27.11.2017

Einkaufsinitiative will Handel mit Russland ankurbeln

Russland ist ein wichtiger Markt für die deutsche Wirtschaft. Es ist immer noch ein wichtiger Standort für viele deutsche Unternehmen. Jedoch haben Sanktionen, Ölpreise und Rubelkurs den Handel erschwert. Eine Initiative will den Handel neu beleben.

Russland

Organisationen unterzeichnen Absichtserklärung zu Einkaufsinitiative Russland

Russland hat sich als Produktionsstandort in internationalen Rankings zuletzt kontinuierlich verbessert. Auch deutsche Investoren haben daran einen wichtigen Anteil.

Gleichwohl hapert es am Zugang deutscher Unternehmen zu dem Land. Das will eine Initiative jetzt ändern. Im Rahmen des 52. Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin unterzeichnen der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA), der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) eine Absichtserklärung zur Durchführung einer Einkaufsinitiative Russland für die deutsche Wirtschaft.

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Qualifizierte russische Lieferanten

Wie es in einer Pressemitteilung des BME dazu heißt, lautet das gemeinsame Ziel der drei Verbände:

Das Ziel der Einkaufsinitiative Russland

Deutsche Unternehmen, einschließlich ihrer Beschaffungsinteressen, sollen mit ausgesuchten und qualifizierten russischen Lieferanten zusammengebracht werden.

Gemeinsam möchten OA, BME und AHK diesen Standort deutschen Unternehmen besser zugänglich machen.

Eine ähnliche Einkaufsinitiative gibt es bereits mit dem Westbalkan. Nach diesem Vorbild wollen der größte Einkaufsverband im Euro-Raum, der Ost-Ausschuss und die AHK in Russland gemeinsam eine Brücke zwischen den Unternehmen bauen und damit aktiv den Warenaustausch fördern.

Europäischer Beschaffungsmarkt

In den vergangenen Jahren unterstützte der BME verstärkt deutsche Unternehmen im europäischen Beschaffungsmarkt. Mit zahlreichen Aktivitäten in Portugal und Italien, vor allem aber auch in Osteuropa, will der BME seinen Mitgliedern und deutschen Unternehmen neue Geschäftspotenziale erschließen.

„Die Partnerschaft mit dem BME wird den deutsch-russischen Handel weiter beleben“, ist sich OA-Geschäftsführer Michael Harms sicher.

Ziel: Einkäufer mit leistungsstarken Lieferanten zusammenbringen

Im Zusammenführen deutscher Einkäufer mit leistungsstarken Lieferanten aus Mittel- und Osteuropa sowie aus der Balkanregion habe man positive Erfahrungen gesammelt. Verbände können hier eine aktive Rolle spielen, so Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden BME-Bundesvorstands.

Russland biete deutschen Einkäufern große Möglichkeiten, „die wir gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss und der AHK transparent machen möchten. Als Verband haben wir hier in den vergangenen Jahren schon vielen Mittelständlern und Großunternehmen neue Perspektiven aufzeigen können“, so Grobosch weiter.

Integration in die globalen Wertschöpfungsketten

Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, sagte: „Wir freuen uns, russischen Firmen bei der Integration in die globalen Wertschöpfungsketten und beim Export unterstützen zu können und somit die wirtschaftlichen Verflechtungen unserer beiden Länder auch jenseits des Rohstoffhandels weiter zu vertiefen.“

Für die deutsche Industrie bietet der russische Markt zahlreiche Chancen, aber auch große Herausforderungen. Die Verbände sehen sich hier als Schnittstelle zwischen deutschen und russischen Firmen. Damit erleichtere man beiden Seiten die angestrebte Zusammenarbeit.

Ölpreis und Inflation

Im Jahr 2014 rutschte die russische Wirtschaft in eine Rezession, das Bruttoinlandsprodukt ging zurück. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Oktober schreibt, allerdings weniger wegen der Sanktionen des Westens. Vielmehr waren Hauptursachen dafür der sinkende Preis für Öl und Gas, Hauptexportprodukte Russlands, und der fallende Rubelkurs. Die daraus folgenden Reallohnverluste belasteten den privaten Konsum der Russen.

Russland: Wirtschaft erholt sich wieder

Der Ölpreis ist mittlerweile auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen. Die Wirtschaft des Landes erholt sich unter anderem deswegen. Die Einzelhändler setzten im August knapp zwei Prozent mehr um als vor einem Jahr. Die Inflation ist mit 3,3 Prozent auf ein Rekordtief in Russland seit Ende der Sowjetunion gefallen. Die Kapitalflucht hat abgenommen, der Rubel ist wieder stabiler.

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für dieses und nächstes Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 und 1,6 Prozent nach minus 0,2 Prozent im vergangenen Jahr. Experten sehen trotz der westlichen Sanktionspolitik derzeit wenig Anlass zur Sorge.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)