat sich offenbar bis heute nichts geändert.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)