16.07.2018

E-Highway Hessen: erste deutsche Teststrecke für Lkw mit Oberleitung

Lkw mit Oberleitung? Bislang klang das eher nach Orwell auf deutschen Autobahnen. Doch langsam aber sicher nimmt diese Utopie Gestalt an. Für den E-Highway Hessen gehen die Bauarbeiten an der Autobahn Darmstadt-Frankfurt in beiden Richtungen zügig voran.

2019 soll es eine sechsmonatige Einführungsphase für ein E-Highway-System auf einem Teilabschnitt der A5 in Hessen geben.

E-Highway Hessen nimmt Gestalt an

Rund 230 Masten an der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt (A5) stehen bereits. Sie sind Teil der ersten deutschen Teststrecke für elektrisch betriebene Lastwagen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur über den E-Highway Hessen. Die Ausleger für die Fahrdrähte an jedem Mast sind in der Mitte der Autobahn wie auch in Richtung Norden schon montiert.

In Fahrtrichtung Süden sollen die Installationen Mitte Juli weiter gehen, sagte Projekt-Koordinator Achim Reusswig von der Verkehrsbehörde Hessen. Man sei „komplett im Zeitplan“. Die Bauarbeiten zur Errichtung der Oberleitungsinfrastruktur vor Ort haben im März 2018 begonnen. Für den Aufbau der Anlage wurde im Straßenseitenraum eine Baustellenverkehrsführung eingerichtet, so dass für den Verkehr alle vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen.

Fünf Kilometer lange Teststrecke

Ende November soll der E-Highway Hessen auf einer fünf Kilometer langen Teststrecke in beide Richtungen betriebsbereit sein. Diese Strecke ist Teil des etwa 20 km langen Abschnitts vom Frankfurter Kreuz zum Darmstädter Kreuz zwischen den Anschlussstellen Langen/Mörfelden und Weiterstadt.

Dieses Stück Autobahn ist bereits in der Vergangenheit für zunächst testweise, später bundesweit durchgeführte Ausbaumaßnahmen genutzt worden. So zum Beispiel von 1972 bis 1978 für den Ausbau von ursprünglich vier auf acht Fahrspuren.

Der jetzige Feldversuch für ein künftiges E-Highway-System soll 2019 zunächst mit einer etwa sechsmonatigen Einführungsphase beginnen. Auf dem E-Higway Hessen sollen E-Lastwagen während der Fahrt auf der rechten Spur ihre Batterien aufladen können.

Aktionsprogramm Klimaschutz 2020

Dieser Test hängt zusammen mit der Verabschiedung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020. Darin hat die Bundesregierung u.a. diesen Feldversuch beschlossen, mit dem elektrische Antriebe bei schweren Nutzfahrzeugen erprobt werden sollen.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördert damit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Diese sollen zu einem im öffentlichen Verkehrsraum einsetzbaren Gesamtsystem führen, in welchem der oberleitungsgebundene elektrische Betrieb von schweren Nutzfahrzeugen für den Güterverkehr möglich ist.

Elisa – eine Vision wird Wirklichkeit

Für das Projekt ist ein Baukonsortium verantwortlich, das von „Hessen Mobil“ unter Mitwirkung der Technischen Universität Darmstadt geleitet wird. Das Projekt „Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen“ (Elisa) arbeitet laut „Hessen Mobil“ auf die Verwirklichung dieser Vision hin: klimaneutrales Fahren im Zusammenhang mit logistischen Wertschöpfungsketten bei gleichbleibender Transportkapazität. Ziel ist ein elektrisches Pilot-Verkehrssystem mit Oberleitungsinfrastruktur.

Die Teststrecke E-Highway Hessen verbindet in der Metropolregion Rhein-Main die Oberzentren Frankfurt am Main und Darmstadt. Sie ist Bestandteil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung im europäischen Fernverkehrsnetz. Für den Güterverkehr besitzt die Strecke große Bedeutung, weil sie die Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und das Gewerbegebiet Darmstadt-Nord/Weiterstadt an den Verkehr anbindet. Der ausgewählten Versuchsstrecke wird daher ein hohes Potential für eine mögliche Umsetzung und gleichzeitig eine hohe öffentliche Wahrnehmung zugetraut.

E-Highyway Hessen: Nachweis verkehrsrechtlicher Machbarkeit

Elisa soll den Nachweis erbringen,  dass die Elektrifizierung von Autobahnstrecken mit Hilfe von straßenseitigen Oberleitungen straßen- und verkehrsrechtlich machbar ist. Die Erfahrungen aus dem Planungs- und Genehmigungsverfahren werden in einem Handlungsleitfaden dokumentiert. Darüber hinaus will man die Anforderungen verkehrstechnischer, straßenbaulicher und -betrieblicher Art im realen Verkehrssystem ausloten.

Insgesamt soll ein praxistaugliches Gesamtkonzept entstehen. Der Bund fördert Planung und Bau der Infrastruktur in Hessen mit 14,6 Millionen Euro. In einem beabsichtigen Anschlussprojekt sollen Speditionen die Teststrecke im Alltagsbetrieb nutzen können. Mehrere Logistikunternehmen sollen ihre Beteiligung bereits zugesagt haben, heißt es.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)