05.06.2018

EU-Kommission sagt Plastikmüll den Kampf an

Anfang Juni an Thailands Küste: Mit mehr als acht Kilo Plastikmüll im Magen ist ein Wal verendet. Und das ist kein Einzelfall. Die von Plastik verseuchte Fläche im Stillen Ozean soll inzwischen so groß wie Europa sein. Die EU-Kommission will nun versuchen, der weltweiten Plastikpest mit neuen Vorschriften Herr zu werden. Oder kann sie damit nur ein Zeichen setzen?

EU-Kommission schlägt Maßnahmen zur Reduzierung von Plastikmüll vor.

Plastikmüll in Meeren und Ozeanen

Die Menge an schädlichem Plastikmüll in den Weltmeeren wächst ständig. Jetzt will die Europäische Kommission dagegen vorgehen: Sie schlägt neue Vorschriften zur Verringerung von Plastikmüll vor. Im Visier hat sie diese Einwegprodukte aus Kunststoff, die am häufigsten an den europäischen Stränden und im Meer gefunden werden:

  • Wattestäbchen
  • Besteck
  • Teller
  • Trinkhalme
  • Kaffee-Rührstäbchen
  • Luftballonstäbe aus Kunststoff

Umweltfreundliche Alternativen

Solche Einwegplastik-Produkte will die Kommission vom Markt verbannen. Für sie gebe es gute umweltfreundliche Alternativen, heißt es in einer Mitteilung. Bei Produkten, für die noch keine solchen Alternativen existieren, legt sie den Schwerpunkt auf Eindämmung des Verbrauchs.

Ansonsten soll es entsprechende Maßnahmen der Mitgliedstaaten geben: Vorgaben für Gestaltung und Kennzeichnung der Produkte sowie die Verpflichtung der Hersteller zur Abfallbewirtschaftung.

Der Franzose Benoit Lecomte will jetzt 9.000 Kilometer durch den Pazifik schwimmen, verteilt auf täglich acht Stunden in sechs bis acht Monaten. Ziel seiner Kampagne ist es, auf die zunehmende Vermüllung der Meere aufmerksam zu machen. Lecomte dazu wörtlich: „Das ist ein enormes Problem, aber auch ein Problem, das wir lösen können, weil wir es verursacht haben“. Weiter dazu auf www.augsburger-allgemeine.de.

Geht Europa mit gutem Beispiel voran?

Mit den neuen Vorschriften soll Europa nach dem Willen der Kommission bei der Lösung dieses weltweiten Problems mit gutem Beispiel vorangehen. Doch bis jetzt sind die Maßnahmen nur Vorschläge. Wann mit einer Umsetzung zu rechnen ist, ist unbekannt.

2015 hatte man bereits einmal das Problem der Plastiktüten in Angriff genommen. 72 Prozent der Europäer geben mittlerweile an, die Verwendung von Plastiktüten eingeschränkt zu haben. Nach Angaben des Deutschen Verpackungsinstituts bekunden 80,4 Prozent der Deutschen sogar, eigene Behälter von zu Hause zum Einkauf mitzubringen.

Demnach kaufen nur noch 4,5 Prozent eine Plastiktüte im Laden. Dabei sei dieser Anteil in der Altersgruppe 18-24 mit 11,4 Prozent fast dreimal so hoch wie beim Rest der Bevölkerung (3,55 Prozent).

17,5 Prozent der Einkäufer verwenden Karton-Umverpackungen aus dem Laden und geben der Verpackung damit vor dem Recycling einen Zweitnutzen. 14,3 Prozent kaufen alternative Behältnisse.

EU-Fokus auf Einwegkunststoffprodukten und Fischfanggeräten

Nun also liegt der EU-Fokus auf Einwegkunststoffprodukten und Fischfanggeräten. Diese beiden machen der Kommission zufolge in Europa zusammen 70 Prozent der Abfälle im Meer aus. Hier die geplanten Maßnahmen der Kommission:

  • Verbot von Kunststoff in bestimmten Produkten bei Verfügbarkeit erschwinglicher Alternativen
  • Einweggetränkebehälter, die Kunststoff enthalten, werden nur dann zugelassen, wenn ihre Deckel und Verschlüsse an ihnen befestigt sind.
  • Zielvorgaben für die Verbrauchsminderung: Die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass weniger Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher aus Kunststoff verwendet werden.
  • Verpflichtungen für die Hersteller: Die Hersteller werden zur Deckung der Kosten für die Abfallbewirtschaftung und die Säuberung der Umwelt sowie für Sensibilisierungsmaßnahmen herangezogen. dies gilt bei Behältern, Tüten und Folienverpackungen für Lebensmittel (z. B. für Chips und Süßigkeiten), Getränkeflaschen und -bechern, Tabakerzeugnissen mit Filtern (z. B. Zigarettenstummeln), Feuchttüchern, Luftballons und leichten Kunststofftragetaschen. Die Industrie soll entsprechende Anreize erhalten.
  • Zielvorgaben für die Sammlung: Die Mitgliedstaaten müssen bei Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025 eine Sammelquote von 90 Prozent durchsetzen, etwa durch Pfandsysteme.
  • Kennzeichnungsvorschriften: Auf bestimmten Produkten muss in klarer, standardisierter Weise angegeben werden, wie sie zu entsorgen sind, welche negativen Umweltauswirkungen das Produkt hat und dass es Kunststoff enthält. Dies soll für Hygieneeinlagen, Feuchttücher und Luftballons gelten.
  • Sensibilisierungsmaßnahmen: Die Mitgliedstaaten müssen die Verbraucher sensibilisieren für die negativen Auswirkungen einer unsachgemäßen Entsorgung von Einwegkunststoffprodukten und Fischfanggeräten sowie für die verfügbaren Wiederverwendungssysteme und Abfallbewirtschaftungsmöglichkeiten für alle diese Produkte.

Acht Millionen Tonnen Plastikmüll

Mindestens acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen der UN zufolge jährlich in den Ozeanen. Meerestiere verheddern sich oder verschlucken den Müll. Auch zerfällt das Material und bildet Mikroplastik – Kunststoffteilchen, die sich später auch in Trinkwasser und Nahrungsmitteln wiederfinden.

Bis 2050 werde sich der Plastikmüll in den Meeren verzehnfachen, warnen Experten. Das Plastikproblem muss nach Ansicht der Kommission angegangen werden, doch könnten sich daraus auch Möglichkeiten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen ergeben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)