28.09.2021

Elektroauto trägt schweren Umweltrucksack

Kein Ausstoß von Emissionen – dafür aber ein schwerer Umweltrucksack: das Elektroauto ist bei weitem nicht so grün, wie immer wieder behauptet. Vor allem der Verbrauch an verschiedenen Mineralressourcen bringt den Batterieantrieb ins Hintertreffen hinter dem fossilen Verbrennerantrieb.

Elektroauto

BEV und PHEV verbrauchen Minerale

Die Herstellung eines batterieelektrische Autos (BEV) oder Plug-in-Hybrid (PHEV) verbraucht eine große Menge verschiedener Mineralressourcen. Das geht aus Zahlen der Statistikplattform „statista“ hervor:

  • Die Produktion eines Benziners oder Diesels benötigt durchschnittlich nur etwa 22 Kilogramm Kupfer und 11 Kilogramm Mangan,
  • eines Elektroautos 53 Kilo Kupfer und 25 Kilo Mangan.
  • Hinzukommen bei E-Auto im Schnitt neun bis 66 Kilogramm
    • Lithium,
    • Kobalt,
    • Nickel
    • Graphit
  • bei Ottomotoren 0 kg dieser Mineralien.
Elektroautos verschlingen Mineralressourcen
Elektroautos verschlingen Mineralressourcen

Batterien verursachen hohen Mineralienverbrauch

Verantwortlich für den hohen Bedarf an Mineralressourcen sind die Batterien der Stromer und das damit verbundene Antriebssystem. Je mehr

  • Leistung
  • Langlebigkeit
  • Energiedichte der Akkus

desto mehr

  • benötigte Minerale.

Die Umstellung auf saubere Energiesysteme führe zu einem Anstieg des Bedarfs an diesen Mineralen. Energiesektor und Automobilindustrie entwickelten sich deswegen zu wichtigen Kräften auf den Mineralmärkten. Doch diese Bodenschätze sind nicht grenzenlos verfügbar. Zudem kontrollierten nur wenige Staaten große Anteile der weltweiten Fördermengen. Folge: zusätzliche geopolitische Herausforderung für bodenschatzarme Wirtschaftsstandorte wie Deutschland.

Batterieleistung, Langlebigkeit und Energiedichte

Die Arten der verwendeten Mineralressourcen variieren je nach Technologie. Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit sind laut Internationaler Energie Agentur (IEA) entscheidend für die Batterieleistung, Langlebigkeit und Energiedichte. Seltene Erden sind essentiell für Permanentmagnete, die für Windkraftanlagen und EV-Motoren lebenswichtig sind. Stromnetze benötigen eine große Menge an Kupfer und Aluminium, wobei Kupfer ein Eckpfeiler für alle strombezogenen Technologien ist.‎ Die Umstellung auf ein sauberes Energiesystem wird zu einem enormen Anstieg der Anforderungen an diese Mineralien führen, was bedeutet, dass sich der Energiesektor zu einer wichtigen Kraft auf den Mineralmärkten entwickelt.

Gestiegene Nachfrage nach Mineralen seit 2010

Bis Mitte der 2010er Jahre machte der Energiesektor für die meisten Mineralien einen kleinen Teil der Gesamtnachfrage aus. Mit zunehmender Energiewende werden laut IEA saubere Energietechnologien zum am schnellsten wachsenden Nachfragesegment. In einem Szenario, das die Ziele des Pariser Abkommens erfüllt (wie im IEA Sustainable Development Scenario SDS), steigt ihr Anteil an der Gesamtnachfrage in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich auf:

  • über 40 Prozent für Kupfer und Seltene Erden,
  • 60 bis 70 Prozent für Nickel und Kobalt
  • fast 90 Prozent für Lithium.

Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher haben demzufolge die Unterhaltungselektronik bereits vom ersten Platz als größter Lithiumverbraucher verdrängt und sollen bis 2040 Edelstahl als größter Endverbraucher von Nickel ablösen.‎

‎Weniger Emissionen, sicherere Energiesysteme

Die Länder verstärken ihre Bemühungen zur Verringerung der Emissionen. Deshalb müssten sie sicherstellen, dass die Energiesysteme widerstandsfähig und sicher bleiben. Die heutigen internationalen Mechanismen für Energiesicherheit sollen eine Versicherung gegen die Risiken von Störungen oder Preisspitzen in der Kohlenwasserstoffversorgung, insbesondere Öl, bieten. Mineralien stellten sie dafür vor andere Herausforderungen. Sie machten in einem dekarbonisierenden Energiesystem eine Erweiterung des energiepolitischen Horizonts der Entscheidungsträger erforderlich. Die Sorge um Preisvolatilität und Versorgungssicherheit verschwinde in einem elektrifizierten, erneuerbaren Energiesystem nicht, so die IEA. ‎

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)