12.12.2017

Exportüberschuss: Deutschland weltweit auf Platz 1

Deutschland sollte seinen Exportüberschuss verringern. Wie kann es das, wenn seine Produkte im Ausland derart nachgefragt sind? Das bringt Deutschland dieses Jahr den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz ein.

Exportüberschuss

Warenhandel hauptursächlich für deutschen Exportüberschuss

Wie schon im Jahr zuvor wird Deutschland auch 2017 das Land mit dem weltweit größten Exportüberschuss in der Leistungsbilanz. Das hat das Ifo-Institut errechnet.

  • Deutschland liegt mit erwarteten 285 Milliarden US-Dollar (257 Milliarden Euro) auf Platz 1.
  • China nimmt mit etwa 190 Milliarden US-Dollar Überschuss im laufenden Jahr Platz 2 ein.
  • Schließlich folgt Japan mit rund 170 Milliarden US-Dollar auf Platz 3.

Nachfrage aus Euroraum

Den deutschen Exportüberschuss führen die Marktforscher vor allem auf den Warenhandel zurück. Allein dort wurde im ersten Halbjahr 2017 ein Überschuss von 134 Milliarden Euro erzielt.

Haupttreiber war demnach die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euroraums, den restlichen EU-Ländern und aus den USA.

Zum Überschuss trugen auch die Erträge aus den im Ausland angelegten Vermögen bei, außerdem die im Ausland erzielten Arbeitseinkommen von Deutschen mit rund 20 Milliarden Euro. Transfer-Zahlungen an das Ausland, beispielsweise an internationale Organisationen, dämpften den Überschuss um 27 Milliarden Euro.

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Höhere Preise für importiertes Erdöl und Erdgas

Im laufenden Jahr wird indes den Berechnungen zufolge Deutschlands Exportüberschuss auf 7,9 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung fallen, nach 8,3 Prozent 2016. Als Grund führen die Wissenschaftler im Wesentlichen die Energiepreise an. Die Preise für importiertes Erdöl und Erdgas dürften im Durchschnitt trotz der Aufwertung des Euro höher sein als im Vorjahr.

Das erhöhe die nominale Wareneinfuhr und verringere den Überschuss. 2013 bis 2016 wurde hingegen der gegenteilige Effekt beobachtet – ein starker Ölpreisverfall, der den Leistungsbilanzüberschuss in diesem Zeitraum um 1,4 Prozentpunkte erhöhte. Die EU hält maximal sechs Prozent für langfristig tragfähig.

Chinesischer Warenüberschuss

Auch der chinesische Leistungsbilanzüberschuss geht auf den Warenhandel zurück. Bis Juni wurden Waren im Wert von 200 Milliarden Euro netto exportiert. Damit ist der chinesische Warenüberschuss deutlich höher als der von Deutschland. Allerdings fragte China in der ersten Jahreshälfte 2017 Dienstleistungen in Höhe von 125 Milliarden Euro netto aus dem Ausland nach.

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Ersparnis eines Landes

Kapitalexporte messen definitionsgemäß jenen Teil der Ersparnis eines Landes, der nicht im Inland investiert wird. Hohe Netto-Kapitalexporte bedeuten, dass Deutschland insgesamt mehr finanzielle Forderungen gegenüber dem Ausland aufbaut als das Ausland gegenüber Deutschland.

Ein Leistungsbilanzüberschuss geht immer mit einem Netto-Kapitalexport einher, da ein Verkauf von Waren oder Dienstleistungen an das Ausland im gleichen Umfang mit höheren finanziellen Forderungen gegenüber dem Ausland einhergehen muss. Auch Erträge aus ausländischen Vermögenstiteln erhöhen den Leistungsbilanzüberschuss, da sich hierdurch die Zahlungsansprüche an das Ausland erhöhen.

DIW: Gemächlichere Entwicklung der deutschen Exporte

Von einer gemächlicheren Entwicklung der deutschen Exporte geht auch das Deutsche Institut der Wirtschaft (DIW) aus. Sie werden demnach zur Abschwächung der Wirtschaft im nächsten und übernächsten Jahr beitragen. Die Leistungsbilanzüberschüsse der deutschen Wirtschaft bleiben davon aber weitgehend unberührt – sie werden mit rund acht Prozent exzessiv hoch bleiben und weiterhin Zeugnis davon ablegen, dass es für hiesige Unternehmen attraktiver ist im Ausland zu investieren als in Deutschland.

Konjunktur wichtiger Absatzmärkte im Ausland

Hinzu komme, dass sich die Konjunktur wichtiger Absatzmärkte im Ausland ab Mitte des kommenden Jahres wohl eintrüben wird. Zwar steht der globale Aufschwung inzwischen auf einem breiten Fundament. Die weltweite Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr und den beiden kommenden Jahren um jährlich knapp vier Prozent wachsen – und damit sogar noch stärker als vom DIW im Juni erwartet.

Auch der Euroraum setze seine wirtschaftliche Erholung fort. Eine starke Binnennachfrage, angekurbelt durch die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt, stütze das Wachstum, das in diesem Jahr mit einem Plus von 2,1 Prozent das Vorjahresergebnis übertreffen dürfte. Allerdings wird die Dynamik schwächer werden. Schon jetzt belastet der im Vergleich zum Dollar höhere Wechselkurs des Euro die Ausfuhren.

Autor: Franz Höllriegel