10.01.2019

EU steigert Soja-Importe aus USA

Miso, Shoyu, Tofu – in Asien kennt man hunderte von verschiedenen Einsatzrezepten für die Soja-Bohne. Zur Weltwirtschaftspflanze gedieh die Bohne erst nach dem Zweiten Weltkrieg. US-Präsident Donald Trump nutzt sie zuletzt als Tauschmittel gegen Milde bei Zöllen für EU-Waren.

Mehr Soja aus USA für EU

Folgen für den Agrarhandel

Trumps Wirtschaftspolitik zeigt Folgen für den Agrarhandel. Die europäischen Soja-Importe haben sich in den vergangenen Monaten in etwa verdoppelt. Das meldet dpa und beruft sich auf Angaben der Münchner Landhandelskette Baywa.

Die Warenströme hätten sich demnach wegen des Handelskonflikts zwischen USA und China verändert, zitiert die Meldung eine Sprecherin des Unternehmens. Die Baywa sieht sich als weltgrößter Händler von Sojaschrot.

Strafzölle auf chinesische Importe

Trump hatte Strafzölle auf zahlreiche chinesische Importe verhängt. Daraufhin hatte China den Import von US-Soja eingestellt. Die Volksrepublik deckt sich stattdessen vor allem in Südamerika mit Soja ein. Ein Preisverfall für ihre Sojabohnen machte daraufhin den US-Sojabauern zu schaffen.

Auf der anderen Seite des Erdballs befürchtete die EU das Schlimmste für ihre Importe nach USA, vor allem von Stahl und Pkw. Um das abzuwenden, versprach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Trump im Juli eine Erhöhung der EU-Soja-Importe aus den USA. Und hielt offenbar Wort.

Mehr Soja-Importe aus USA für EU

Wie die EU-Kommission zum Jahresbeginn mitteilt, stiegen die Importe von US-Sojabohnen durch die Europäische Union zwischen Juli und Dezember 2018 um 112 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres. Mit einem Anteil von 75 Prozent an den Sojabohnenimporten der EU sind die USA demzufolge nach wie vor der wichtigste Lieferant Europas.

Umgekehrt bleibe Europa mit 28 Prozent mit Abstand das Hauptziel der US-Sojabohnenexporte. Es folgen Argentinien mit zehn und Mexiko mit neun Prozent.

Umsetzung der Trump-Juncker-Erklärung

Dies sei Teil der Umsetzung der im Juli 2018 vereinbarten Gemeinsamen Erklärung von US-Präsident Trump und EU-Kommissionspräsident Juncker. Darin vereinbarten sie, den Handel in mehreren Bereichen und Erzeugnissen, insbesondere Sojabohnen, zu verstärken. Infolgedessen veröffentlicht die Europäische Kommission nun regelmäßig Zahlen über die EU-Importe.

USA führend bei Soja-Importe in die EU

Die jüngsten Entwicklungen in der zweiten Jahreshälfte 2018 hätten dazu beigetragen, die führende Position der USA bei der Versorgung der EU mit Sojabohnen für das gesamte Kalenderjahr zu festigen. Und das deutlich vor Brasilien, dem traditionellen Hauptlieferanten Europas.

Im Jahr 2018 stammten der Mitteilung zufolge 50 Prozent der europäischen Einfuhren aus den USA und 36 Prozent aus Brasilien mit 37 Prozent in 2017. Die Europäische Kommission will zudem die Verwendung von US-Sojabohnen für Biokraftstoffe ermöglichen. Damit würden die europäischen Einfuhren von US-Sojabohnen voraussichtlich noch weiter zunehmen.

Öllieferant für die Margarineherstellung

Soja ist vielfältig verwendbar zumal in der modernen Lebensmitteltechnologie, wie „biothemen.de“ schreibt. In der westlichen Welt errang die Eiweiß- und Ölpflanze demnach überragende Bedeutung als Weltwirtschaftspflanze nach dem Zweiten Weltkrieg als Öllieferant für die Margarineherstellung.

Sojamehl oder -presskuchen diene heute als Viehfutter in intensiven Mastverfahren zur Erzeugung von Fleisch und Eiern. Die Sojabohne wird in riesigen Monokulturen angebaut, denen Regenwaldflächen zum Opfer fallen.

Mit keiner anderen landwirtschaftlichen Kultur könne ein solch hoher Flächenertrag an Eiweiß produziert werden wie mit Soja. Deswegen rechnen die Experten damit, dass die Bedeutung der Sojabohne zur Ernährung der Menschheit auch weiterhin zunehmen wird.

Anbaufläche für Soja vervierfacht

Weltweit werde auf über 80 Millionen Hektar Soja angebaut, schreibt „biothemen.de“ weiter und bezieht sich dabei auf Angaben des Jahrbuches der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization, FAO). 190 Millionen Tonnen Sojabohnen würden jährlich geerntet.

Die größten Soja-Produzenten und gleichzeitig Soja-Exporteure sind Brasilien, die USA und Argentinien. Im Gegensatz zu den anderen Weltnahrungspflanzen Weizen, Mais und Reis, deren Anbauflächen in den letzten 40 Jahren durchschnittlich nur um 20 Prozent zunahmen, habe sich die Anbaufläche von Soja nahezu vervierfacht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)