21.10.2020

EU-Preis für Fairen und Ethischen Handel verliehen

Nachhaltigkeit in Handel, Konsum und Produktion vor Ort sowie auf der Südhalbkugel – zu deren Stärkung hat die EU 2017 den Europäischen Preis für fairen und ethischen Handel ausgelobt. In diesem Jahr zeichnet die Kommission mit ihm fünf Städte aus, darunter zwei in Schweden.

EU-Preis

Malmö erhält Preis

Den EU-Preis für Fairen und Ethischen Handel erhielt Malmö in Südschweden. Weitere Kategorien für spezielle Auszeichnungen waren: „globale Partnerschaften“, „öffentliche Beschaffung“, „aufsteigende Vorreiter“ und „Beteiligung der Stadtgesellschaft“.

Neben Stuttgart erhielten mit Bremen und Neumarkt zwei weitere deutsche Städte eine spezielle Auszeichnung. Mit dem Preis werden die Städte für ihr Engagement gewürdigt und ein vom Preisträger ausgewähltes Projekt finanziert, das faire und ethische Lieferketten in einem Nicht-EU-Land unterstützt.

Umsetzung der UN-Agenda 2030

In ihrer Begründung würdigte die EU-Jury besonders die strategische Verankerung und Umsetzung der UN-Agenda 2030 mit den 17 Nachhaltigkeitszielen in Stuttgart. Dieses Engagement sei für Städte international inspirierend. Die Jury hob dabei besonders den von Stuttgart erstellten bundesweit ersten Monitoringbericht auf Grundlage der UN-Nachhaltigkeitsindikatoren hervor.

Dieser diene als Instrument, um Wirkungen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen gezielt zu messen und zu steuern. In ihrer Dankesrede betonte die Stuttgarter Bürgermeisterin für Soziales und Integration, Dr. Alexandra Sußmann, bei der Verleihung am 15. Oktober 2020 in Gent in Belgien:

„In Stuttgart finden wir innovative und praktische Lösungen für die drängenden Fragen einer ethischen und nachhaltigen globalen Transformation.“

Unterstützung vom ITC

Der Preis wurde 2020 zum zweiten Mal verliehen. Die Preisträgerstadt erhält technische Unterstützung vom Internationalen Handelszentrum (ITC), einer multilateralen Agentur für den Welthandel, die über ein gemeinsames Mandat der WTO und der UN verfügt.

Der Preis ist mit finanzieller Unterstützung von 100 000 Euro der EU-Kommission für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit zur Stärkung eines nachhaltigen, fairen und ethischen Handels, insbesondere in Partnerstädten auf der Südhalbkugel verbunden.

Der Preisträger erhält für 2021 das Siegel „EU Cities for Fair and Ethical Trade Award 2021“. Darüber hinaus erhalten alle nominierten Städte zusätzliche Möglichkeiten der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung über das ITC, die UN und die EU-Kommission. Thematische Klammer ist die UN-Agenda 2030 mit den 17 Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs).

Göteborg und Hirschberg ausgezeichnet

Die Jury zeichnete neben Malmö und den deutschen Städten noch Göteborg (Schweden) und das schlesische Hirschberg (Jelenia Góra, Polen) mit besonderen Erwähnungen aus. Neumarkt bekam diese Auszeichnung für das Engagement in der Gemeinde, Bremen für globale Partnerschaften und Stuttgart für die Überwachung der Auswirkungen von fairem Handel.

Als grüne Fair-Trade-Stadt hat sich einer Pressemitteilung der Stadt zufolge Stuttgart 1973 mit dem ersten Weltladen in Deutschland auf den Weg gemacht, fairer, sozialer und gerechter zu werden. Hinter dem ethischen Handel in Stuttgart stehe ein großer Kreis engagierter Menschen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Bündnisse wie „mein Stuttgart – meine Welt“ und „Future Fashion“ sollen soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit und ethischen Handel in der Breite der Stadtgesellschaft verankern. Vor fast genau fünf Jahren hat Stuttgart das „Welthaus“ eröffnet. Dabei handele es sich um einen Ort für globales Lernen, ein Welcome Center für Menschen, die neu in Stuttgart sind, ein Begegnungsraum mit regionalen und fairen Speisen und einem Laden für fairen Handel.

Beschaffung städtischer Produkte

Die Stadt will selbst mit gutem Beispiel voran gehen bei der fairen Beschaffung städtischer Produkte, der Zusammenarbeit mit einer agilen Zivilgesellschaft und einer Wirtschaft, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist, sowie im Umwelt- und Klimaschutz und bei der Aufnahme und Integration von Migranten und Geflüchteten.

Im Bereich der „fairen Mode“ will Stuttgart zudem die Förderung ethischer Produktions- und Wertschöpfungsketten auf der Südhalbkugel stärken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit der Stadt mit einem Stuttgarter Mode-Label zur Unterstützung eines sozialen Projekts in der Partnerstadt Mumbai. Dort erhalten Frauen, die Gewalt und Menschenhandel entkommen sind, Ausbildung, Unterstützung im Alltag sowie Einkommen durch fair produzierte Textilien.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)