21.06.2018

E-Mobility von Trucks nimmt in USA Fahrt auf

In Deutschland muss sich Daimler-Chef Zetsche noch für Diesel-Abgastechnik rechtfertigen – da meldet die Truck-Division des Konzerns erfolgreiche Aktivitäten für E-Mobilität im Lkw-Bereich. In USA stellte der Truckbauer zwei vollelektrische Lkw der Marke „Freightliner“ vor.

Aktivitäten für E-Mobilität im Lkw-Bereich

30 Elektro-Lkw für erste Kunden in USA

Der „Freightliner eCascadia“ ist ein schwerer Elektro-Lkw für den Fernverkehr (>15 t zulässiges Gesamtgewicht, zGG). Truckbauer Daimler Trucks North America (DTNA) präsentierte das Schwergewicht jetzt in Portland (Oregon). Ihm zur Seite steht der „Freightliner eM2 106“ als vollelektrische Variante für das mittelschwere Segment (9 bis 12 t zGG).

Im Laufe des Jahres will man eine Innovationsflotte von rund 30 Elektro-Lkw an erste Kunden in USA übergeben. Wie schon beim vollelektrischen Leicht-Lkw „Fuso eCanter“ und dem mittelschweren „Mercedes-Benz eActros“ verfolgt Daimler Trucks laut einer Pressemitteilung das Ziel, gemeinsam mit Kunden weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich Elektro-Lkw im Transportalltag möglichst effizient einsetzen lassen.

e-Freightliner für Nafta-Raum

Der „Freightliner eCascadia“ basiert auf dem Cascadia, einem Lkw für schwere Langstrecken-Transporte (Class 8) im nordamerikanischen Markt. 730 PS surren nahezu geräuschlos unter der für US-Trucks charakteristischen langen Haube. Die Batterien liefern laut Angaben mit 550 kWh Energie für eine Reichweite bis zu 400 km. Sie sollen sich innerhalb von 90 Minuten auf rund 80 Prozent aufladen lassen für weitere 320 km.

Der „Freightliner eM2 106“ kommt im lokalen Verteilerverkehr sowie im Zustellverkehr auf der letzten Meile zum Einsatz. Seine Batterien stellen 325 KWh für bis zu 480 PS bereit. Die Reichweite des eM2 beträgt rund 370 km. Die Batterien des Fahrzeugs lassen sich innerhalb von 60 Minuten auf rund 80 Prozent aufladen, ausreichend für eine Reichweite von rund 300 km.

Zielmärkte sind hauptsächlich die Länder des Nafta-Raumes, neben USA Kanada und Mexico. DTNA will mit dieser Innovationsflotte im täglichen Transportgeschäft gemeinsam mit Spediteuren weitere Einsatzmöglichkeiten ausloten, um bei der Weiterentwicklung von Elektro-Antrieben noch stärker auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können.

Daimler lässt E-Trucks in Portland bauen
Daimler Trucks präsentiert zwei Elektro-Lkw für die USA

E-Mobility: Weg in emissionsfreie Zukunft

Daimler Trucks & Buses sieht in der E-Mobility bei Nutzfahrzeugen einen entscheidenden Schritt auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft. Dabei gelte das Ziel: E-Mobility muss wirtschaftlich sein – sowohl für die Kunden als auch für den Hersteller. Daimlers E-Mobility Group (EMG) definiert marken- und spartenübergreifend die Strategie für Elektro-Komponenten sowie komplette e-Fahrzeuge.

Analog zur globalen Plattformstrategie konventioneller Aggregate und Antriebskomponenten arbeite man an einer weltweit einheitlichen Architektur. EMG ist global aufgestellt, die Mitarbeiter arbeiten funktionsübergreifend an diversen Standorten im weltweiten Netzwerk des Unternehmens, neben Portland in Stuttgart und Kawasaki, Japan. Gesa Reimelt, derzeit Leiterin Produktprojekte Powertrain & eDrive bei Mercedes-Benz Pkw, übernimmt zum 1. Juli die Leitung dieser neuen weltweit operierenden Organisation bei Daimler Trucks & Buses.

Wirksamkeit der Investitionen in strategische Schlüsseltechnologie

Martin Daum, im Daimler-Vorstand verantwortlich für Lkw und Busse, verfolgt mit der Gründung der neuen globalen E-Mobility Group das Ziel, die Wirksamkeit der Investitionen in diese strategische Schlüsseltechnologie zu verbessern. Daum: „Damit können wir unseren Kunden künftig die besten Lösungen anbieten, egal ob bei Batterien, Ladesystemen oder beim Energie-Management.“ Man rechne mit einer steigenden Nachfrage nach Elektro-Lkw und Bussen. Dies bestätigten Kunden.

Dr. Frank Reintjes, im Bereichsvorstand von Daimler Trucks & Buses verantwortlich für Global Powertrain und Manufacturing Engineering: „Nur wer sowohl bei konventionellen Antrieben als auch bei elektrischen Antrieben führend ist, kann wirtschaftlich und technologisch überzeugende Lösungen bieten.“ Bei konventionellen Antrieben profitiere man seit jeher von einer weltweiten Plattformstrategie. Diesen Ansatz übernehme man nun auch für den Bereich der E-Mobility.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)