08.10.2019

EU-Kommission beschließt neues Ökodesign

Staubsauger kaputt? Klarer Fall: reparieren. Das war einmal. Bestenfalls wird nur ein Teil ausgetauscht, meistens das ganze Gerät. Doch jetzt heißt es wieder: zurück Marsch, Marsch! Die EU-Kommission will das so. Sie hat ein Paket verabschiedet mit Maßnahmen für ein neues Ökodesign.

EU-Kommission nimmt Maßnahmenpaket zum Ökodesign an.

EU-Kommission: Mehr Reparieren, mehr Recyceln

Schluss mit der Wegwerfgesellschaft – zumindest, was Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Fernsehgeräte betrifft. Haushaltsgeräte wie diese sollen künftig nur noch einen kleinen CO2-Fußabdruck hinterlassen. Gleichzeitig sollen die Energiekosten für europäische Verbraucher sinken. Das hat sich die EU-Kommission vorgenommen. Zu diesem Zweck hat sie am 2. Oktober 2019 ein Maßnahmenpaket für ein neues Ökodesign für Haushaltsgeräte angenommen.

Die Maßnahmen umfassen laut einer Mitteilung der Behörde erstmals Anforderungen an Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Das soll zu den Zielen der Kreislaufwirtschaft beitragen. Verbessern will die Kommission damit bei Haushaltsgeräten:

  • Lebensdauer
  • Wartung
  • Wiederverwendung
  • Recyclingfähigkeit
  • Handhabung

Die Kommission erhofft sich von diesen Maßnahmen bis 2030 Endenergieeinsparungen von 167 Terawattstunden (TWh) jährlich. Dazu beitragen sollen auch die neuen Vorschriften zu Energielabels, die bereits am 11. März 2019 angenommen wurden.  Damit könne man den jährlichen Energieverbrauch Dänemarks einsparen – oder anders ausgedrückt: das entspräche einer Einsparung von über 46 Millionen Tonnen CO2. Gleichzeitig könnten dadurch europäische Haushalte durchschnittlich 150 Euro im Jahr einsparen.

Erläuterungen Ökodesign und Energielabel

  1. Ökodesign: Im Allgemeinen versteht man darunter den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Die Ökodesign-Richtlinie ist ein Konzept der Europäischen Union und gibt verbindliche Mindestanforderungen für die umweltgerechte Produktgestaltung vor. Anbieter müssen die Einhaltung der Richtlinien in Verbindung mit der CE-Kennzeichnung nachweisen.
    Die Ökodesign-Richtlinie wurde in ihrer Grundform bereits im Jahr 2005 erlassen. Die Anforderungen gelten in allen EU-Mitgliedstaaten für Hersteller und Importeure. Nur wenn das betroffene Produkt die Ökodesign-Anforderungen erfüllt, darf es die CE-Kennzeichnung tragen und in der EU in den Verkehr kommen.
    Hier geht es zur Website der EU mit den neuen Maßnahmen zum Ökodesign.
  2. Energielabels: Seit dem 1. August 2017 gelten für Hersteller, Händler und Importeure Richtlinien bei den Energielabels.
    Die Energieverbrauchskennzeichnung (EU-Energielabel) gibt den Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen durch energieverbrauchsrelevante Produkte anhand einheitlicher Etiketten an. Auf diese Weise will man indirekt den Verkauf und die weitere Entwicklung effizienter Produkte fördern und letztlich den Energieverbrauchs in der EU senken.
    Hier kommen Sie zur Website der EU mit umfassenden Informationen zu den Energiekennzeichen.

Smartphone, Handy und Co.

Das Geschäft mit kaputten Geräten ist für viele Hersteller ziemlich lukrativ. Wie „WinFuture“ schreibt, wird hier vielfach mit überteuerten Preisen agiert. Verbraucher-Organisationen kämpfen seit Jahren um ein Recht auf Reparatur. Dieses will die EU nun stärken. Bei diesem Recht geht es meistens um prominente Geräte wie Smartphones oder ähnliche. Apple und andere Hersteller wollten das Geschäft mit dem Reparieren von Hardware aber nicht aus der Hand geben. Nach Ansicht der EU-Kommission wollen die Hersteller ihre Kunden zum Neukauf zwingen. Entsprechend unternähmen sie viel, um Drittanbietern das Leben zu erschweren, unter anderem durch das Monopol auf Ersatzteile.

Weitgehend unter dem Radar lägen bislang noch Hersteller von weißer Ware wie Waschmaschinen oder Kühlschränken. Mit dem neuen Maßnahmenpaket bringt die Europäische Union neue Standards hierfür auf den Weg.

Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung

Diese Einsparungen kämen zu denjenigen hinzu, die man durch die geltenden Anforderungen an das Ökodesign und die Energieverbrauchskennzeichnung erreiche. Die Kommission schätzt sie bis 2020 jährlich auf rund 150 Millionen t RÖE (Tonnen Rohöleinheiten). Dies entspräche etwa dem jährlichen Primärenergieverbrauch von Italien. Für die Verbraucher bedeute dies eine durchschnittliche Einsparung von bis zu 285 Euro pro Jahr bei ihren privaten Haushaltsenergiekosten.

Nach der Annahme des Maßnahmenpakets sollen die Texte in den kommenden Wochen im Amtsblatt der Europäischen Union erscheinen und 20 Tage danach in Kraft treten. Nach einem Konsultationsprozess hat die Kommission zehn Durchführungsverordnungen zum Ökodesign angenommen, die Energieeffizienz- und andere Anforderungen für die folgenden Produktgruppen enthalten:

  • Kühlgeräte
  • Waschmaschinen
  • Geschirrspüler
  • elektronische Displays einschließlich Fernsehgeräte
  • Lichtquellen und separate Betriebsgeräte
  • externe Netzteile
  • Elektromotoren
  • Kühlgeräte mit Direktverkaufsfunktion (z. B. Kühlgeräte in Supermärkten, Verkaufsautomaten für Kaltgetränke)
  • Transformatoren
  • Schweißgeräte

Jyrki Katainen ist der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident.   Durch eine bessere Reparierbarkeit der Geräte, durch geringeren Wasserverbrauch, ein intelligentes Ökodesign hofft er auf eine effizientere Nutzung der Ressourcen, insgesamt auf wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Miguel Arias Cañete wiederum, der EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie, sieht einen weiteren Vorteil der Ökodesign-Maßnahmen: In Verbindung mit intelligenteren Energielabels könnten sie den europäischen Verbrauchern viel Geld einsparen. Zudem könne die EU dadurch ihre Treibhausgasemissionen verringern.

Das Ökodesign sieht er als Schlüsselelement bei der Bekämpfung des Klimawandels, außerdem als direkten Beitrag zur Verwirklichung des Übereinkommens von Paris. Cañete blickt auf das langfristige Ziel der EU-Kommission, die EU bis 2050 vollständig zu dekarbonisieren – daher werde ihre Energieeffizienz- und Ökodesign-Strategie immer wichtiger.

Weiterführende Beiträge

 

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)