07.07.2017

Einkaufsfinanzierung: Zusätzliche Liquidität für den Einkauf

Meist bestellt der Einkäufer das benötigte Material und die gewünschten Waren selbst beim Lieferanten. Mit ihm handelt er Skonti und Rabatte aus. Ist die Lieferung wie vereinbart erfolgt, zahlt der Besteller. Dafür muss er öfter den Kontokorrentkredit seiner Hausbank in Anspruch nehmen. Der Einkauf von Material und Waren lässt sich aber auch anderweitig finanzieren. Einkaufsfinanzierung: So funktioniert's.

Einkaufsfinanzierung

So funktioniert die  Einkaufsfinanzierung

Ein Unternehmen braucht dringend neue Ware. Es verhandelt mit dem Lieferanten. Dieser erstellt auf der Grundlage der Verhandlungen mit dem Unternehmen ein Angebot.

Das Unternehmen wendet sich dann an einen Einkaufsfinanzierer und diesem übersendet der Lieferant sein Angebot.

Der Einkaufsfinanzierer als Zwischenhändler

Der Einkaufsfinanzierer tritt als Zwischenhändler auf. Er bestellt beim Lieferanten das Gewünschte und vereinbart, dass die georderte Ware mit einer Rechnungskopie direkt an das Unternehmen, seinen Kunden, geliefert wird. Die Originallieferantenrechnung erhält der Einkaufsfinanzierer.

Hat das Unternehmen die Ware angenommen, auf Mängel geprüft und freigegeben, die Lieferung also bestätigt, zahlt der Einkaufsfinanzierer sofort – wenn möglich noch innerhalb der Skontofrist.

Zum Schluss begleicht das Unternehmen innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels (z. B. 120 Tage) die Forderung des Einkaufsfinanzierers. Diese setzt sich zusammen aus dem Betrag, den er laut Rechnung für die Waren bezahlt hat, und den Gebühren und Kosten der Einkaufsfinanzierung. Das Unternehmen hat also durch die Einkaufsfinanzierung einen Zahlungsaufschub erreicht.

Üblicherweise tritt der Einkaufsfinanzierer seine Ansprüche aus der Vertragsbeziehung mit dem Lieferanten – insbesondere Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüche – an seinen Kunden ab. Der Lieferant wird die Abtretung im Regelfall anerkennen, dafür erhält er pünktlich sein Geld. Möchten Kunde und Lieferant Kaufpreis, Lieferzeit, Lieferort oder sonstige Bedingungen ändern, brauchen sie die Zustimmung des Einkaufsfinanzierers.

Vorteile der Einkaufsfinanzierung für das Unternehmen

  • Bei der Einkaufsfinanzierung handelt es sich um ein Handelsgeschäft und nicht um einen Bankkredit.
  • Das Unternehmen verbessert seine Liquidität.
  • Es muss keine Kreditsicherheiten leisten.
  • Das Unternehmen wählt selbst die Geschäfte aus, bei denen es den Einkauf finanzieren möchte.
  • Da der Lieferant innerhalb der vereinbarten Skontofrist sicher sein Geld erhält, hat das Unternehmen eine bessere Verhandlungsposition.

Hinweis

Dieses und viele weitere Rechtsthemen im Einkauf finden Sie in unserem „Rechtshandbuch für die Einkaufspraxis“ juristisch fundiert und praxistauglich aufbereitet, inkl. zahlreicher Musterverträge. Testen Sie das Produkt als Loseblattwerk für 14 Tage oder gleich online für 30 Minuten: Einkaufsrecht online.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)