21.03.2017

Energiewende: Strom fließt stabil!

Die Energieversorger klagen über Verluste, seit die Bundesregierung nach Fukushima die Energiewende beschlossen hat. Immer wieder werden Stromausfallszenarios beschworen. Zu Unrecht, wie eine Studie der Deutschen Energieagentur belegen soll. Strom fließt demnach sehr stabil.

Energiewende und stabil fließender Strom

Deutschland hat das stabilste Netz  

Die Lichter gehen in Deutschland aus, schuld ist der Atomausstieg. Stimmt alles nicht. Die Lichter sind nicht ausgegangen. 2014 fiel der Strom hierzulande im Durchschnitt nur zu 13,5 Minuten je Endkunde aus – zusammen mit Luxemburg (14) und der Schweiz (13) der beste Wert in Europa. Diese Zahlen legt jetzt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages unter Berufung auf entsprechende Erhebungen der Bundesnetzagentur vor. Atomländer wie Frankreich (51,5 Minuten) und Belgien (26) liegen in der Statistik weit höher. Schlusslicht ist Malta mit 570 Minuten Stromausfall pro Jahr.

SAIDI misst jeden Sommer die Netzzuverlässigkeit

Die Werte werden nach dem Index für die durchschnittliche Unterbrechungsdauer des Systems (System Average Interruption Duration Index, SAIDI) gemessen, einer Kennzahl zur Messung der Zuverlässigkeit von Energieversorgungsnetzen. Sein Wert wird jeden Sommer veröffentlicht und spiegelt laut Bundesnetzagentur die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres wider. Laut Bundesnetzagentur werden bei seiner Ermittlung weder geplante Unterbrechungen noch Unterbrechungen aufgrund höherer Gewalt, wie etwa Naturkatastrophen, berücksichtigt. Vielmehr fließen in seine Berechnung „nur ungeplante Unterbrechungen ein, die auf atmosphärische Einwirkungen, Einwirkungen Dritter, Zuständigkeit des Netzbetreibers und aus anderen Netzen rückwirkende Störungen zurückzuführen sind. Die Unterbrechung muss zudem länger als drei Minuten dauern.“

Verzicht auf regionalen Stromnetzausbau

Unterdessen berichtet die „Saarbrücker Zeitung“ über eine neue Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) zum Ausbau der Stromnetze. Sie bestärke Zweifel an den Plänen für einen massiven Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende. Würden die schon auf dem Markt vorhandenen Speichertechnologien flexibel eingesetzt, könnte mindestens auf den Ausbau der regionalen Verteilnetze zum großen Teil verzichtet werden, so das Ergebnis der Untersuchung.

Weizsäcker: Erfolgsprojekt Deutschland

Der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker hält in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen sechs Jahre nach Fukushima für ein Erfolgsprojekt. Erneuerbare Energien seien sehr günstig geworden. Deutschland dürfe sich in puncto Energiewende stolz auf die eigene Brust klopfen: Hätte man nicht mit großen Subventionen die technische Entwicklung angestoßen, wäre der Kostenrückgang nicht so schnell gegangen, so der Wissenschaftler.

Unternehmen in der Pflicht

Der Anteil von Industrie und Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) am deutschen Energieverbrauch belief sich im Jahr 2014 auf 44 Prozent. Ohne Beiträge der Wirtschaft werden die Energiewendeziele der Bundesregierung indes nicht zu erreichen sein. Große wie kleine Unternehmen sehen sich dabei mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert:

  • Sie haben aufgrund gesetzlicher Vorgaben verschiedene Anforderungen zu erfüllen.
  • Sie müssen strategisch handeln, um die Chancen der Energiewende und deren Auswirkungen auf das Energiesystem für sich zu nutzen.
  • Sie müssen wettbewerbsfähig bleiben und aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung im Blick behalten.

Unterstützung für Unternehmen von der Dena

Für Unternehmen, die ihre Effizienzpotentiale systematisch heben und somit Energiekosten einsparen wollen, entwickelt deswegen die Dena Strategien und initiiert Modellvorhaben. Dabei werden gemeinsam mit den Unternehmen Strategien und Konzepte erarbeitet, die zur Nachahmung in der jeweiligen Branche geeignet sind. Suchen Unternehmen Fachleute für Energieeffizienz inklusive umfangreicher Anlagentechnik, finden sie bundesweit mehr als 1000 in einer Energieeffizienz-Expertenliste der Dena. Zudem begleitet die Dena Unternehmen dabei, sich als Vorreiter beim Einsatz vom Effizienztechnologien zu präsentieren, etwa indem sie vorbildliche Beispiele mit dem „Energy Efficiency Award“ auszeichnet.

Autor: Franz Höllriegel