18.04.2018

Eurogate will Hamburg-Verluste wieder ausgleichen

Eurogate will verlorene Umschlagmengen im Hamburger Hafen zurückholen. 2017 war das Terminal mit Ausnahme vom russischen Ust-Luga die einzige Eurogate-Anlage mit weniger Umschlag. Auf einer Pressekonferenz ist man jetzt zuversichtlich, den Verlust auszugleichen.

Konsolidierungswelle bei Eurogate

Tiefgreifende Konsolidierungswelle

In der Reederbranche kam es im letzten Jahr zu einer tiefgreifenden Konsolidierungswelle. Große Reedereien fusionierten: UASC mit Hapag Lloyd und China Shipping mit Cosco. Die südkoreanischen Hanjin Shipping ging in Insolvenz. Die daraus resultierenden Umschlagrückgänge bekam auch das Eurogate Container Terminal Hamburg zu spüren, berichtet die „DVZ“. Demzufolge registrierte es 2017 einen Umschlagsrückgang um 25,6 Prozent auf 1,68 Millionen Teu (Vorjahr: 2,26 Millionen Teu).

Positiv auf das Ergebnis des laufenden Jahres dürfte sich laut „DVZ“ jedoch die Ankündigung der südkoreanischen Reederei Hyundai Merchant Marine (HMM) auswirken, einen eigenständigen Fernost-Nordeuropa-Dienst zu betreiben. Das erste Schiff für diesen Dienst erwartet man im Mai bei Eurogate. Darüber hinaus sei man zuversichtlich, Mengen der inzwischen von Maersk übernommenen Reederei Hamburg Süd übertragen zu bekommen, zitiert die Zeitschrift Michael Blach, Vorsitzender der Eurogate-Gruppengeschäftsführung, von der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Bremen letzte Woche.

Bremerhaven und Wilhelmshaven steigern Umschlag

Die beiden anderen deutschen Standorte Bremerhaven und Wilhelmshaven konnten ihre Umschlagergebnisse um 0,9 Prozent beziehungsweise 15,1 Prozent steigern.

„Wir merken, dass die internationalen Allianzen Großcontainerschiffe vermehrt nach Wilhelmshaven schicken“, sagte Blach.

Im Übrigen habe sich auf das Gesamterergebnis positiv ausgewirkt, dass Eurogate mit 14 Terminals an zwölf Standorten in Deutschland und Europa vertreten sei. Dadurch habe man Schwankungen in den Auslastungen der Umschläge ausgleichen können.

Eurogate investiert weiter in Terminal Tanger

Ein Beispiel ist der Containerterminal in Marokko (Tanger). Am Mittelmeer wurden 22,9 Prozent mehr Container (1,38 Millionen Teu) umgeschlagen als 2016, so Thomas Eckelmann, in der Gruppengeschäftsführung zuständig für das internationale und intermodale Geschäft. Die geographisch hervorragende Lage des Containerhafens direkt an der Straße von Gibraltar und damit an den wesentlichen Ost-West-Routen der Containerschifffahrt sei Anlass, weiterhin in den Standort zu investieren und sich an Bau und Betrieb des TC3 zu beteiligen. Der TC3 befindet sich in dem Erweiterungsgebiet von TangerMed, westlich des heutigen Standorts von Eurogate Tanger.

Partner in dem Projekt sind der marokkanische Hafenbetreiber Marsa Maroc und die italienische Contship Italia-Gruppe. Ab 2020 wird TC3 der fünfzehnte Terminal des Eurogate-Netzwerks.

„In Tanger kommen wir an die Kapazitätsgrenzen, deshalb ist der Zuwachs höchst willkommen“, sagte Eckelmann.

Mengen des Hauptkunden Hapag-Lloyd sollen künftig vom TC2 zum TC3 wechseln, die frei werdenden Kapazitäten vor allem CMA CGM zugutekommen.

Sondereffekte und Nordafrika- sowie Italiengeschäft

In der Umschlagbilanz der Gruppe schlugen sich die Konsolidierungen in der Reedereilandschaft und die Restrukturierungen der Allianzen in einem stagnierenden Ergebnis von 14,4 Millionen Teu nieder. Dennoch erwirtschaftete der Konzern laut „DVZ“ aufgrund von Sondereffekten sowie eines deutlich verbesserten Beteiligungsergebnisses aus den Aktivitäten in Nordafrika und Italien einen gegenüber dem Vorjahr um 12,2 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss von 85,2 Millionen Euro (Vorjahr: 75,9 Millionen). Die Umsatzerlöse sanken um 4,9 Prozent auf 607,9 Millionen Euro (639,4 Millionen). Der Rückgang resultiere vor allem aus den deutlich rückläufigen Umschlagmengen des Hamburger Eurogate-Terminals.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)