03.07.2018

Fahrermangel: Kampf um geeignetes Personal

Das Wort "Fahrermangel" wurde von den Lesern der VerkehrsRundschau zum Logistik-Wort des Jahres 2017 gewählt. "Fahrermangel" hat gute Chancen, 2018 wiedergewählt zu werden.

Der Branchenverbund Elvis führte zum Fahrermangel eine Umfrage durch.

Kampf um geeignetes Fahrpersonal verschärft sich

Wie dem grassierenden Fahrermangel paroli bieten? Transporteure und Spediteure stehen vor der Frage der Besetzung offener Fahrerstellen – und sehen kaum einen Ausweg bei der Beantwortung. Der Branchenverbund Elvis erörtert nun mit Betroffenen Lösungsmöglichkeiten gegen den Fachkräftemangel bei den Lkw-Fahrern.

Woher Fahrer nehmen?

44 Tage – so lange dauert es im Durchschnitt, eine offene Fahrerstelle zu besetzen.

14 Prozent der Fahrer sind älter als 50 Jahre. Das hat eine Befragung ergeben, die der Europäische Ladungsverbund Internationaler Spediteure AG (Elvis) durchgeführt hat. Teilgenommen haben Personalleiter und Geschäftsführer von 121 Betrieben.

Die Zahlen verdeutlichen: Der Fahrermangel entwickelt sich zu einem immer drängenderen Problem. Darüber hinaus ist es in einem Maße umfassend, dass die Entwicklung von Lösungen den durchschnittlichen mittelständischen Spediteur überfordert. So die Einschätzung von Christine Platt, Prokuristin der Elvis AG.

Gegen den Fahrermangel: Weichen für die Zukunft stellen

Qualifiziertes Fahrpersonal ist inzwischen ein rares Gut. Diese Situation wird sich nach Ansicht Platts in absehbarer Zeit nicht entspannen. Also müsse man jetzt Vorkehrungen treffen.

Die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber und seine Fähigkeit, gutes Personal zu gewinnen und zu binden, würden künftig entscheidende Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg sein.

„An diesem Punkt setzen wir als Verbund an“, erklärt Platt. „Wir haben die personellen Kapazitäten, uns umfassend mit der Situation auseinanderzusetzen.“

Dies geschehe unter Einbeziehung der Mitglieder, mit denen die verschiedenen Themen regelmäßig besprochen und diskutiert werden.

„Dieser Austausch ist von zentraler Bedeutung, da wir auf diese Weise die unterschiedlichen Erfahrungen der Unternehmen miteinander vergleichen und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen können“, so Christine Platt.

Befragung der Geschäftsführer und Personalleiter

Nach Auswertung der Befragung der Geschäftsführer und Personalleiter lasse sich bereits eine positive Auswirkung dieser Maßnahmen gegen den Fahrermangel belegen:

  • gute Öffentlichkeitsarbeit
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • geldwerte Vorteile
  • Vermittlung von Wohnraum
  • Einbeziehung der Fahrer bei der Lkw-Ausstattung
  • Angebot gesundheitsfördernder Maßnahmen
  • persönliche Wertschätzung
  • Einsatz eines Fahrerbetreuers

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Logistik- und Beschaffungsmanagement der Universität Stuttgart.

Leitfaden für Elvis-Mitglieder

Ziel ist ein Maßnahmenkatalog als Leitfaden für die Elvis-Mitglieder. Im Detail werden die Experten darin Ziele und Wirkweisen einzelner Maßnahmen erläutern. Der Katalog wird so konzipiert, dass er laufend erweitert, ergänzt und gegebenenfalls angepasst werden kann.

Im Zuge einer Befragung wolle man vor allem klären, welche Faktoren sich wie und in welchem Ausmaß auf die Zufriedenheit der Lkw-Fahrer mit ihrem Arbeitsplatz und -geber auswirken.

„Nur wenn wir wissen, warum sich ein Fahrer für ein Unternehmen entscheidet oder umgekehrt einen Arbeitgeberwechsel anstrebt, können wir praxistaugliche Instrumente entwickeln, die es uns erlauben, auf diese Entscheidungen Einfluss zu nehmen“, resümiert Christine Platt.
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)