03.08.2018

Disruptive Innovation: die Schlüsselrolle des Einkaufs bei der Digitalisierung

E-Mobilität, Industrial Internet of Things (IIoT), 5G, Digitalisierung – nahezu keine Industrie bleibt von der disruptiven Innovation unberührt. Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem Einkauf zu. Altes muss über Bord, Neues integriert werden. Eine Roland-Berger-Studie verrät, wie sich der Einkauf hier strategisch aufstellen kann.

Wie eine neue Roland-Berger-Studie zeigt, wie sich der Einkauf für Digitalisierung und disruptive Innovation fit machen kann.

Disruption: tiefgreifende Veränderung

Der Ausdruck disruptive Innovation oder auch disruptive Technologie steht für eine tiefgreifende Veränderung, die eine alte Erfolgsserie vollkommen ablöst. Ein Beispiel: Digitale Kameras vermochten es, den Einsatz analoger Kameras fast vollständig zu verdrängen.

Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es viele solcher disruptiver Innovationen. In diesem flüchtigen Umfeld nimmt der Einkauf eine Schlüsselrolle ein – und das industrieübergreifend. Dafür muss er sich von bisherigen Strukturen lösen und neu ausrichten. Für diese Transformation des Einkaufs sind einige wichtige Schritte notwendig, wie die neue Roland-Berger-Studie „Procurement-Endgame – Die Zukunft des Einkaufs im Zeitalter von Digitalisierung und Disruption“ zeigt.

Einkaufsabteilungen aller Branchen gefordert

Egal ob Maschinenbau, Banken und Versicherungen oder die chemisch-pharmazeutische Industrie: Die Einkaufsabteilungen aller Branchen sehen sich der Studie zufolge neuen Rahmenbedingungen gegenüber. So muss sich der Einkauf in der Automobilindustrie heute mit Batteriekauf, strategischen Partnerschaften für ein vernetztes Auto und der Beschaffung neuer Softwarearten beschäftigen. Diese Veränderungen sind oft durch digitale Technologien getrieben. Diese wirken sich in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus.

Antworten auf disruptive Innovation

„Wer auf disruptive Kräfte in der eigenen Industrie keine Antworten in Bezug auf Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle parat hat bzw. nicht schnell darauf reagieren kann, riskiert seine Marktposition“, warnt Oliver Knapp, Senior Partner von Roland Berger.

Der Einkauf nimmt ihm zufolge dabei eine zentrale Position ein, um diesen Wandel, der weit über eine reine Digitalisierung des Einkaufs hinausgehe, erfolgreich zu meistern. Der Einkauf müsse sich neu positionieren und seine Rolle als Wertschöpfungspartner im Unternehmen neu definieren. „Eine einmalige Chance“, so Knapp.

Gefährliche Zurückhaltung

Damit ein Unternehmen weiterhin konkurrenzfähig bleibt, muss die Einkaufsstrategie vor allem auf diese zwei Herausforderungen reagieren:

  • neue Anforderungen an den Einkauf aus disruptiven Trends
  • die eigene Digitalisierung

So werden mit zunehmender digitaler Innovation im Einkauf neben operativen mittlerweile auch komplexere Aufgaben automatisiert erledigt. Spezialisierte Computer-Bots und Künstliche Intelligenz können heute Themen bearbeiten, die weit über die einfache Automatisierung hinausgehen, so Sven Marlinghaus, Senior Partner von Roland Berger.

Laufen Prozesse wie die Steuerung von Lieferanten oder das Systemmanagement automatisiert ab, so glichen sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen aus. Neue Aspekte im Einkauf gewönnen an Bedeutung, etwa die Zusammenarbeit mit neuen strategischen Partnern, Innovations-Scouting oder der Umgang mit zunehmenden Risiken und Margendruck.

Insgesamt seien die Veränderungen bereits weit vorangeschritten. Das verkleinere das Zeitfenster für eine erfolgreiche Transformation immer mehr. Dennoch hielten sich viele Unternehmen bei der Umgestaltung des Einkaufs zurück.

„Das liegt an einer gewissen Unsicherheit, wie Firmen die notwendige Neuausrichtung angehen sollen“, sagt Marlinghaus.

Auf dem Weg zum modernen Einkauf

Dabei hält Marlinghaus die notwendige Transformation in einem mehrstufigen Prozess für möglich. Als erstes müsse man die Rahmenbedingungen betrachten:

  • branchenspezifische Trends
  • die Unternehmensstrategie sowie
  • die individuellen Erfolgsfaktoren des Unternehmens

Zu diesem Schritt gehört nach Marlinghaus eine Analyse, was die Einkaufsfunktion im Unternehmen zukünftig leisten muss und wie viel Zeit für die Transformation bleibt. Wer nur die Digitalisierung angeht und neue Trends im Markt außer Acht lässt, werde scheitern.

„Eine ganzheitliche Betrachtung aller Einflussgrößen ist entscheidend für eine erfolgreiche Transformation“, so Oliver Knapp.

Darauf bauen verschiedene Szenarien auf:

  • Wie sollen Organisation und Rolle des Einkaufs sowie das Zuliefernetzwerk aussehen?
  • Welche Kapazitäten werden durch die digitale Standardisierung frei?

Die einzelnen Faktoren müssen Unternehmen individuell gewichten und im Hinblick auf ihre Möglichkeiten bewerten.

In weiteren Schritten gehe es darum, Szenarien und strategische Maßnahmen zu realisieren. Mit einer solchen Roadmap lasse sich die Transformation Schritt für Schritt steuern und erfolgreich umsetzen.

„Passt sich die Performance der Einkaufsabteilungen nicht schnell an die disruptiven Trends an, verliert das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit“, schätzt Marlinghaus abschließend ein.

Hier geht es zur Website von Roland Berger – Procurement Endgame1: disrupted world.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)