04.04.2022

Duisport testet Wasser-Taxi

Seit Beginn des Jahres testet die Hafen-Tochtergesellschaft duisport agency (dpa) ein „Wassertaxi“ für Containerumfuhren zwischen den Terminals. Ein ähnliches Modell existiert bereits beim Hafenbetreiber RheinCargo. Die Rhenus Gruppe verstärkt ihr Engagement im SPC.

Wasser-Taxi

Ein Wasser-Taxi statt 200 LKW-Umfahrten

Gestartet haben das „Wasser-Taxi“ gemeinsam die Unternehmen:

  • HTS Inermodal HRM
  • Terminalbetreiber Hutchison Ports,
  • Terminalbetreiber Duisburg Intermodal Terminal (DIT),
  • Terminalbetreiber Duisburg Trimodal Terminal (D3T)
  • Terminalbetreiber Rhein-Ruhr Terminal (RRT).

Das berichtet „Binnenschifffahrt.de“ unter Berufung auf Mitteilung des Duisburger Hafens duisport. In einer ersten Testphase werden demnach seit Jahresbeginn bestehende Linienschifffahrten genutzt, um Warentransporte zwischen den Terminals im Duisburger Hafen von der Straße auf den Rhein zu verlagern. Damit wollen die Betreiber allgemeine Leerfahrten verringern und bestehende Routen wirkungsvoller nutzen.

„Seit Januar konnten wir bereits eine Menge von rund 400 TEU (Zwanzig-Fuß-Äquivalent-Container) auf das Schiff verlagern“, erklärt dpa-Geschäftsführer Kevin Gründer.
Das entspreche rund 200 dadurch vermiedenen Lkw-Fahrten. Sollte sich diese operative Testphase bewähren, könnten Volumen und Taktung eine Erhöhung erfahren. In einem zweiten Schritt könnten dann Binnenschiffe für die täglichen Umläufe eingechartert werden, schreibt „Binnenschifffahrt.de“.

Container-Taxi im Hamburger Hafen

Die Sparte „Container Taxi“ der Hamburger Eckelmann Gruppe entwickelt sich bereits seit einigen Jahren den Hoffnungen entsprechend, wie „hafen-hamburg.de“ berichtet. Im Geschäftsjahr 2018 hat sich das Transportvolumen von Containern auf dem Wasser im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.

Die von der Carl Robert Eckelmann Transport & Logistik vorgehaltene Flotte der Container Taxis fahren nun seit einigen Monaten auch rund um die Uhr innerhalb des Hamburger Hafens und sind fast vollständig ausgelastet. Die Akzeptanz bei den Auftraggebern – Reeder, Terminals und andere Logistikpartner – wachse aus zwei wesentlichen Gründen:

  • Umweltbewusstsein in Bezug auf CO2-Emissionen in der Logistik
  • große Verkehrsbehinderungen auf den Straßen in der Metropolregion fördern den Transport mit Container-Taxis auf den Wasserwegen des Hafens.

„Auch die Köhlbrandbrücke, auf der vor kurzer Zeit für Lkws ein Mindestabstand von 50 Metern eingeführt werden musste, um die Restlebensdauer zu verlängern, wird zu weiterem Wachstum bei uns führen,“ ist Eckelmann-Chef Michael Beyer überzeugt. Insgesamt überqueren den Angaben zufolge jährlich rund vier Millionen Lkws die Köhlbrandbrücke. Wenn der Anteil der Containertransporte, die innerhalb des Hafens im Kurzstreckenverkehr unterwegs sind, auf das Wasser verlagert wird, könnte die gegenwärtige Hauptlast der Brücke nach Berechnungen von Carl Robert Eckelmann Transport & Logistik um etwa 25 Prozent reduziert werden. Im Ergebnis hätte die Köhlbrandbrücke eine verlängerte Lebensdauer und der Verkehrsfluss würde deutlich verbessert.

Ähnliches Modell bei RheinCargo

Ein ähnliches Modell existiert bereits beim Hafenbetreiber RheinCargo. In den Neuss-Düsseldorfer Häfen werden über ein „Massenguttaxi“ Hafenumfuhren von losem Gut angeboten, um bis zu 5.000 Lkw-Fahrten im Jahr einzusparen. Das im Doppelhafen Neuss-Düsseldorf stationierte Schiff „Poseidon“ (1.000 m³) transportiert Waren innerhalb der Häfen, die bislang ausschließlich der Lkw verteilte. „Damit werden Güter künftig direkt über den Wasserweg statt über die Straße geliefert“, sagt Lukas Klippel, RheinCargo-Vertriebsleiter. Dadurch würden

  • Schadstoff-Emissionen vermieden
  • Transportzeiten verkürzt.

