02.11.2017

EEG-Umlage macht Kautschukindustrie zu schaffen

Gummi kann man nicht endlos dehnen – und die Geldreserven für seine Herstellung schon gar nicht. Den Herstellern setzen vor allem steigende Kosten für die notwendige Energie zu, denn die Kautschukindustrie zahlt die volle EEG-Umlage. Auf einer Tagung forderten die Firmenbosse jetzt Maßnahmen von der Politik.

EEG-Umlage belastet Kautschukbranche

Gute politische Rahmenbedingungen und planbare Kosten

Die mittelständische deutsche Kautschukindustrie ist zwingend auf gute politische Rahmenbedingungen und planbare Kosten angewiesen. Das hat Dr. Torsten Bremer jetzt klargestellt. Er ist Vizepräsident des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (WdK), der seine Herbsttagung in Frankfurt/Main durchführte.

Dr. Bremer wünscht sich ein stärkeres wirtschaftliches Bewusstsein bei den im Bundestag vertretenen Parteien. Kompetentes ökonomisches Denken müsse im öffentlichen Diskurs endlich wieder mehr Raum einnehmen.

Bremer: „Schließlich bildet die Wirtschaft die Grundlage des deutschen Wohlstands.“

Auch für die deutsche Kautschukindustrie gelte das Credo, dass eine nachhaltige, planbare wirtschaftliche Grundlage die Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg sei.

Holschumacher zur EEG-Umlage

Bereits kurz nach der Bundestagswahl hatte der WdK auf ausufernde Energiekosten hingewiesen. Deren Präsident, Dr. Ralf Holschumacher, merkte an, dass die gesamte Branche derzeit darunter leide.

Die Unternehmen der deutschen Kautschukindustrie zahlen die volle Umlage nach dem Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG).

„Damit geraten sie auf den internationalen Märkten unter Druck und erleiden erhebliche Wettbewerbsnachteile“, so Holschumacher.

Seine Forderungen: Die neue Bundesregierung müsse die EEG-Umlage durch eine Haushaltsfinanzierung ersetzen. Notwendig sei auch ein besserer Schutz vor außereuropäischen Billigimporten. Zugleich sprach sich der WdK-Präsident gegen die Überregulierung bei Gummierzeugnissen aus.

Holschumachers Fazit lautet: „Die nächste Bundesregierung muss die Wirtschaft wiederentdecken!“

Im Fokus: Materialwirtschaft

Der WdK vertritt eigenen Angaben zufolge gut 160 Unternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten und einem Gesamtjahresumsatz von mehr als elf Milliarden Euro. Die Herbsttagung stand auch dieses Jahr im Zeichen der Materialwirtschaft.

Eric Heymann (Deutsche Bank Research) skizzierte die globalen konjunkturellen Rahmenbedingungen. Wichtige internationale Faktoren seien aktuell die bessere US-Konjunktur und die konstante Dynamik in China. Auf nationaler Ebene stelle die Energiepolitik einen wichtigen Einflussfaktor dar. Angesichts bestehender Unsicherheiten investierten deutsche Unternehmen gerade in energieintensiven Branchen weniger in Deutschland.

Heymann: „Dieser Umstand sollte den deutschen Politikern zu denken geben!“

Volatilität des Kautschukmarkts

Die Volatilität des internationalen Kautschukmarkts stand im Fokus des Vortrags der Unternehmensberaterin Rhian O’Connor von der Energieberatung ICIS Consulting. Sie betonte die herausragende Rolle von China als Abnehmer von Butadien-Kautschuk (BR) und Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR).

Die europäische Industrie habe mit Produktionsanpassungen flexibel auf die globale Nachfragesituation reagiert. Bei Naturkautschuk müsse man die Entwicklungen in China genau beobachten. Dortige Reifenregulierungen könnten Auswirkungen auf die gesamte Nachfrage haben.

Chloropren-Kautschuk wird knapper

WdK-Chefvolkswirt Michael Berthel zufolge zeigen bei der derzeitigen Marktentwicklung von Kautschukrohstoffen die einzelnen Feedstocks meist eine leichte Aufwärts- oder Seitwärtsbewegung. Bei einzelnen Rohstoffen wie etwa Chloropren-Kautschuk gebe es hingegen eine tatsächliche Knappheit. Hier sei nicht mit einer Rückführung des Preisniveaus zu rechnen.

Versorgungssicherheit bei Rohstoffen

In der anschließenden Podiumsdiskussion über Zulieferstrukturen betonten Unternehmensvertreter als einen wichtigen Faktor die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen.

Diese müsse auch in Zukunft gewährleistet sein. Einig stellte man die entscheidenden Wettbewerbsvorteile der deutschen Kautschukindustrie fest:

  • hohe Produktqualität
  • Spezialisierung auf besondere Erzeugnisse
  • hohe Verlässlichkeit
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)