16.10.2017

Einkaufspreise steigen erheblich schneller

Der Anstieg der Einkaufspreise hat sich weiter beschleunigt. Ebenfalls legten Produktion und Beschäftigung in Deutschland im September 2017 noch stärker zu als im August. Lieferzeiten sind laut EMI rekordverdächtig lange. Dies deutet auf erhebliche Lieferschwierigkeiten hin.

Einkaufspreise

EMI: Industrie-Motor im September hochtourig

Die deutsche Industrie ist im September 2017 so kräftig gewachsen wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Das belegt der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI).

Er verbesserte sich gegenüber August um 1,3 Punkte und erreichte mit 60,6 den höchsten Wert seit April 2011. Produktion und Beschäftigung legten demzufolge sogar noch stärker zu als im August.

Anstieg der Einkaufspreise und anhaltend robuster Aufschwung

Rekordverdächtig lange Lieferzeiten deuten auf erhebliche Lieferschwierigkeiten hin. Der Anstieg der Einkaufspreise hat sich ebenfalls erheblich beschleunigt.

„Der EMI scheint im Moment nur einen Weg zu kennen – und der führt nach oben“, erklärt Dr. Silvius Grobosch. Er ist Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).

Der anhaltend robuste Aufschwung lasse voller Zuversicht in das vierte Quartal blicken. Etwas Sorge bereiteten dagegen die erneut gestiegenen Einkaufspreise. Einen der Hauptgründe dafür sieht Grobosch in den seit Jahresbeginn wieder anziehenden Preisen für Industrierohstoffe.

Gestiegene Einkaufspreise, aber Industrie läuft rund

„Der EMI hat zuletzt wieder deutlich an Fahrt aufgenommen“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die EMI-Daten.

Die deutsche Industrie laufe rund, beschleunige sich sogar noch. Die deutsche Wirtschaft sei somit breit aufgestellt. Die Verbraucher blieben in bester Konsumlaune, die Bauwirtschaft sei weiter stark und auch die Investitionen würden dynamischer.

Im laufenden Jahr wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt Traud zufolge voraussichtlich sogar die Marke von zwei Prozent überschreiten. 2018 sei mit einem fast genauso hohen Wachstum zu rechnen.

Konjunkturlage der Industrie Deutschlands

Der Hauptindex spiegelt das Ergebnis der September-Umfrage zur Konjunkturlage der Industrie Deutschlands in einem Wert wider. Er setzt sich aus den Unterindizes Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager zusammen.

Auftragseingang: Hier verbuchten die deutschen Industrieunternehmen im Berichtsmonat das zweithöchste Plus seit April 2011, lediglich übertroffen vom Zuwachs im Juni dieses Jahres. Wie bereits seit Jahresanfang ging von den Exportmärkten auch im September ein starker Nachfrageimpuls aus. Unterm Strich fiel das Exportorderplus zwar etwas niedriger aus als im August, es blieb jedoch überdurchschnittlich hoch.

Besonders gefragt waren deutsche Industrieerzeugnisse in Asien.

Stärkster Beschäftigungsaufbau seit 2011

Beschäftigung: Der kräftige Auftragsschub zog den stärksten Beschäftigungsaufbau seit Mai 2011 nach sich. Am meisten neue Stellen wurden diesmal im Investitionsgüterbereich geschaffen, dicht gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich.

Einkaufspreise und Verkaufspreise

Der Kostenanstieg erreichte ein Fünfmonatshoch und fiel stärker aus als im bisherigen Jahresdurchschnitt.

Verteuert haben sich laut EMI neben Chemikalien auch Energie und zahlreiche Metalle, darunter Aluminium, Kupfer, Messing und Stahl.

Der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich den zweiten Monat in Folge und fiel so stark aus wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Ausschlaggebend hierfür war der rasante Kostenauftrieb, den die Unternehmen an ihre Kunden weiterzugeben bestrebt waren.

Jahresausblick optimistisch

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im September sogar noch optimistischer aus als in den beiden Vormonaten. Der entsprechende Teilindex notiert derzeit nur knapp unter dem Rekordhoch von Anfang 2014.

Immerhin fast 40 Prozent der Befragten rechnen mit einer Fortsetzung des gegenwärtigen Wachstumstrends. Einige sehen den Markt zunehmend gesättigt und gehen eher davon aus, dass das hohe Niveau nicht gehalten werden kann.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)