09.03.2021

Einkauf von Halbleitern ins Stottern geraten

Rohstoffe wie seltene Erdenmetalle sind selten. Deren Knappheit sorgt dafür, dass jetzt auch deren Weiterarbeitungsprodukt, die Halbleiter, immer knapper werden. Eine der hauptleidtragenden Industrien ist die deutsche Autoindustrie. Sie schlägt jetzt Alarm und hofft auf die Politik.

Einkauf von Halbleitern

Bis zu vier Millionen Autos ohne Chip

Zwei bis vier Millionen Autos können nicht gebaut werden im ersten Halbjahr 2021. Grund: es fehlen Mikrochips. Der Gründe für den Lieferengpass gibt es viele, allen voran beispielsweise:

  • Rohstoff-Mangel und
  • geopolitische Spannungen zwischen China und USA.

Schon steht das böse Wort einer künftigen Abhängigkeit Europas von der asiatischen Produktion im Raum, wie der „Deutschlandfunk“ berichtet.

Die derzeitigen Engpässe bei wichtigen Halbleiter-Produkten wie Elektronik-Chips und Sensoren alarmieren die deutsche Autoindustrie, berichtet auch „t-online“ und beruft sich unter anderem auf den Branchenverband VDA in Berlin.

Demzufolge laufen inzwischen Beratungen mit der Politik über Möglichkeiten zur Entschärfung der Lage. Global arbeite man daran, die Versorgung mit Halbleitern – insbesondere auf der Ebene der Chip-Hersteller – sicherzustellen. Der VDA stehe hierzu auch mit der Bundesregierung in Kontakt.

VW und Konsorten lassen Schichten ausfallen

Hersteller wie Volkswagen, Daimler oder Audi ließen deswegen zuletzt etliche Schichten ausfallen. Vorübergehend ließen die Unternehmen wieder mehr Kurzarbeit leisten. Weiterverarbeiter von Halbleiter-Material und Autozulieferer wie Hella oder Continental sprachen ebenso von Engpässen, desgleichen einige andere Wirtschaftszweige.

„Aufgrund unterschiedlicher Einflüsse ist die weltweite Nachfrage nach bestimmten Halbleiter-Bauteilen derzeit höher als das Angebot“, hieß es vom VDA auf „t-online“. Von dieser Verknappung seien die weltweite Automobilindustrie und Elektronik-Lieferanten betroffen.

Angespannte Situation bei wichtigen Zulieferern

Als eine Ursache gilt die angespannte Situation bei einigen wichtigen Zulieferern auch in Asien. Die aktuelle Nachfragespitze bei Halbleitern komme für einige Chip-Produzenten überraschend. Das Autogeschäft ziehe wieder früher an als erwartet. Zugleich wollten aber andere Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik ebenfalls versorgt sein. Hinzu kommen unterausgelastete Kapazitäten beim Rohstoff Silizium im wichtigen Erzeugerland China.

Halbleitermarkt erheblich gewachsen

Der weltweite Halbleitermarkt ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen – 5,1 Prozent seit 2019, berichtet „technik-einkauf.de“. Die Ereignisse 2020 hätten zahlreiche Herausforderungen mit sich gebracht mit Risiken und Schwächen in der Lieferkette.

Gleichzeitig veränderten neue Technologien und geopolitische Veränderungen den Markt. Für Einkaufsleiter, die große Mengen der richtigen Bauelemente sichern und die Lieferzeiten unter Kontrolle halten müssen, halte 2021 viele Herausforderungen bereit. Für die Zeit ab 2020 gehe die Semiconductor Industry Association (SIA) davon aus, dass sich das jährliche Wachstum des Halbleitermarktes beschleunigen und 2021 an die 8,4 Prozent erreichen wird.

Abschwächung durch Corona

Die Experten gehen davon aus, dass nach der Abschwächung durch die Corona-Pandemie die Nachfrage wieder anziehen dürfte. Das wiederum stelle die Lieferanten auf die Probe. Das Risiko: steigende Vorlaufzeiten und ein Mangel an Bauelementen, so „technik-einkauf.de“.

Einkäufer von Halbleitern hätten aufgrund der Pandemie bereits ein Jahr lang Unterbrechungen durchlebt, Produktion gestoppt oder verzögert – oft mit minimaler Vorwarnung. Vorlaufzeiten seien schlimmstenfalls nur noch Fiktion. Die Beschaffung der richtigen Bauelemente zum richtigen Zeitpunkt erfordere die Fähigkeit, geeignete Alternativen ausfindig zu machen und Vereinbarungen mit neuen Lieferanten zu treffen, wo immer diese sich auch befinden.

Altmaier wird in Taiwan vorstellig

Unterdessen soll Medienberichten zufolge Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wegen der Lieferengpässe bei Mikrochips für die Autoindustrie einen Brief an die taiwanesische Regierung geschrieben. Die Bundesrepublik erkennt Taiwan nicht als Staat an, heißt es in dem Bericht auf „Deutschlandfunk“ weiter.

Wenig später habe Taiwan der Automobilindustrie Abhilfe zugesagt. Die dortige Wirtschaftsministerin Wang Mei-hua habe gegenüber Deutschland und u.a. den USA erklärt, mehrere führende Chiphersteller seien bereit, ihre Kapazitäten so weit wie möglich aufzustocken. Das aber werde etwas dauern.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)