07.05.2020

Elektronische Beschaffung weiter auf niedrigem Niveau

Elektronisch einkaufen sollen die Verbraucher – die Unternehmen selbst sind in diesem Punkt weiterhin eher zögerlich. Das zeigt jetzt die diesjährige BME-Umfrage zu Digitalisierung in Einkauf und Supply-Chain-Management. Es hapert vor allem an Transparenz und Struktur der Daten.

Elektronische Beschaffung

Geschäftsführung auf der Bremse

Weiter zu wünschen übrig lassen Einführung und Ausbau elektronischer Lösungen in den Unternehmen. In jedem vierten Betrieb steht die Geschäftsführung auf der Bremse. Das ergibt die diesjährige BME-Umfrage des „Barometers Elektronische Beschaffung 2020“ zum Stand von Digitalisierung und Entwicklungen in ausgewählten Bereichen des Einkaufs und des Supply Chain Managements. Ebenfalls jede vierte befragte Firma berichtet von internen Widerständen.

Mangelnde Datentransparenz

Die Studie haben laut BME die Professoren Dr. Ronald Bogaschewsky von der Universität Würzburg und Dr. Holger Müller vom HTWK Leipzig im Auftrag des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) mit den Partnern Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) sowie der Allocation Network GmbH durchgeführt. An der Befragung nahmen 168 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen von Oktober bis Dezember 2019 teil. Hinderungsgründe für die weitergehende Nutzung digitaler Lösungen im konventionellen E-Procurement-Bereich sehen die Marktforscher nach wie vor vorrangig in:

  • mangelnder interner Datentransparenz und -strukturierung,
  • innerbetrieblichen Widerstände,
  • fehlender Unterstützung seitens der Geschäftsführung.

Als ungenügend oder fehlend empfänden die Unternehmen Standards, Kosten sowie interne technische Voraussetzungen. Diese Faktoren empfände die befragte Gruppe teilweise noch deutlich intensiver als Hinderungsgründe als im Vorjahr.

KMU sehen keinen Sinn in E-Tools

Als weiteres Ergebnis der Umfrage ist festzustellen, dass Klein- und Mittelunternehmen die Notwendigkeit des Einsatzes der E‐Tools im Vergleich zu Konzernen fast durchweg geringer einschätzen – ein Trend, den die Marktbeobachter seit Jahren beobachten. Andererseits wollen sie signifikante Veränderungen erkennen. So schätzten im Gegensatz zum Vorjahr die Umfrage-Teilnehmer aus Industrieunternehmen die jeweilige Bedeutung von E‐Tools über nahezu alle Kategorien hinweg höher ein als die Dienstleister.

Grobosch: Digitalisierung fordert alles ab

„Die diesjährigen Umfrage-Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Digitalisierung ganzer Wertschöpfungs- und Lieferketten den Unternehmen alles abfordert“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch.
Immer mehr Unternehmen würden die Notwendigkeit des Einsatzes elektronischer Lösungen in Einkauf, Logistik und Supply Chain Management erkennen. Allerdings müssten einige von ihnen noch stärker als bisher an der Beseitigung der Hinderungsgründe für deren Nutzung arbeiten.

Bogaschewsky appelliert insbesondere an die Verantwortlichen der Unternehmen, die vollständige Automatisierung operativer Beschaffungsprozesse zur Chefsache zu erklären.

„Einige Geschäftsführungen denken in Bezug auf den Einkauf und das Supply Chain Management wohl immer noch, das Internet sei nur eine vorübergehende Erscheinung“, so Bogaschewsky.
Über zwei Dritteln der Unternehmen erwarten ähnlich wie im Vorjahr in absehbarer Zeit eine Automatisierung des gesamten operativen Einkaufsprozesses bis vor dem Übergang zur Rechnungsprüfung und ‐buchung, teilweise hätten sie ihn schon vollzogen. Ähnliches gelte für die Integration der Buchungs‐, Rechnungsprüfungs‐ und Zahlungsprozesse mit dem Bestellprozess im Sinne eines unterbrechungsfreien P2P‐Prozesses sowie das Empfangen von Lieferantenrechnungen in elektronischer Form.

Big Data-Analyse für Unternehmen am wichtigsten

Nach Einschätzung Müllers sei „dieses Handlungsfeld offenbar nicht nur als wichtig erkannt worden. Es ist vielmehr zu erwarten, dass die Majorität der befragten Unternehmen diese Prozesse zügig in integrierte Lösungen überführen wird, sofern dies nicht bereits erfolgt ist.“
Im Ranking, welche Zukunftstechnologien für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management die größte Bedeutung haben, liegt Big Data Analytics wie ein Jahr zuvor erneut auf Platz eins. Auf den Plätzen folgen „Intelligente Objekte zur Steuerung des Materialflusses“ und „Gemeinsame Datenräume entlang der Supply Chain“. Blockchains bilden das Schlusslicht. Insgesamt sehen die Unternehmen Zukunftstechnologien deutlich weniger positiv als im Vorjahr.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)