Partner bei dem neuen Service ist die EWT Schiffahrtsgesellschaft aus Duisburg, bereits seit 1951 in der Binnenschifffahrt aktiv. Die „Poseidon“ soll vornehmlich trockene Massengüter wie Baustoffe und Agrarprodukte transportieren. Zudem kämen Projektladung oder Schwergut für das „Taxi“ in Frage. Die passende Schiffsgröße gewährleiste eine hohe Umlauffrequenz. Bis zu 5.000 Lkw-Ladungen pro Jahr kämen so von der Straße aufs Wasser, heißt es.

Der Service steht von montags bis sonnabends jeweils zwischen 6.00 und 20.00 Uhr zur Verfügung. Leistungen an Sonntagen könne man jeweils einzeln anfragen. Bei höherer Nachfrage sei beabsichtigt, den Service noch auszuweiten:

  • durch weitere Schiffe oder
  • ein größeres Schiff.

Duisport Mitglied im SPC

Seit März ist die Duisburger Hafen AG jüngstes Mitglied des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center Deutschland (SPC Deutschland). Sie ist Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens und agiert mit ihren Tochtergesellschaften als Duisport-Gruppe. Der weltweit größte Binnenhafen ist ebenfalls unter der Dachmarke Duisport im SPC vertreten.

Pro Jahr fertigt der Duisburger Hafen ab bzw. schlägt um:

  • über 20.000 Schiffe
  • 000 Züge
  • mehrere Millionen Container.

Das Portfolio der Duisport-Gruppe reicht:

  • vom individuellen Ansiedlungsmanagement über
  • Entwicklung von integrierten Hafen- und Logistikkonzepten,
  • intermodalen Transportdienstleistungen sowie
  • spezialisierten Industriegüterverpackungen,
  • bis hin zu Beratungsleistungen für internationale Kunden.

Darüber hinaus engagiert sich Duisport, beispielsweise durch die Förderung innovativer Startups, für die Zukunft der Logistikbranche. „Binnenhäfen haben als multimodale Schnittstelle eine zentrale Rolle, wenn es um die Verlagerung von Güterströmen auf Wasser- und Schienenwege geht. Mit der Duisport-Gruppe begrüßen wir einen sehr starken Partner in unserem Netzwerk. Dafür sind wir sehr dankbar und wollen gemeinsam diese zentrale Rolle und die damit verbundene, sehr hohe Bedeutung des Binnenhafensystems weiter hervorheben und stärken“, so Wolfgang Nowak, Vorstandsvorsitzender im SPC.

Netzwerke der Logistik

Starke Netzwerke seien wichtiger denn je. Die Logistik ist eine der wachstumsstärksten und dynamischsten Branchen weltweit, was viele Herausforderungen mit sich bringt. Globale Marktveränderungen, die anhaltende Corona-Pandemie, der Klimawandel sowie der akute Fachkräftemangel sind nur einige Faktoren, die sich auf die nationalen sowie internationalen Warenketten auswirken. Das betrifft auch den Duisburger Hafen. Das SPC Deutschland ist eine Beratungseinrichtung mit Sitz im Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) in Bonn. Betrieben wird es durch den Verein zur Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs e.V. mit Sitz in Hamburg. Ziel des SPC ist:

  • proaktiv für eine Umverteilung der Güter auf Wasser- und Schienenwege zu werben.

Dies ist auch für Duisport einschlägig. „Vor allem angesichts der Verantwortung des Verkehrssektors, wichtige Beiträge in Sachen Klimaschutz zu leisten“, so Duisport-CEO Markus Bangen.

