23.01.2018

Erstaunlich: Welthandel verliert an Dynamik

Die globalisierte Welt kennt nur eine Richtung: hin zu mehr Wachstum. Doch wer meint, vor allem der Handel nehme immer mehr zu, muss umdenken. Ein von der Deutschen Post entwickeltes globales Handelsbarometer zeigt jetzt Erstaunliches: der Welthandel nimmt eher ab denn zu.

Welthandel weniger dynamisch

Chinesischer und japanischer Handel

Der Welthandel stagniert, sein Wachstum verliert an Dynamik. Das geht aus dem neuen DHL Global Trade Barometer hervor. Danach haben sich die Aussichten für den chinesischen und japanischen Handel eingetrübt. Der Indiens, Südkoreas und Großbritanniens habe sich zwar verbessert – das biete aber keinen Ausgleich.

Im Januar 2018 liegt der Index für den globalen Handel bei 64 Punkten gegenüber 66 Punkten im Vormonat.

Welthandel: Entwicklung von DHL und Accenture

Entwickelt hat das Handelsbarometer der Logistikdienstleister Deutsche Post DHL in Kooperation mit der Managementberatung Accenture.

Künftig wird der Frühindikator vierteljährlich die aktuelle und künftige Entwicklung des Welthandels abbilden. Dazu wertet das Barometer mithilfe künstlicher Intelligenz große Mengen von Logistikdaten aus. Der Welthandel gilt als Motor der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das Barometer liefert eine Indikation für den Handel wie für die Weltkonjunktur insgesamt.

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Das Barometer berücksichtigt per Luft- oder Seefracht geroutete Handelsströme von frühzyklischen Gütern und Vorprodukten aus sieben Ländern:

  • China
  • Südkorea
  • Deutschland
  • Indien
  • Japan
  • Großbritannien
  • USA

Diese Länder machen mehr als 75 Prozent des Welthandels aus.

Der Ausblick auf die Luftfracht hat sich laut Handelsbarometer um zwei Punkte verschlechtert, der auf die Seefracht um einen Punkt. Den Hauptgrund für die Verschlechterung in der Luftfracht sieht man bei DHL in Rückgängen bei den Mengen in den USA und in Deutschland. Das Minus bei der Seefracht hängt laut dem Barometer ausschließlich mit dem Chinaverkehr zusammen.

Triebfedern der globalen Handelsströme

Als weltweiter Logistikanbieter sieht sich DHL in der Lage zu erkennen, welche Triebfedern den globalen Handelsströmen zugrunde liegen. Außerdem verfüge man über das entsprechende Know-how, um die Marktdaten auch richtig auszuwerten.

„Mit unserem Netzwerk, unseren Spezialisten und unserer Branchenerfahrung ist DHL prädestiniert, aus der Analyse globaler Lieferketten Prognosen für die Entwicklung des Welthandels abzuleiten“, sagte Tim Scharwath, CEO DHL Global Forwarding, Freight.

Accenture bereitet die Daten auf und berechnet die vorausschauenden Analysen. Aus diesen Ergebnissen zieht DHL wiederum die Rückschlüsse zur aktuellen Lage und zu künftigen Entwicklungen der globalen Handelslogistik von Kunden.

Datenmodellierung nach Bottom-up-Verfahren

Auf welche Daten stützt sich das Barometer nun genau? Es nutzt Import- und Exportdaten für verschiedene Zwischenprodukte und frühzyklische Güter. Diese Daten dienen als Grundlage für weitere industrielle Wertschöpfung – beispielsweise Textiletiketten für Kleidung, Stoßstangen für Autos oder Touchscreens für Mobilgeräte.

Die Daten werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz und verschiedenen statistischen Methoden zu einem Indexwert für den Welthandel verdichtet. Überdies berechnet das Barometer den Index für jedes der sieben untersuchten Länder einzeln. Der Index entspricht dem gewichteten Durchschnitt des aktuellen Wachstums und dem der nächsten zwei Monate.

Ein Indexwert von über 50 steht für eine positive Entwicklung, ein Wert unter 50 deutet auf einen Rückgang des Welthandels hin. Testreihen haben eine hohe Korrelation zwischen dem DHL Global Trade Barometer und historischen Handelsdaten gezeigt, so dass Vorhersagen für einen Zeitraum von drei Monaten getroffen werden können.

Aussagen über Welthandel und spezielle Themen

Neben allgemeinen Aussagen über den Welthandel lassen sich aus dem Barometer weitergehende Erkenntnisse zu spezifischen Fragen ableiten, wie etwa diesen: Welche gesamtwirtschaftlichen Faktoren beeinflussen massgeblich die Entwicklung des Handels? Welche Länder und Regionen treiben den Welthandel an?

Durch die Analyse globaler Lieferketten wird zudem sichtbar, wie sich Volumina in verschiedenen Branchen verschieben, welche Sektoren besser abschneiden und welche rückläufig sind.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)