18.02.2020

Energieversorger E.ON will in der Logistik mitmischen

Energiepartner für Strom, Erdgas und Dienstleistungen – so der bisherige Claim des Energieversorgungsunternehmens E.ON. Darunter soll künftig auch der Betrieb von Binnenschiffen vermehrt gemeint sein. Doch auch sonst will sich der Konzern verstärkt in der Logistik als Partner aufstellen.

E.ON Logistik

Batterie und Wasserstoff statt Diesel

Diesel raus, Batterie und Wasserstoff rein – so die Vision dreier Unternehmen, von denen eines nicht jeder auf Anhieb mit derlei Zielsetzungen in Verbindung bringen würde: den Hafenbetrieben Rotterdam und Delta Port am Niederrhein traut man es schon eher zu, dem bisherigen Energieversorger (EVU) E.ON schon weniger. Zusammen wollen sie eine Infrastruktur entwickeln, die einen klimaneutralen Fracht- und Passagierschiffsverkehr ermöglichen soll.

Klimaneutrale Binnenschifffahrt

Gemeinsam wollen sie die Voraussetzungen für eine klimaneutrale Binnenschifffahrt entwickeln, berichtet das „pv magazine Deutschland“ unter Berufung auf E.ON. Das Pilotkonzept werde sich zunächst auf die deutschen Binnenhäfen in Voerde und Wesel am Niederrhein konzentrieren.

Später will man es auf weitere Häfen in Europa übertragen. Dank der geplanten Infrastruktur sollen mit Batterien und Wasserstoffantrieben ausgestattete Fracht- und Passagierschiffe in den Häfen Batteriecontainer tauschen oder grünen Wasserstoff tanken können. Neben Klimaschutz und verbesserter Luftqualität gehe es bei dem Konzept um langfristig günstigere Logistikkosten.

Voraussetzungen am Niederrhein

Die Voraussetzungen am Hafen in Wesel seien ideal. E.ON könne aus der vom Aluminiumhersteller Trimet erzeugten Abwärme neue Energie herstellen. Andere erneuerbare Energieträger wie die Photovoltaik will man ebenfalls in das Konzept einbauen. Die Infrastruktur soll es ermöglichen, dass Züge und LKW an den Häfen Wasserstoff tanken oder Batterien aufladen können. Ziel wäre hier die CO2-freie Letzte Meile. Der Hafenbetrieb Rotterdam soll sein Logistik-Know-how in das Konzept einbringen. Er arbeitet an Projekten für einen nachhaltigeren Güterverkehr. Am Ende stünde nach den Vorstellungen des Konzeptes ein klimaneutraler Warentransport zwischen Rotterdam und dem europäischen Hinterland.

Logistik vor dem energietechnischen Umbruch

Wie die DVZ berichtet, hat Kevin Bär, Vertriebsmanager bei der Konzerntochter E.ON Business Solutions, bei den Hamburger Logistiktagen am 12.02.2020 umfassende Aktivitäten für die Logistik angekündigt.

„Bei den Logistikern, die viel Energie verbrauchen, wird sich künftig einiges ändern“, zitiert die Fachzeitschrift für Verkehr Bär.
E.ON habe viele Kunden aus der Logistikbranche und hier vor allem Kooperationen mit Häfen, wie zum Beispiel das Abwärmeprojekt „Ecoport 813“ mit dem Hafenverbund Deltaport am Niederrhein an den Standorten Wesel/Voerde. Das Konzept habe den Tiefkühllogistiker Nordfrost überzeugt. Solche Projekte seien für die energieintensive temperaturgeführte Logistik geeignet.
„Wir kommen hier weit unter die Energiepreise, die normalerweise in solchen Unternehmen vorherrschen“, so Bär.

Sinkende CO2-Preise, Druck auf Erdgas-Lösungen

Bär machte vor den Logistikern in Hamburg darauf aufmerksam, dass CO2-Preise künftig zu einem hohen Druck auf erdgasbasierte Lösungen führen werden, insbesondere in der Kühllogistik mit hohen Energieverbräuchen. Er nannte Blockheizkraftwerke und Brennstoffzellen als Beispiele. Hier werde es eine Wende geben. Business Cases, die es für solche erdgasbetriebenen Anlagen einmal gab, gäbe es schon ab 2021 nicht mehr. Diese Anlagen erzielten ihren Vorteil aus dem Gefälle zwischen Strom- und Gaspreis.

Doch Gas werde immer teurer, Strom aufgrund der sinkenden Ökostromumlage für erneuerbare Energien (EEG) günstiger. Damit aber sinke die Wirtschaftlichkeit aller erdgasbasierten Lösungen. Mit Erdgas versorgte Standorte könnten bei zehn  Gigawattstunden (GWh) Erdgas in Zukunft mit einer halben Million Euro an Mehrbelastung rechnen.

Wärme- und Kälteversorgung in Logistikanlagen

CO2-freie Wärme- und Kälteversorgung in den Logistikanlagen werde zum Modell der Zukunft, zumeist durch:

  • Abwärme,
  • Solarthermie,
  • Biomasse,
  • Wärmepumpen.

Bei vielen Logistikern gebe es überdies Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Aber auch die Stromkaufverträge, die der Refinanzierung des Baus oder des Betriebs einer weit entfernteren Photovoltaikanlage dienen, Power Purchase Agreements, würden nach Ansicht Bärs zunehmend interessant. E.ON habe beschlossen, den CO2-freien Weg mit den Kunden zu gehen und damit nicht mehr nur auf fossile Energieträger zu setzen. Man könnte Bär zufolge mit heute bereits vorhandener Technik 80 Prozent des CO2-Ausstoßes vermeiden – man mache es nur nicht. Doch das könnte sich nun ändern – vorausgesetzt, alle machen mit.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)