05.10.2017

Energieausschreibungen: Windenergieanlagen deutlich vor Biomasse

Hoher Wettbewerb hier, geringe Anzahl von Angeboten da – die jetzt von der Bundesnetzagentur ausgeschriebenen Energieprojekte stoßen auf unterschiedliches Interesse bei potentiellen Anbietern. Wenige Angebote gingen für Biomasseanlagen ein, für Windenergieanlagen weit mehr.

24 Gebote für Biomasseanlagen

Die Bundesnetzagentur hat jetzt bei der ersten Ausschreibung für Biomasseanlagen 24 Gebote mit einem Gebotsumfang von 27.551 Kilowatt bezuschlagt. Bereits im Vorfeld hatte man in der Branche nur mit wenigen Geboten gerechnet. „Dies hat sich nun bestätigt“, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, laut einer Mitteilung an die Presse. Die geringe Gebotsmenge bedeute aber auch, dass alle berücksichtigten Gebote einen Zuschlag erhalten. Insgesamt gingen 33 Gebote ein. Das Gebotsvolumen von 40.912 Kilowatt lag deutlich unter dem Ausschreibungsvolumen von 122.446 Kilowatt.

Kaum Gebote von Neuanlagen

Von den Geboten, die einen Zuschlag erhalten haben, entfielen 20 auf Bestandsanlagen. An diesem Verfahren konnten auch bereits in Betrieb genommene Anlagen teilnehmen. Voraussetzung: ihre restliche Förderdauer nach dem EEG durfte nicht mehr als acht Jahre betragen. Auffällig war die geringe Beteiligung von Neuanlagen. Nur vier Anlagen davon haben einen Zuschlag erhalten. Der Höchstwert für Neuanlagen in der Biomasseausschreibung lag sehr deutlich über den Höchstwerten der zuletzt durchgeführten Ausschreibungen von Solar- und Wind an Land-Anlagen.

Geringe Wettbewerbsintensität

Der durchschnittliche Zuschlagswert aller Gebote liegt bei 14,30 ct/kWh. Für Neuanlagen ergibt sich ein mittlerer Zuschlagswert von 14,81 ct/kWh. Bestandsanlagen haben im Mittel einen Zuschlagswert von 14,16 ct/kWh erhalten. Die meisten bezuschlagten Projekte erhalten damit die maximal gesetzlich zulässige Förderung. Neun Gebote mit einem Gebotsvolumen von 13.361 kW konnten nicht im Zuschlagsverfahren berücksichtigt werden. Die Gründe waren einerseits fehlenden Angaben der Bieter in den Formularen geschuldet; anderseits erfüllten vier Anlagen, deren Genehmigungen vor 2017 erteilt wurden, die Teilnahmevoraussetzungen nicht. Diese Anlagen haben bis Ende 2018 im Rahmen der Übergangsregeln des EEG 2017 noch Anspruch auf die gesetzlich festgelegte Förderung. Die nächste Ausschreibungsrunde für Biomasse findet erst wieder im September 2018 statt. Das in dieser Runde nicht genutzte Ausschreibungsvolumen wird auf das Volumen im nächsten Jahr aufgeschlagen.

Dritte Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land

Schon weit lebhafter ist das Interesse an der bereits dritten Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land. Für den Gebotstermin 1. November 2017 wurde sie jetzt gestartet. Die ersten beiden Ausschreibungsrunden waren laut Homann von hohem Wettbewerb geprägt. Nun müsse sich zeigen, was die dritte und damit letzte Runde in diesem Jahr bringt. Gebote für diese Ausschreibung können bis zum 2. November 2017 abgegeben werden. Der eigentliche Gebotstermin, der 1. November 2017, ist ein gesetzlicher Feiertag in Nordrhein-Westfalen, sodass sich die Frist verlängert. Für diesen Gebotstermin beträgt das Höchstgebot wie in den ersten beiden Runden 7 ct/kWh – abzugeben für den Referenzstandort. Die Gebote mit dem niedrigsten Gebotswert erhalten den Zuschlag, bis das Volumen der jeweiligen Ausschreibungsrunde erreicht ist.

Netzausbaugebiet Norddeutschland

Für diese Runde beträgt es 1.000 Megawatt. Das Netzausbaugebiet umfasst wesentliche Teile Norddeutschlands. Hierfür können in dieser Runde 430,55 Megawatt bezuschlagt werden. Bei der letzten Ausschreibungsrunde lag die bezugschlagte Menge im Netzausbaugebiet 108,55 Megawatt unterhalb der Obergrenze von 322 Megawatt. Dementsprechend wird die Obergrenze in dieser Ausschreibungsrunde nun erhöht.

Noch Unterschiede bei Teilnahmevoraussetzung

Teilnahmevoraussetzungen für Gebote zu Windenergieanlagen an Land sind grundsätzlich:

  • Genehmigung der Anlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz
  • Registrierung der Genehmigung im Anlagenregister bei der Bundesnetzagentur drei Wochen vor dem Gebotstermin.

Sobald das Anlagenregister vom Marktstammdatenregister abgelöst ist, sind nur noch Meldungen dort möglich. Das Ende der Meldefrist der Genehmigungen für diese Ausschreibungsrunde ist der 11. Oktober. Die installierte Leistung der eingegangenen Genehmigungen wird zeitnah nach dem Ende der Meldefrist bekanntgegeben. Sämtliche Regelungen für Bürgerenergiegesellschaften bleiben in dieser Runde unverändert. Sie können weiterhin mit einem Windertragsgutachten an der Ausschreibung teilnehmen und eine Genehmigung nachreichen. Für die ersten beiden Gebotstermine 2018 werden Regelungen für Bürgerenergiegesellschaften gesetzlich nicht angewendet.

Autor: Franz Höllriegel