09.08.2018

e-City-Logistik: Städte testen saubere Alternative zum Diesel

Hamburg, Stuttgart – die Reihe der dieselfeindlichen Städte dürfte sich schon bald verlängern. Anlass für Hersteller wie Logistik-Dienstleister, sich bereits auf die neue Entwicklung umzustellen. Die neuen Konzepte eröffnen dabei ganz neue Möglichkeiten des Timings für die Zustellung.

e-City-Logistik ist das Transportmittel für eine grüne Zukunft in den feinstaubbelasteten Städten.

Stuttgart schließt ab 2019 Dieselfahrzeuge aus

Als erster Kommune in Deutschland gilt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ab Januar 2019 ein generelles Fahrverbot für Diesel bis inklusive Euro 4-Norm. Davon sind im Großraum Stuttgart etwa 188.000 Fahrzeuge betroffen, ein Drittel aller zugelassenen Selbstzünder. Vom Fahrverbot ausgenommen bleiben laut „transport-online“ vorerst Diesel-Wagen der Euro-5-Norm. Für diese sollen ab 2020 Verbote gelten, falls alle zuvor ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten, um die Luftqualität auf das Grenzwert-Niveau der EU zu bringen. Dazu zählen etwa der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, elektrisch angetriebene Busse sowie Lkw und Flottenautos, die gefördert werden sollen. Auch Filterwände sowie ein spezieller Asphalt und Farbanstrich an städtischen Immobilien sollen helfen. Insgesamt stehe eine Summe von 400 Millionen Euro zur Verfügung.

Nach Hamburg ist Stuttgart die zweite Stadt, die Diesel aussperrt. Allerdings gilt das Verbot erstmals für ein komplettes Stadtgebiet, nicht wie in Hamburg nur für einzelne Straßen.

„Leider war es nicht möglich, Fahrbeschränkungen zu verhindern“, zitiert die Fachplattform Ministerpräsident Winfried Kretschmann von einer Pressekonferenz.

DB Schenker testet Projekt zu Berliner e-City-Logistik

Unterdessen reagieren immer mehr Unternehmen für Transport und Hersteller auf die neue Entwicklung. Der Logistikdienstleister DB Schenker hat mit Kooperationspartnern in Berlin ein e-City-Logistik-Projekt vorgestellt. Laut „Logistik Heute“ soll es die Integration von Elektro-Lkw in die Fahrzeugflotten von Transportunternehmen untersuchen. Zwar seien Gabelstapler oder Flurförderfahrzeuge in den heutigen Logistikzentren meist mit einem elektrischen Antrieb unterwegs. Im Fernverkehr und in der Stückgut-Logistik würden dagegen bislang kaum elektrische Fahrzeuge eingesetzt.

Das Projekt mit dem Namen „iHub“ soll nach dem Willen der Initiatoren zeigen, wie ein IT-gestütztes System Lkw-Flotten effizient steuern kann, die aus dieselbetriebenen und elektrischen Fahrzeugen bestehen. DB Schenker kooperiert dabei mit Framo, einem Hersteller von Elektro-Lkws in Sachsen, sowie mit dem Softwarehaus PTV aus Karlsruhe, dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden und dem Institut für postfossile Logistik in Münster. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

MAN kommt im September mit e-Nutzfahrzeugen

Lkw-Bauer MAN will neueste Modelle für die e-City-Logistik auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (20. bis 27. September) in Hannover präsentieren. Dort wolle man den vollelektrischen Verteiler „eTGM“ sowie die batterieelektrische Variante des neuen Transporters „eTGE“ zeigen, berichtet „kfz-betrieb“. Damit böte die Münchner Lkw-Tochter des Volkswagen-Konzerns vollelektrische Lösungen für den gesamten Bereich der City-Logistik zwischen drei und 26 Tonnen an. Ebenfalls zu sehen sein soll ein elektrischer Stadtbus in Gestalt eines Prototypen des „Lion’s City E“. Um diese lokal emissionsfreien E-Busse rasch in die Städte zu bekommen, hat der Hersteller Entwicklungspartnerschaften mit den Städten München, Hamburg, Wolfsburg, Luxemburg und Paris geschlossen. Die dortigen Alltagserfahrungen sollen unmittelbar in die Serienentwicklung einfließen. Im nächsten Schritt will man eine Demoflotte Elektrobusse in verschiedenen europäischen Städten testen, bevor schließlich die Serienfertigung der batterieelektrischen Version des Lion’s City beginnt.

UPS ab 2019 mit Thor-E-Truck

In USA testet derweil Postzusteller UPS ebenfalls neue Konzepte der e-City-Logistik. Wie „transport-online“ weiter berichtet, hatte der in Los Angeles beheimatete Hersteller von Akku-Packs Thor zuerst einen E-Truck der schweren Klasse 8 namens „ET One“ vorgestellt. Dem stellte er jetzt einen Großraumkastenwagen zur Seite mit gewichtsoptimiertem Akkupaket und rund 160 Kilometer Reichweite. Thor will ab 2019 in Produktion gehen. Der Preis soll zwischen 150.000 und 250.000 Dollar liegen, je nach gewünschter Reichweite von 160 Kilometern oder 480 Kilometern.

Der höhere Wert entspricht auch Teslas Preisvorstellung für den kleineren Semi-Truck ab 150.000 Dollar. Neben Thor testet UPS auch mit Arrival, Daimler, Tesla und Workhorse. Der US-Logistiker nennt diese Strategie „rollendes Labor“. Der Test soll sechs Monate dauern und sich auf alle relevanten Punkte wie Haltbarkeit, Reichweite, technische Integration beziehen. UPS hat u.a. 125 Tesla-Trucks bestellt.

E-Lkw können in der Stadt auch nachts zustellen

Aus Sicht von DB Schenker stellt die Elektromobilität für die Stückgutlogistik eine besondere Herausforderung dar. Für die Branche ist es wichtig, schnell, pünktlich und zuverlässig zu sein. Elektrofahrzeuge haben durch die Notwendigkeit, nachladen zu müssen, einen scheinbaren Nachteil gegenüber dieselbetriebenen Lkw. Allerdings steht dem der Vorteil eines im Vergleich zu einem Dieselmotor halbierten Energieverbrauchs gegenüber. Zudem fahren elektrisch betriebene Lkw leiser und können deshalb in der Stadt eher des Nachts zum Einsatz kommen. Eine Integration von Elektro-Lkw in die Fahrzeugflotten von Logistikdienstleistern erfordere daher eine intelligente Steuerung, die das alles unter einen Hut bringt.

Mittels einer dynamischen Tourenplanung sollen Transportaufträge nur dann einem Elektro-Lkw zuteilt werden, wenn dieser den Auftrag mit der gleichen Zuverlässigkeit erledigen kann wie ein Diesel-Lkw. Die Schenker-Niederlassung in Berlin bot sich für den Testbetrieb an, weil sie nahe an der Innenstadt liegt – innerhalb der Reichweite von e-mobilen Lastwagen. Dort sollen künftig drei Elektro-Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 18 Tonnen fahren. Die Software berechnet genau, welche Routen sie nutzen, um unterwegs nicht zeitaufwändig aufladen zu müssen. Für einen effizienten Einsatz der Batterie werden deren Betriebsdaten online erfasst und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)