News | Einkauf 13.02.2017

Einkauf: Bremser der Digitalisierung?

Der Einkauf steht noch nicht hinter Industrie 4.0: Einkauf und Produktion sind derzeit die Bremser der Digitalisierung der Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Vergleichsstudie der d.velop-Gruppe unter mehr als 1.000 Unternehmen in zehn Wirtschaftssektoren. Lediglich 29 Prozent dieser Abteilungen haben sich demnach dieses Thema aktuell auf die strategische Fahne geschrieben.

Digitalisierung

Einkaufsabteilungen: Bremser der Digitalisierung?

Nur in der Produktentwicklung besteht gegenüber Industrie 4.0 eine noch größere Zurückhaltung als im Einkauf, mittels digitaler Technologien die Prozesse effizienter und schneller zu gestalten. Diese Organisationen planen nur zu einem Fünftel spezifische Digitalisierungsprojekte und haben dafür auch nur in Ausnahmefällen mehr Geld als im Vorjahr zur Verfügung.

Vertrieb und Marketing: Treiber von Industrie 4.0

Treiber der Digitalisierung in den Unternehmen sind derzeit die Vertriebs- und Marketingabteilungen. Daneben setzen auch die Bereiche Logistik und Materialwirtschaft verstärkt auf moderne Technologien. Die meisten anderen Organisationsbereiche halten sich teilweise noch stark zurück.

Dagegen scheint der Nutzen einer stärkeren Digitalisierung für die Sales- und Marketingprozesse erkannt worden zu sein. 46 Prozent der Verantwortlichen setzen nach der vom Digital Intelligence Institute (DII) realisierten Studie entsprechende Schwerpunkte und können dabei auch auf höhere Investitionsmittel zurückgreifen. „Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass man sich tatsächlich konkreten Projekten widmet und nicht auf Absichtserklärungen zur Digitalisierung beschränkt“, urteilt d.velop-Vorstand Mario Dönnebrink.

Ein ähnlich positives Bild gibt die Logistik und Materialwirtschaft ab. Hier gehören Digitalisierungsprojekte für 42 Prozent zu den strategischen Schwerpunkten, ähnlich viele können dafür mittlerweile auch höhere Budgets nutzen.

An den Softwareentwicklern liegt es nicht

Unterdessen drücken Softwareentwickler mit immer neuen Anwendungen zur Digitalisierung des Einkaufs in den Markt. So hat Pool4Tool, Anbieter von Software-Lösungen für den Einkauf von Produktionsmaterialien, eine eigene Produktlinie für die Beschaffung in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) auf den Markt gebracht. Sie heißt „Pool4Tool smart“ und benötige zur Implementierung im Unternehmen nicht mehr als einen Monat.

Smart-Module ständen für Kernaufgaben von Einkaufsabteilungen zur Verfügung wie:

  • Lieferantenmanagement (SRM) für die Basisprozess,
  • Ausschreibungen (RFQs) für strukturierte Anfrage- und Angebotsprozesse
  • Bestellwesen
  • E-Procurement
  • Lieferantenbewertung

Erste Kundenimplementierungen mit den neuen Lösungen habe man erfolgreich abgeschlossen, heißt es seitens Pool4Tools. Die Ergebnisse bestätigten aufgrund der sofortigen Einsetzbarkeit einen schnellen Return on Investment der smart-Module.

Digitale Transformation: Digitale Zukunft innovativer Beschaffungsstrategien

Wie können wir die digitale Zukunft von Einkauf und Beschaffung meistern?

Diese Frage stand auf dem diesjährigen BME-Symposium Mitte November in Berlin im Mittelpunkt.

Einkauf, Logistik und Supply Chain Management als Innovations-Scouts und Rückgrat der globalen Warenströme – sie gewinnen in einer sich global vernetzenden Welt an Bedeutung. Zukunftsfähige Beschaffungsstrategien lassen sich aber nur erfolgreich umsetzen, wenn alle Glieder der Lieferkette aus ihren eingefahrenen Wegen ausbrechen und auch mal „out of the Box“ denken.

Diese Botschaft ging vom 51. BME-Symposium Einkauf und Logistik aus. Es stand in diesem Jahr unter dem Motto „Agenda 2030: Agil und vernetzt“. Auf dem europäischen Einkäufergipfel diskutierten mehr als 2.000 Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager an drei Veranstaltungstagen aktuelle Megatrends ihres Berufsstands.

BME-Vorstandsvorsitzender Horst Wiedmann wies darauf hin, dass Industrie 4.0 und Einkauf 4.0 neue Anforderungen stelle. Das Berufsbild des Einkäufers wandle sich grundlegend. Operative Einkaufsprozesse würden nahezu komplett digitalisiert. Der strategische Einkauf steuere und überwache diese Prozesse.

BME votiert für freien Warenverkehr

Auf die wachsende Bedeutung des Einkaufs als effektiver Brückenbauer zwischen den Völkern verwies BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Feldmann. Der BME setze sich für freien Warenverkehr ein und sei gegen Grenzkontrollen. Es gehe dabei um die Zukunft Europas. Feldmann: „Wir haben eine gewichtige Stimme. Kämpfen wir gemeinsam für Europa und lassen wir uns die Früchte unserer Arbeit nicht durch Populisten kaputt machen.“

Neuer US-Präsident Donald Trump

Die Wahl des Republikaners Donald Trump zum neuen US-Präsidenten war zentrales Thema eines hochkarätig besetzten Expertenpanels. Der stellvertretende Präsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, prognostizierte, dass die USA nach der Trump-Wahl voraussichtlich zwölf bis 18 Monate benötigten, um politisch wieder handlungsfähig zu werden.

Der ehemalige Bundesminister für Bildung und Forschung, Dr. Klaus von Dohnanyi, sagte: „Wir dürfen das Schicksal Europas nicht abhängig machen von ein paar Stimmen in Ohio.“ Feldmann betonte die Notwendigkeit des freien, ungehinderten Waren- und Dienstleistungsverkehrs. Eine nachhaltige Störung der internationalen Lieferketten hätte vor allem für die Exportnation Deutschland massive negative Auswirkungen, so Feldmann.

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Autor: Franz Höllriegel