23.08.2018

Digitalisierung im Einkauf: Werkzeughersteller Gedore stellt um

Stahl ist hart – und seine Industrie beständig. Dasselbe gilt auch für seine Beschaffungspraxis. Ein Großteil der Stahlindustrie stützt nach wie vor seine Beschaffung auf Papier. Erst langsam kündigt sich ein Wandel an. Ein Vorreiter der Digitalisierung im Einkauf könnte der Werkzeughersteller Gedore in Remscheid werden.

Beim Werkzeughersteller Gedore in Remscheid haben digitale Lösungen in der Beschaffung Einzug gehalten.

Digitalisierung im Einkauf – zentrale Einkaufsplattform

Kleinvieh macht nur Mist. Ein Problem zentraler Beschaffung sind die Einkäufe der kleinen Dinge des täglichen Büroalltags: Bleistift, Radiergummi, Papier. Wenn jede Abteilung im Unternehmen ein bisschen von jedem für den eigenen kleinen Bedarf für sich einkauft, verliert man schnell die Übersicht. Das war bei Werkzeughersteller Gedore, ein weltweit führender Werkzeughersteller mit Stammsitz in Remscheid, wohl kaum anders. Das Unternehmen entschloss sich daher vor kurzem zur Digitalisierung im Einkauf in Form einer zentralen Einkaufsplattform.

Die von Jaggaer war das Produkt der Wahl. In der ersten Phase des Optimierungsprojekts konzentrierte sich der Werkzeugproduzent auf die Restrukturierung und Digitalisierung der Transaktionsprozesse. Bereits wenige Monate nach der Implementierung werden laut „MMLogistik“ rund 60 Prozent der Bestellungen für indirektes Material über die Jaggaer-Plattform abgewickelt – Tendenz steigend. Käufer können jetzt Freitext- oder Katalogbestellungen einreichen, die dann automatisch an das Infor-ERP-System des Unternehmens übertragen werden.

Abzieher, Schraubendreher und Zangen

Gedore bietet mit 16.000 Produkten eines der größten Sortimente der Branche im europäischen Markt an. Das Sortiment reicht von A wie Abziehern über Drehmomentwerkezuge, Schraubendreher und Werkstatteinrichtung bis hin zu Z wie Zangen. Außerdem produziert das Unternehmen maßgeschneiderte Sonderlösungen.

Es fertigt unter anderem robuste, hochpräzise Werkzeuge, die für ein dauerhaftes und zuverlässiges Funktionieren auch unter extremen Bedingungen ausgelegt sind. Gedores Hand- und Spezialwerkzeuge entsprechen den Anforderungen der EU-Richtlinien und DIN-Normen.

Verbund an Werkzeugherstellern

Zu den Kunden des weltweit agierenden Unternehmens gehören die Industrie, Automobil-Hersteller und -Zulieferer, Produzenten von Anlagen für regenerative Energien wie zum Beispiel Windräder sowie die Luft- und Raumfahrt. Am Hauptsitz Remscheid beschäftigt Gedore laut „rp online“ derzeit zirka 600 Mitarbeiter. Weltweit sind es fast 3.000. Damit ist das Unternehmen einer der wenigen Marken-Hersteller in der Werkzeugindustrie, das bei seiner Produktion noch auf „Made in Germany“ setzt.

In den Betriebsstätten der Gruppe werden zurzeit 23 Lehrlinge in 13 kaufmännischen und technischen Berufen für den eigenen Bedarf ausgebildet. Die Gedore-Gruppe gilt als weltweit größter Verbund an Werkzeugherstellern und ist international mit Produktions- und Vertriebsniederlassungen vertreten.

Während in Remscheid Qualitätswerkzeuge der Marken Gedore und Ochsenkopf hergestellt werden, befinden sich weitere Produktionsstandorte mit eigenen Tochterunternehmen in Solingen, Waldkirchen, Förderstedt (Metec), Donaueschingen (Klann) und Vaihingen-Enz (Lösomat). Das Gedore-Zangensortiment wird am Standort Österreich von der Schwesterfirma Gedore Austria hergestellt. Außerdem gibt es eigene Werke in Südafrika und Brasilien.

Digitalisierung im Einkauf und Vertragsmanagement von Jaggaer

Durch die Implementierung der E-Procurement-Lösung, des Vertragsmanagements und der RFQ-Tools von Jaggaer sieht sich das Unternehmen jetzt als Vorreiter der Branche auf dem Weg zur Digitalisierung.

Nach wie vor stützt sich ein Großteil der Stahlindustrie in der Beschaffung auf papierbasierte Prozesse. Gedore dagegen entschied sich für eine digitale Lösung von Jaggaer.

So sieht die Digitalisierung im Einkauf in der Praxis aus

Diese digitale Lösung ermöglicht es seinem globalen Beschaffungsnetzwerk, Bestellungen für C-Teile und Dienstleistungen effizienter zu bearbeiten und das Vertragsmanagement zu verbessern.

Mehr Transparenz und Effizienz im Einkauf

Durch die Optimierung der Transaktionsprozesse kamen die Remscheider Werkzeugspezialisten in den Genuss erhöhter Transparenz und mehr Effizienz im Einkauf. Zudem könnten sie sich nun auf die Umsetzung weiterer Digitalisierungsmaßnahmen im Unternehmen konzentrieren.

Das Jaggaer-Vertragsmanagement bietet überdies eine Funktion zur Überwachung von Währungsschwankungen und deren Auswirkungen. Dadurch kann Gedore seine Verträge besser kontrollieren. Wenn der Wechselkurs schwankt, können Preise und Bedingungen mit dem Lieferanten neu verhandelt werden. Aufgrund des agilen und transparenten Bestell- und Vertragsmanagements für indirekte Materialien plant das Unternehmen jetzt, seine digitale Lösung zukünftig um weitere Jaggaer-Module zu erweitern.

Bestellprozesse für indirektes Material bisher papierbasiert

„Abgesehen von unserem ERP-System hatten wir bisher wenig digitalisierte und automatisierte Prozesse, die durch eine Software in der Beschaffung unterstützt wurden“, zitiert „MMLogistik“ Marc Frantzen, den Strategic Purchasing Manager bei Gedore.

Bei dem Unternehmen waren Bestellprozesse für indirektes Material bisher fast ausschließlich papierbasiert. Durchschnittlich 10.000 Bestellungen pro Jahr wickelte es manuell ab. Das hatte Frantzen zufolge einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand zur Folge.

Frantzen: „Wir wollten unsere Beschaffungsprozesse modernisieren.“

Mit Jaggaer als Partner habe man den gesamten Bestell-Workflow verbessert, den Lagerbestand innerhalb der Kategorie C-Materialien verringert und eine vollständige Übersicht aller Verträge im Vertragsmanagement erstellt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)