Rangierdienste von RheinCargo

Neben der Bestandsmitgliedschaft der Rhenus Maritime Services (RMS) wird die Rhenus Transport GmbH & Co. KG zum 01. April 2022 ebenfalls dem SPC beitreten und die Mitgliedschaft der zur Rhenus Gruppe gehörenden Deutschen Binnenreederei (DBR) übernehmen. Seit Januar führt RheinCargo Rangierdienste und Infrastrukturbetrieb für den Stahlkonzern ArcelorMittal durch. Jetzt gründet das Unternehmen mit „Werks- und Industriebahnen“ einen neuen Unternehmensbereich. Den Auftrag in Bottrop setzt das Unternehmen mit der Wanne-Herner Eisenbahn um. Man habe in den letzten Monaten mehrere Anfragen für weitere Projekte erhalten, erläutert in „Binnenschifffahrt.de“ Wolfgang Birlin, RheinCargo-Geschäftsführer für den Bereich Schienengüterverkehr. Das habe das Unternehmen dazu bewogen, den neuen Geschäftsbereich zu etablieren. Mit der Gründung werde das bereits erfolgreiche Portfolio der RheinCargo aus Nah- und Fernverkehren um eine vielversprechende Sparte ergänzt. Große Unternehmen aus Industrie und Logistik betrieben oft umfangreiche Eisenbahnnetze. Diese sind auf den Bedarf der Werke zugeschnitten. Die RheinCargo übernimmt hier zum einen die klassischen Aufgaben einer Eisenbahn, sprich:

  • Transport,
  • Rangieren,
  • Be- und Entladung sowie
  • Stellwerksbedienung.

Hinzu kämen Infrastrukturaufgaben, wie beispielsweise Bau und Instandhaltung von Gleisanlagen, Bauwerken oder der Leit- und Sicherungstechnik, kommt Jacobs weiter zu Wort, der überdies für die Werkbahn Bottrop die Aufgaben des Eisenbahnbetriebsleiters übernommen hat.

„Wir sind in der Lage, alle relevanten Dienstleistungen nicht nur im Bereich Eisenbahnbetrieb, sondern auch im Bereich Eisenbahninfrastruktur abzudecken“, so Jacobs.

Eisenbahn als zentrales Element

In der Prozesskette industrieller Produktionen stellten diese Bereiche sehr sensible Schnittstellen dar, so RheinCargo. Eine durchgängige Verfügbarkeit einer Werksbahn sei in diesem Zusammenhang unabdingbar. Umso interessanter sei es für Unternehmen, die Expertise der RheinCargo als Dienstleister für diese Aufgaben zu nutzen.

Das zeige sich in Bottrop. Auf den etwa 30 km langen Gleisanlagen des Werksgeländes von ArcelorMittal wird die gesamte Logistik der Ver- und Entsorgung der Kokerei mit Kohle und Koks über die Schiene abgewickelt. Hinzu komme der Betrieb der Bahn im Hafen Bottrop. Dort wird ein Teil der Kohle über Binnenschiffe angeliefert und dann in Eisenbahnwagen umgeladen. Aufgrund der Aufstellung des neuen Bereiches verändert das Eisenbahnverkehrsunternehmen der RheinCargo seine Organisationsstruktur. Die bisherigen Betriebsbereiche Nord (Neuss / Düsseldorf) und Süd (Köln) werden zusammengeführt.

„Wir möchten uns neben dem Shortsea-Verkehr mit multimodalen Transporten stärker im SPC einbringen. Denn diese sind auch Teil unserer Unternehmensstrategie zur Verbesserung der Umweltbilanz. Daher haben wir vorgeschlagen, dass dieser multimodale Ansatz durch die Mitgliedschaft der Rhenus Transport repräsentiert wird“, sagt Thomas Maaßen, Geschäftsführer von Rhenus Transport.
Unter dem Dach der Rhenus Gruppe ist die Rhenus Transport in den Segmenten Schiffs-, Schienen-, Straßen- und Intermodaler Transport, Massen und massenhafte Stückgüter, Landbridge sowie See- und Luftfracht tätig. Die Rhenus Gruppe sieht sich als eine der führenden weltweit operierenden Logistikdienstleister mit einem Jahresumsatz von 5,4 Milliarden Euro. 33.500 Beschäftigte von Rhenus sind an 820 Standorten vertreten. Entlang der gesamten Supply Chain bietet die Rhenus Gruppe Lösungen für die unterschiedlichsten Branchen, darunter multimodale Transporte, Lagerung, Verzollung sowie innovative Mehrwertdienste. „Das Bekenntnis und ein breit aufgestelltes Engagement der Rhenus im SPC wird im Verbund mit unseren anderen Mitgliedern unsere Relevanz bei der Bewerbung multimodaler Transportketten mit einem möglichst hohen Anteil an Wasser- und Schienenwegen weiter stärken“, so SPC-Chef Wolfgang Nowak.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)