11.10.2018

EU-Zoll: 2017 Rekordbeschlagnahme gefälschter Waren

Gesundheitsprodukte, Arzneien, Spielzeug, Elektrogeräte – 2017 war wieder ein Jahr der Warenfälschungen. Europäische Zollbehörden konnten einen erheblichen Teil davon sicherstellen.

EU-Zoll stellt gefälschte Waren sicher

Gefälschte Waren für 580 Millionen Euro beschlagnahmt

Mehr als 31 Millionen nachgeahmte und gefälschte Waren in einem Gesamtwert von über 580 Millionen Euro haben die europäischen Zollbehörden im vergangenen Jahr an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt.

Die Gesamtzahlen sind zwar seit 2016 zurückgegangen. Aber gefälschte, möglicherweise gefährliche Waren für den täglichen Gebrauch machen dabei einen viel höheren Anteil an allen Beschlagnahmen aus. Dazu gehören z. B. Gesundheitsprodukte, Arzneimittel, Spielzeug und Elektrogeräte.  43 Prozent aller beschlagnahmten Waren fielen in diese Kategorie.

Die insgesamt am häufigsten vertretene Kategorie waren nach Angaben der Kommission:

  • Nahrungsmittel mit 24 Prozent der Gesamtmenge der beschlagnahmten Waren,
  • Spielzeug (11 Prozent),
  • Zigaretten (9 Prozent),
  • Bekleidung (7 Prozent).

Hauptschmuggelweg Seetransport

An der Spitze der Beförderungsarten gefälschter Waren liegt der Seeverkehr: 65 Prozent aller beschlagnahmten Artikel gelangten per Schiff in die EU. Sie werden in der Regel in großen Sendungen verschickt.

An zweiter Stelle liegt der Luftverkehr mit 14 Prozent der gefälschten Artikel.  Auf Platz drei sind Kurier- und Postdienste. Sie machen zusammen elf Prozent aus und betreffen hauptsächlich online bestellte Verbrauchsgüter wie Schuhe, Bekleidung, Taschen und Uhren.

Gefälschte Waren – Die meisten kommen aus China

China ist nach wie vor das Hauptursprungsland in die EU verbrachter gefälschter Waren. Die meisten gefälschten Kleidungsstücke stammten aus der Türkei. Die am häufigsten gefälschten Mobiltelefone und Zubehör, Tintenpatronen und Toner, CDs/DVDs sowie Etiketten und Aufkleber kamen aus Hongkong und China. Aus Indien stammten die meisten gefälschten und potenziell schädlichen Arzneimittel.

In 90 Prozent der Fälle wurden die sichergestellten Waren vernichtet oder Gerichtsverfahren eingeleitet, um eine Rechtsverletzung festzustellen oder strafrechtliche Sanktionen zu verhängen.

Zollunion Eckpfeiler des EU-Binnenmarktes

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Zollunion zu einem Eckpfeiler des EU-Binnenmarktes entwickelt. Die Grenzen der EU blieben laut EU sicher. Die Bürger wurden vor verbotenen und gefährlichen Waren wie Waffen, Drogen und gefälschten Waren geschützt.

Der Bericht der Kommission über Zollmaßnahmen zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums wird seit 2000 jährlich veröffentlicht. Er stützt sich auf Daten, die der Kommission von den Zollverwaltungen der Mitgliedstaaten übermittelt werden.

Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums

Die im vergangenen Jahr von der Kommission vorgestellten Maßnahmen zum Schutz von Rechten des geistigen Eigentums sind wichtig. Das sollen die diesjährigen Zahlen belegen. Sie sollen europäische Unternehmen – insbesondere KMU und Start-ups – ermutigen, in Innovation und Kreativität zu investieren.

Diese Initiative soll für eine effiziente Ahndung von Verstößen gegen die Rechte des geistigen Eigentums, für Vereinfachungen bei grenzüberschreitenden Rechtsstreitigkeiten und für eine bessere Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie sorgen.

Die Daten liefern Informationen für die Analyse von Verletzungen der Rechte des geistigen Eigentums. Sie werden auch von anderen Einrichtungen wie dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum und der OECD für die Erstellung wirtschaftlicher Daten herangezogen.  Die von Fälschern am häufigsten genutzten Handelsrouten werden erfasst.

Schutz der Bürger vor gefälschten Waren

Die Zollunion der EU stehe beim Schutz der Bürger vor gefälschten, nachgeahmten und manchmal sehr gefährlichen Waren an vorderster Front, sagte Pierre Moscovici. Er ist der zuständige Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll.

Moscovici: „Wenn wir Einfuhren von Fälschungen in die EU stoppen, kommt das auch der Beschäftigung und der Wirtschaft insgesamt zugute.“ Die Europäische Union setze sich für das geistige Eigentum ein und werde sich weiter für den Schutz der Gesundheit der Verbraucher und der Unternehmen vor Verstößen gegen ihre Rechte starkmachen.
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)