27.01.2021

Ein Schrott-Lkw gegen einen Euro VI-Lkw

Nachhaltig CO2-Emissionen von Lkw runter, Jobs rauf, spürbarer Impuls für die Wirtschaft: eine ganze Ladung voll mit Zielen verbindet das Verkehrsministerium mit seinem jüngsten Coup. Dabei gibt es einen Zuschuss für jeden neuen Lkw im Gegenzug zu einem verschrotteten.

Euro VI-Lkw

Lkw mit alten Euro-Normen auf den Schrott

Bis zu 15.000 Euro – so viel erhält jeder Lkw-Halter, der einen neuen nach der aktuellen Abgasnorm Euro VI kauft. Voraussetzung: gleichzeitig muss er einen älteren Lkw der Abgasstufen Euro III, IV oder V verschrotten und ein Abbiegeassistenzsystem einbauen. Damit nicht genug: wie das Bundesverkehrsministerium weiter mitteilt, gibt es darüber hinaus bis zu 5.000 Euro für die Anschaffung intelligenter Trailer-Technologie, wie etwa:

  • zur Reifendruckmessung oder
  • zur digitalen Ansteuerung für Auflieger und Anhänger oder
  • aerodynamische Anbauteile.

Als Ziel peilt Minister Andreas Scheuer (CSU) mit der neuen Förderrichtlinie an:

  • nachhaltig die CO2-Emissionen der Nutzfahrzeugflotte senken,
  • Arbeitsplätze dauerhaft erhalten und
  • der Wirtschaft einen spürbaren Impuls verleihen,
  • die Verkehrssicherheit.

Lkw verursachen ihm zufolge etwa ein Viertel der CO2-Emissionen im Straßenverkehr. Darum unterstütze man das Verlagern von Gütern auf klimafreundliche Verkehrsträger wie Wasser oder Schiene.

Beschlüsse der konzertierten Aktion Mobilität (KAM)

Die Förderung basiert auf den Beschlüssen der konzertierten Aktion Mobilität (KAM). Dieser Plattform gehören an Mitglieder der Koalition, Ministerpräsidenten aus ausgewählten Bundesländern sowie Vertreter der Automobilwirtschaft, der Arbeitnehmer und der Nationalen Plattform zur Zukunft der Mobilität (NPM). Sie widmet sich dem langfristigen Strukturwandel in der deutschen Automobilindustrie und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Unternehmen, Regionen und Beschäftigten.

Das Programm besteht aus zwei Komponenten:

  • der jetzt gestarteten zur Förderung neuer und sauberer Lkw
  • eine zweite Förderrichtlinie zur Beschaffung kommunaler Einsatzfahrzeuge vor allem bei Feuerwehren. Diese befindet sich derzeit noch in der Ressortabstimmung, ist aber ebenfalls für das erste Quartal 2021 geplant.

Zustimmung aus der Logistik

Aus der Branche kommt weitgehend Zustimmung zu dem Flottenaustauschprogramm. Der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) begrüßt es als dringend benötigte Finanzierungsunterstützung bei der umweltfreundlichen Erneuerung der konventionellen Nutzfahrzeugflotten.

Viele Mitgliedsunternehmen im Nah- und Regionalverkehr hätten aufgrund der geringen Kilometerleistung ältere Fahrzeuge im Bestand. Diese könnten sie nun sinnvoll austauschen, so BWVL-Präsident Jochen Quick. Aus Sicht des Verbandes bietet das Flottenaustauschprogramm insbesondere für mit Gas betriebene Fahrzeuge wieder die Möglichkeit einer Anschaffungsfinanzierung.

Seit Anfang 2021 hat das bislang einschlägige Förderprogramm des Bundes für Energieeffiziente und/oder CO2-arme schwere Nutzfahrzeuge (EEN) gerade für diese Lkw die Förderung eingestellt. Die neue Förderung liegt sogar bis zu 7.000 Euro höher als bisher. Zwar würden daneben Fahrzeuge mit Elektro- und Wasserstoffantrieben gefördert. Diese stünden aber zurzeit nur bedingt zur Verfügung. Der Gasantrieb sei eine Brückentechnologie, für die eine Anschaffungsfinanzierung dringend erforderlich sei, zumal die Mautbefreiung bis Ende 2022 verlängert wurde.

Kritik an Altfahrzeuge-Vorgabe

Kritisch sieht der BWVL die Vorgabe, dass Altfahrzeuge über die vergangenen zwölf Monate ab Verschrottung in Deutschland zugelassen gewesen sein müssen.

„Hier droht ein Ausschluss gerade der Fahrzeuge, die im vergangenen Jahr im Zuge der Corona-bedingten Marktanpassung kurzfristig abgemeldet wurden. Gerade diese oftmals älteren und mit schlechterer Schadstoffklasse ausgestatteten Fahrzeuge sollten aber zugunsten umweltfreundlicherer Lkw ausgetauscht werden können“, so BWVL-Hauptgeschäftsführer Markus Olligschläger.
Das sehr kurzfristig entwickelte Förderprogramm bedürfe zumindest an dieser Stelle gegebenenfalls einer Korrektur. Anstatt die Dauer der Zulassung sollte nach Ansicht des Verbandes die des Eigentums der Fahrzeuge im Unternehmen einschlägig sein. Dann könnte das Flottenaustauschprogramm nach Meinung des BWVL für die Unternehmen der Transport- und Logistikbranche durchaus einen erfolgreichen Anreiz zur umweltfreundlichen Erneuerung ihrer konventionellen Nutzfahrzeugflotten bieten.

Hersteller zufrieden

Auch die Hersteller zeigen sich mit dem Programm zufrieden. Der Vorstandsvorsitzende von MAN Truck & Bus, Andreas Tostmann, begrüßt die angekündigte Erneuerungsinitiative der Regierung für Lkw. Sie erreiche damit gleich mehrere positive Effekte. Klima und Umwelt profitierten davon. Der Austausch alter Lkw durch aktuelle Modelle reduziere den Ausstoß von CO2, vor allem aber von Partikel- und NOx-Emissionen erheblich.

Ein aktueller Euro-VI-Lkw emittiert laut MAN-Presseabteilung beispielsweise etwa 80 Prozent weniger NOx als Euro-V-Modelle. Außerdem käme den Verkehrsteilnehmern das höhere Sicherheitsniveau moderner Trucks zugute. In den vergangenen Jahren habe man beim Lkw viele neue Assistenzsysteme wie Notbrems- oder Abbiegeassistent eingeführt, die Leben retten könnten.

Schließlich die Wirtschaft: Nutzfahrzeughersteller und Zulieferer hätten aufgrund der Corona-Krise mit einem starken Nachfragerückgang zu kämpfen.

„Jede Art der Marktbelebung kann da hilfreich sein“, so Tostmann.
Mit der neuen Truck Generation verfüge man über ein moderneres Produktportfolio für nahezu alle Anwendungsfälle u.a. mit sparsamerem Verbrauch und CO2-Ausstoß.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)