04.08.2021

Elektromobilität erfordert Bau von Batteriefabriken

Erst hinkte Deutschland hinterher – jetzt kann es nicht schnell und vor allem in Mengen genug geben: die E-Mobilität auf Batterie-Basis macht Riesenschritte voran. Jüngster vom Saulus zum Paulus gewandelter Autobauer hier: Mercedes-Benz. Hauptakteur in diesem Markt: China.

Batteriefabriken

Daimler steigt in Batterieproduktion ein

Daimler gibt Gas beim Ausbau der Elektromobilität. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, will das Unternehmen nun doch in die Produktion von Batteriezellen einsteigen. Zumal im Luxus-Segment, wo Mercedes-Benz zuhause sei, gewinne die Transformation an Fahrt, zitiert das Blatt Daimler-Vorstandschef Ola Källenius. Von „Electric first“ steuere man um auf „Electric only“.

Ein klares Enddatum für den Verbrenner-Motor von Mercedes nannte Källenius im Gegensatz zu anderen Automanagern zwar nicht.

„Wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen“, versprach Källenius.
Von der Politik fordert der Daimler-Chef, die Infrastruktur für die Elektromobilität aufzubauen und auch CO2-neutralen Strom zur Verfügung zu stellen.

Harte Einschnitte unausweichlich

Allein Mercedes-Benz will in diesem Jahrzehnt 40 Milliarden Euro in Elektro-Mobilität investieren. Die Ausgaben für konventionelle Technik will der Konzern bis 2026 um 80 Prozent senken. Die Transformation werde nicht ohne harte Einschnitte im Personalbereich gehen. Entsprechende Maßnahmen habe man mit dem Betriebsrat im vorigen Jahr abgesprochen. Mehr als 20.000 Mitarbeiter will das Unternehmen schon im vorigen Jahr auf Tätigkeiten in der Elektromobilität geschult haben.

Bis 2025 soll der Anteil der elektrisch angetriebenen Autos einschließlich Plug-in-Hybrid auf 25 Prozent anwachsen. Um die Innovation intern schnell voranzutreiben, will Mercedes 2022 den „EQXX“ vorstellen, ein E-Auto mit einer Reichweite von angeblich mehr als 1000 Kilometern und einstelligem Verbrauchswert für Kilowattstunden pro 100 Kilometer bei Autobahn-Geschwindigkeit.

Eigene Batterie-Zellfertigung

Zu den großen Investitionsvorhaben gehört eine eigene Batterie-Zellfertigung. Hier plant Mercedes acht Gigafabriken mit Kapazitäten von insgesamt mehr als 200 Gigawattstunden,

  • vier davon in Europa, teilweise in Partnerschaften,
  • eine in Amerika, wo Mercedes-Benz Geländewagen und Vans montiert,
  • die übrigen drei in Asien.

Daimler hatte schon 2008 mit Evonik eine Batteriezellfabrik in Kamenz gebaut. Die Zellen wurden vor allem für die damals bereits elektrisierten Smart-Autos verwendet. Betriebswirtschaftlich hingegen erwies sich das Projekt als Flop. Diesmal will man alles richtig machen und die Technologie der Zelle verstehen, z. B. hinsichtlich:

  • Energiedichte,
  • Ladetempo,
  • Sicherheit,
  • Reichweite,
  • Lebensdauer,
  • Wiederverwertbarkeit
  • weitere für die Qualität des Autos relevante Eigenschaften.

Daimlers Batteriefabriken in Deutschland

Laut „ingenieur.de“ entstehen die mit jeweils 24 GWh/a größten Batteriefabriken von Daimler in Deutschland in:

  • Salzgitter: Produktionsbeginn 2024,
  • Erfurt: 2022,
  • Kaiserslautern: 2023
  • Überherrn: 2023.

Hinzu sollen Fabriken kommen in:

  • Grünheide (20 GWh/a, 2022)
  • Ludwigsfelde (8 bis 12 GWh/a, 2021)
  • Bitterfeld (16 GWh/a, 2022)
  • Ausbau Batteriefabrik der Daimler-Tochter Accumotive in Kamenz: etwa 20 GWh.

Zellen aus Asien

Die Zellen für die Stromspeicher kommen aus Asien. Der 2006 in Kamenz gegründete Zellenentwickler Li-Tec Battery, ebenfalls eine Daimler-Tochter, versuchte bis 2015, so günstig zu produzieren wie die asiatischen Länder, jedoch ohne Erfolg. Neben Kamenz ist Willstätt nahe Offenburg bereits Produktionsstätte für Batterien. Der Schweizer Hersteller Leclanché betreibt hier eine Fabrik mit einer Produktionskapazität von 1 GWh/a. Sie stellt auch die benötigten Zellen selbst her. Der Hersteller Envision im britischen Sunderland, den das gleichnamige Unternehmen aus Schanghai von Nissan übernommen hat, beziehe seine Zellen dagegen von der Muttergesellschaft. Derzeit wird die Kapazität mit etwa 1,9 GWh/a mit kräftigen Ausbauplänen angegeben.

Mitte 2022 will der chinesische Zellenhersteller Contemporary Amperex Technology (CATL) in Erfurt den Betrieb aufnehmen. Ein Jahr früher will er Batterien in kleiner Stückzahl aus Zellen herstellen von CATL aus China. BMW hat sich einen Teil der Produktion gesichert. Ebenfalls aus China kommt ein Batteriehersteller, der bis 2023 im saarländischen Überherrn produzieren will. Svolt Energy Technology will sowohl Zellen als auch komplette Batterien bauen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)