18.12.2018

Digitalisierung bei Fujitsu

Das richtige Material in richtiger Menge zur richtigen Zeit am richtigen Ort – an den ewigen Zielen des Einkaufs wird sich auch künftig nichts ändern, egal wie künstlich-intelligent und automatisch die Prozesse ablaufen. Was sich ändern muss, ist das Silodenken, so Fujitsu-Einkaufschefin Vera Schneevoigt.

Fujitsu-Einkaufschefin: Digitalisierung bedeutet das Ende von Silodenken im Einkauf.

Arbeitsweise im Einkauf ändern

Die Digitalisierung hat auf Einkauf und Supply Chain massive Auswirkungen. Deshalb müsse sich im Einkauf die Arbeitsweise ändern, schrieb Frau Schneevoigt den Einkäufern auf dem 53. BME-Symposium Einkauf und Logistik „Transformation jetzt!“ ins Stammbuch. Die einzelnen Bereiche der gesamten Supply Chain einschließlich des Einkaufs müssen ihr zufolge deutlich stärker interdisziplinär agieren als bisher. Nur in der Zusammenarbeit lassen sich Innovationen wie Market Intelligence oder Smart Analytics auch umsetzen.

Schneevoigt:

„Das Silodenken in der Supply Chain wird sich auflösen müssen.“

Zudem gelte es, technologische Brüche im Supply-Chain-Operations-Reference-Modell (SCOR), einer standardisierten Beschreibung aller Gesichtspunkte der Lieferkette, aufzubrechen. Nur so könne ein Unternehmen auch morgen noch wettbewerbsfähig bleiben, meint Schneevoigt.

Digitalisierung bei Fujitsu: neue Technologien kein Selbstzweck

Sie weist dabei auf einen Gesichtspunkt hin, den man stets im Blick behalten müsse: Die neuen Technologien und Verfahren sind kein Selbstzweck. Sie dienen vielmehr dazu, Geschäftsprozesse zu unterstützen und Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten.

Fujitsu sieht sich als der führende japanische Anbieter von Geschäftslösungen auf Basis von Informations- und Telekommunikationstechnologien (ITK). Seine Angebotspalette umfasst Technologieprodukte, Technologielösungen und Dienstleistungen. Mit rund 140.000 Mitarbeitern betreut das Unternehmen Kunden in mehr als 100 Ländern. Fujitsu nutzt seine ITK-Expertise, um die Zukunft der Gesellschaft gemeinsam mit seinen Kunden zu gestalten.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Fujitsu Limited mit Hauptsitz in Tokio den Angaben zufolge einen konsolidierten Jahresumsatz von umgerechnet 39 Milliarden US-Dollar.

Hohe Technologiekompetenz und strategischer Ansatz

Der digitale Wandel fordert Schneevoigt zufolge den Mitarbeitern im Einkauf ein Mehr an Technologiekompetenz und strategischem Vorgehen ab. Durch Technologien wie Robot Process Automation (RPA) oder Künstliche Intelligenz werde das herkömmliche Purchasing zunehmend automatisiert ablaufen.

Um maximalen Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen, muss man laut Schneevoigt die relevanten Abläufe insgesamt auf den Prüfstand stellen. Diese müssten so umgestaltet werden, dass sie die Anforderungen der einzelnen Abteilungen und Mitarbeiter besser erfüllen können.

Co-Creation und Design Thinking

Schneevoigt greift bei ihrer Einschätzung auf Erfahrungswerte zurück. Diese zeigen: Das Einbeziehen unterschiedlicher interner, ggfs. auch externer Stakeholder bereits in einem frühen Stadium kann einen erheblichen Mehrwert hervorbringen.

Deshalb setzt Fujitsu bei Digitalisierungsprojekten auf „Co-Creation“. Hierbei werden im Rahmen eines zielorientierten, pragmatischen Design Thinking-Ansatzes gemeinsam Lösungen gefunden. Das Digital Transformation Center von Fujitsu in München biete dafür ideale Rahmenbedingungen.

Systematisches Herangehen an komplexe Aufgaben

Design Thinking definiert das Hasso-Plattner-Institut (HPI) als eine

„systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen“.

Der Ansatz geht weit über die klassischen Design-Disziplinen wie Formgebung und Gestaltung hinaus. Viele Herangehensweisen in Wissenschaft und Praxis gehen die Aufgabe von der technischen Lösbarkeit her an.

Das Grundprinzip des Design Thinking

HPI zufolge stehen beim Design Thinking die Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie das nutzerorientierte Erfinden im Zentrum des Prozesses. Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich dadurch in die Rolle des Anwenders.

Design Thinking fordert eine stetige Rückkopplung zwischen dem Entwickler einer Lösung und seiner Zielgruppe. Design Thinker stellen dem Endnutzer Fragen und nehmen seine Abläufe sowie Verhaltensweisen genau unter die Lupe.

Hier geht es zur Website des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam: hpi.de.

Lösungen und Ideen werden in Form von Prototypen möglichst früh sichtbar und kommunizierbar gemacht. Damit können potentielle Anwender sie lange vor der Fertigstellung oder Markteinführung testen. Auf diese Weise soll – so HPI – Design Thinking praxisnahe Ergebnisse erzeugen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)