06.06.2019

Einkauf von Open-Source-Lösungen für Bundesbehörden?

Lizenzkosten senken, aber Open-Source-Lösungen in Ausschreibungen nicht bevorzugen? „Wie das?“, fragen Branchenvertreter. In welchen Bundesbehörden welche Betriebssysteme derzeit eingesetzt werden und inwieweit die Nutzung von Open-Source-Software zulässig und sinnvoll ist, hat die Bundesregierung jetzt erläutert.

Beschaffung von Open-Source-Lösungen für Bundesbehörden? Die Regierung sieht Vor- und Nachteile.

Offene, nicht proprietäre Standards spielen auch für die Bundesverwaltung eine „wichtige Rolle“. Daher würden Kollaborationsmodelle zwischen Standardisierungsorganisationen und Open-Source-Initiativen geprüft. Das teilte auf eine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ die Bundesregierung mit. Stellt sich die Frage: Wie ist denn die Haltung der Regierung zum Einkauf von Open-Source-Lösungen generell?

Die vier Freiheiten durch den Einkauf von Open-Source-Lösungen

Freie Software in Abgrenzung zu proprietärer oder unfreier Software definiert sich für die Regierung durch die vier Freiheiten, ein Programm …

  • für jeden Zweck auszuführen ohne zeitliche, geografische oder anwendungsbasierte Einschränkungen durch die Herstellerin bzw. den Hersteller zu unterliegen;
  • an die jeweiligen Bedürfnisse des Nutzers anpassen zu können und dafür Zugriff auf den Quellcode zu haben;
  • zu kopieren und die Kopien kostenfrei oder gegen Entgelt an Dritte weitergeben zu können;
  • zu verändern und es kostenfrei oder gegen Entgelt Dritten zur Verfügung zu stellen.

Allerdings beklagt die Bundesregierung die mangelnde Interoperabilität von Open-Source-Software. Doch schließt sie eine kommerzielle Herstellung und Nutzung von freier Software nicht aus.

Die Vorteile freier Software

Nach Ansicht der Bundesregierung verhindere die Nutzung freier Software die Abhängigkeit von Herstellern. Man könne Anwendungen auch durch konkurrierende Firmen warten und weiterentwickeln lassen. Damit fördere die Nutzung freier Software den Wettbewerb im IT-Sektor. Zudem erhöhe sie Chancen kleiner und mittlerer Firmen und führe für die öffentliche Hand zu sinkenden Preisen für IT-Dienstleistungen.

Außerdem könne man Schwachstellen schneller erkennen und beheben. Damit ließe sich aber auch die Sicherheit von Produkten erhöhen. Was die Regierung bei proprietärer Software vermisst, ist eine ihrer Ansicht nach oft fehlende Interoperabilität. Formate oder Protokolle der Dateien könne man teilweise nur mit Produkten des jeweiligen Herstellers auslesen, wie z.B. Textdokumente von MS Word. Hier schlössen künstliche technische Barrieren freie Programme wie OpenOffice oder LibreOffice vom Wettbewerb aus.

Es entständen digitale Monopole mit entsprechend höheren Preisen für Anwender. Die Bundesregierung beziffert beispielsweise die Kosten für Microsoft-Lizenzen für die IT der Bundesbehörden auf über 250 Millionen Euro in den Haushaltsjahren 2015 bis 2019.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)